Eigenheim anders gedacht

Vier unterschiedliche Herangehensweisen an das Thema Holzhausbau

15.02.2019 – Spezialisten für standardisierte Systeme im mehrgeschossigen Holzbau gibt es mittlerweile in der Holzbaubranche viele – von Vorarlberg bis ins Burgenland über ganz Österreich verteilt. Was sich abseits davon am Einfamiliensektor tut, haben wir ganz selektiv herausgegriffen. Vier unterschiedliche Herangehensweisen fokussieren ein gemeinsames Ziel: nämlich mit flexiblen, rückbaubaren Einheiten zeitgemäß auf moderne Wohnträume zu reagieren.

© AdobeStock
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Bezahlbarer Wohnraum in der Nähe des eigenen Arbeitsplatzes wird zunehmend knapper. Mehrgeschossige Wohnkomplexe führen derzeit die Argumentationslinie der Lösungsvorschläge. Sie nutzen Baugrund zwar effizient, doch tragen sie Bedürfnissen, wie der Individualisierung, Großzügigkeit, Privatsphäre und Unabhängigkeit, nicht immer ausreichend Rechnung. Die hier vorgestellten Einfamilienhäuser zeigen Wege auf, um mit geschickter Holzbauweise den Traum vom Eigenheim erreichbar werden zu lassen und dabei gleichzeitig etwas für die Umwelt zu tun. Sie sind leicht, dank Vorfertigung schnell vollendet sowie raum- und energieeffizient. Die Bauherren und ihre Partner verbindet der hölzerne Wille, Gemütlichkeit und Komfort erschwinglich zu machen, ohne dabei Ressourcen zu verschwenden. Dabei muss der Standort der vertrauten vier Wände ebenfalls nicht in Stein gemeißelt sein, sondern kann genauso gut im Boden verschraubt oder einfach aufgestellt werden. Verschiebt sich der Lebensmittelpunkt der Bewohner, nimmt man die transportablen Modelle einfach mit. So birgt der Einfamilienhausbau mit Holz reichlich Potenzial, die Anforderungen der modernen Gesellschaft unter einem Dach zu vereinen.

Holzzelt nach Wunsch

Klein A45
Bauweise: Holzrahmenbau

Ob als Atelier, Büro oder Eigenheim: Klein A45 bietet vielseitig nutzbaren Raum, wo immer man ihn benötigt. Der Innenarchitekt Søren Rose gründete das Unternehmen Klein, um Wohnungssuchende weltweit innerhalb von sechs Monaten mit individuellem Wohnraum zu versorgen. Der Prototyp aus der Feder der bekannten Architekten Bjarke Ingels Group (BIG) soll mit Effizienz, Flexibilität und Hochwertigkeit jedermann für das Tiny House-Leben begeistern können. Eine 17m2 große Grundfläche wird von einem geschickt angeordneten Schrägdach aus dreieckigen Dachflächen möglichst großzügig, aber auch für die Regenwasserableitung optimiert überspannt. Das Bad ist ein einziger Traum in Zedernholz. Der Großteil der Wände ist massig, doch zu einer Seite bringt eine große Glasfläche Licht ins Spiel. Die Decke überragt den Douglasienholzboden hier um bis zu knapp 4m.

Die dreieckigen Holzrahmenbauteile bestehen aus Kiefernholz ... © Matthew Carbone
Die dreieckigen Holzrahmenbauteile bestehen aus Kiefernholz ... © Matthew Carbone
... und sind mit einer dämmenden Korkschicht versehen. © Matthew Carbone
... und sind mit einer dämmenden Korkschicht versehen. © Matthew Carbone
© Matthew Carbone
© Matthew Carbone
© Matthew Carbone
© Matthew Carbone

Wie ein Zelt lässt sich die Holzrahmenbaukonstruktion aus Kiefer auf ihren vier Betonfüßen quasi überall aufschlagen. Die vorgefertigten, geometrischen Einzelteile werden lediglich miteinander verbunden und es bedarf keinerlei schweren Geräts dazu – eine Grundstückserschließung wäre allerdings natürlich wünschenswert. Alle Bauteile und Materialien, wie das Holz und die dämmende Korkschicht, sind recycelbar. Die bewusst hochwertige und langlebige Innenausstattung macht das kleine Haus ebenso wohnlich wie nachhaltig. Geheizt wird mit einem Ofen. Zwar je nach gewähltem Standort wohl etwas schräg anmutend, fügt sich dieses gefaltete Konstrukt dennoch mühelos in seine Umgebung ein und bringt Komfort, Ästhetik und Nachhaltigkeit auf einen ungewöhnlichen Nenner. Ausgehend vom Prototyp soll es eine Reihe von individualisierbaren Varianten geben – die Vorbestellungsliste ist bereits eröffnet. In unserer schnelllebigen und globalisierten Welt dürften digitale Nomaden genauso wie Aussteiger an solch einem Heim Interesse finden.

Geistige Einstellung verbindet

COMMOD HOUSE
Bauweise: Holzriegelbau

2011 gründeten Michaela Maresch und Gerald Brencic das Unternehmen COMMOD HOUSE in Graz. Beide haben auf der Technischen Universität Graz Architektur studiert. Ihr ästhetischer Zugang zum Bauen und Wohnen bestimmt daher auch die Unternehmensphilosophie. Die Holzriegelbauten à la COMMOD gibt es ein- oder zweigeschossig, mit Flach- oder Steildach, als L-förmige Baukörper oder rechteckig. Die Möglichkeiten sind vielfältig. Individualität steht trotz der vorgegebenen Standardmaße am Programm. „Im vergangenen Jahr haben wir 20 Häuser gebaut. Wir wachsen zwar stark, wollen aber nicht in die Masse gehen“, erklärt Maresch. Was oft nach leerer Worthülse klingt, glaubt man der jungen Planerin ohne Zweifel: „Wir setzen auf hohe Qualität. Gedämmt wird mit Zellulose, Kunststofffenster haben wir nicht im Programm.“

© COMMOD HOUSE
© COMMOD HOUSE
© COMMOD HOUSE
© COMMOD HOUSE

Die Holzriegelhäuser sitzen zu 95 % auf Schraubfundamenten. „Uns war sehr wichtig, dass wir eine Methode verwenden, die Rückbaubarkeit, ohne große Spuren zu hinterlassen, garantiert. Mir ist schon klar, dass wir damit das Versiegelungsproblem nicht lösen, leisten aber trotzdem diesen Umweltbeitrag.“ Ein weiterer wichtiger Punkt im Unternehmen ist Transparenz. Deshalb lädt man mehrmals im Jahr zu einem Tag der offenen Tür ins Werk. Dafür müssen die Besucher allerdings Grenzen überschreiten und sich ins rund eine Autostunde von Graz entfernte Križevci begeben. Das slowenische Partnerunternehmen MITOS produziert dort für COMMOD HOUSE. „Wir haben nach einem steirischen Unternehmen gesucht, sind aber nicht fündig geworden. Mit MITOS haben wir einen absoluten Glücksfall gelandet.“ Tischler, Zimmerer, Elektriker, Installateure, Spengler und Maler sind im Werk unter einem Dach vereint. „Wöchentlich halten wir Treffen vor Ort zur Qualitätskontrolle ab.“

© COMMOD HOUSE
© COMMOD HOUSE

Wer kauft also diese spezielle Art von Häusern? „Wir hatten die Zielgruppe schon einmal definiert, unsere Kunden haben uns aber wieder eines Besseren belehrt“, sagt Maresch. „Verbindendes Element ist eher die geistige Haltung – pro Holz, pro Nachhaltigkeit. Und der Vorteil Zeitersparnis spricht alle unsere Kunden an.“ Und der Preis? „Bei 100 m2 Bruttogrundfläche liegen wir bei etwa 1590 Euro schlüsselfertig.“

Pachten statt kaufen

Storchennest
Bauweise: Holzriegelbau, Brettsperrholzbau

Um seiner Familie ein bezahlbares und großzügiges Heim im Grünen – und dennoch in der Nähe seines Arbeitsplatzes – zu erschaffen, dachte ein Holztechnologe aus Kuchl das Wohnen neu: Dass ein Haus für die Ewigkeit an seinen Standort gebunden zu sein hat, wagte er zu hinterfragen, pachtete sich ein Grundstück unweit des Holztechnikums, in dem er täglich seine Schüler zum Umdenken anregt, und entwarf ein transportables Holzhaus auf Stelzen. 25 Jahre lang gilt der Pachtvertrag, sodass Otmar Bachler pünktlich zur Pension seinen Arbeitsplatz mit Haus- und -stand im Gepäck hinter sich lassen kann. Gemeinsam mit Innovaholz, welche kürzlich zwei Mal den Salzburger Holzbaupreis erhalten haben, realisierte der Bauherr sein Projekt in Leichtbauweise, die es gleichzeitig zu einem Niedrigenergiehaus macht.

Die vorgefertigten Einzelteile des transportablen Niedrigenergiehauses ...
Die vorgefertigten Einzelteile des transportablen Niedrigenergiehauses ...
... wurden an Ort und Stelle innerhalb von fünf Monaten einzugsfertig montiert. © Otmar Bachler
... wurden an Ort und Stelle innerhalb von fünf Monaten einzugsfertig montiert. © Otmar Bachler
© Otmar Bachler
© Otmar Bachler

Holzriegelaußen- und Brettsperrholzinnenwände sowie ebenfalls vorgefertigte Dachelemente wurden innerhalb von fünf Monaten montiert und mit einer lasierten Fichtenholzfassade versehen. Die durchgeplante Holzkonstruktion selbst sorgt für Heimeligkeit, schont Ressourcen und bietet ausreichend Platz für die Familie. Zwölf Stelzen sind auf der 93 m2 großen bebauten Fläche montiert. Um die Rückbaubarkeit zu gewährleisten, ging man auch in Sachen Verankerung neue Wege: Spinnanker – also durch eine Ankerplatte getriebene Gewindestäbe – verwurzeln das Konstrukt regelrecht im Boden, sind aber einfach wieder zu entfernen. So bleibt das Haus den Bachlers wohl ewig erhalten – nur, wo es im Laufe seines Lebens stehen wird, ist ungewiss.

Auf Erdschrauben gesetzt

MC Cube
Bauweise: Massivholzbau

McCube macht mobil. Die in Massivholzbauweise ausgeführten „Häuser zum Mitnehmen“ sind an den auf Flexibilität fokussierten Lebensstil des 21. Jahrhunderts angepasst: McCube-Geschäftsführer Oliver Pesendorfer beschreibt den Kern der Versetzbarkeit: „Das Haus inklusive aller Einbauten sitzt auf einem Fundament aus Erdschrauben. So spart man sich den Keller, den gern mal teuersten Teil eines Hauses.“ Wie aber sieht Pesendorfer die Problematik der Baugrundknappheit? „Jeden, der vom Eigenheim träumt, in einen Wohnblock hineinzuzwingen macht keinen Sinn. Deshalb gibt es das Konzept McCube, dessen Schraubfundamente zudem keinerlei Abdruck auf der grünen Wiese hinterlassen.“ Und wie steht es um den Preis? „Der Richtwert beginnt bei 2200 Euro pro Quadratmeter, inklusive Böden, Bad, WC-Ausstattung, Türen, Heizung und Elektroinstallationen – kurz, da ist alles dabei. Ein wohlfeiler Preis für Qualität aus Österreich.“ Produziert wird in Trofaiach. Darüber hinaus besteht eine Kooperation mit der Lieb Bau Unternehmensgruppe, die im Bereich Holzbau auf jahrelange Erfahrung zurückgreifen kann. „Dort habe ich immer mit denselben Leuten zu tun. Auch Spengler, Elek-triker oder Installateure sind gleichbleibend am Prozess beteiligt.“

Häuser zum Mitnehmen: Die McCube-Häuser sind beliebig erweiterbar. © McCube
Häuser zum Mitnehmen: Die McCube-Häuser sind beliebig erweiterbar. © McCube
Geliefert wird inklusive Böden, Bad, Türen, Heizung und Elektroinstallation. © McCube
Geliefert wird inklusive Böden, Bad, Türen, Heizung und Elektroinstallation. © McCube
© McCube
© McCube

Mittlerweile stehen die Zeichen des 2015 gegründeten Unternehmens auf Expansion: ein dreigeschossiger McCube-Wohnkomplex in Oberösterreich, ein Produktionsstandort im Nachbarland Deutschland – und das ist erst der Anfang. „Die Idee des Mitnehmens funktioniert. Erst kürzlich zog einer unserer Kunden mitsamt seinem Haus nach Oberösterreich um. Der hat sich einfach verliebt.“

_du / _kl