Prechts kleine Farm

Holzbau soll Großstädte näher an die Landwirtschaft bringen

05.03.2019 – Das Planerduo und Ehepaar Fei und Chris Precht, der auch Mitbegründer des Architekturstudios Penda ist, hat ein Konzept für modularen Wohnbau entwickelt, bei dem die Bewohner in vertikalen Farmen ihre eigenen Lebensmittel produzieren. Es soll Menschen vor allem in Großstädten wieder näher zur Landwirtschaft bringen und ihnen helfen, nachhaltiger zu leben.

Wie eine kleine Farm inmitten der Metropolen dieser Welt soll das Wohnhaus von Fei und Chris Precht stehen. © Precht
Wie eine kleine Farm inmitten der Metropolen dieser Welt soll das Wohnhaus von Fei und Chris Precht stehen. © Precht

Die Grundidee hinter dem sogenannten „Farmhouse”, so die Projektbezeichnung, liegt für Architekt Chris Precht auf der Hand: „Die Weltbevölkerung konzentriert sich immer mehr in Großstädten. Diese Metropolen sind fernab der Landwirtschaft und ohne direkten Zugang zu frischen und biologisch angebauten Produkten. So verlieren die Menschen den Kontakt zu ihren Lebensmitteln, während der Transport selbiger zunehmend teurer wird und die Umwelt schädigt“, so Precht. Das modulare System würde es den Menschen ermöglichen, selbst Obst und Gemüse anzubauen. „Diese körperliche und geistige Verbindung mit der Natur fehlt heutzutage immer öfter. Das Projekt könnte ein Katalysator sein, um uns wieder mehr mit dem Lebenszyklus der Umwelt zu verbinden“, ist sich der Architekt sicher.

Die einzelnen Module werden aus Brettsperrholz vorgefertigt und haben die Form eines klassischen Fachwerkhauses. © Precht
Die einzelnen Module werden aus Brettsperrholz vorgefertigt und haben die Form eines klassischen Fachwerkhauses. © Precht
Je nach Anforderungen werden die Module aufeinander-
gestapelt und bilden Wohnungen oder eine grüne Pufferzone dazwischen. © Precht
Je nach Anforderungen werden die Module aufeinander-
gestapelt und bilden Wohnungen oder eine grüne Pufferzone dazwischen. © Precht

Vom Großstadtdschungel aufs Land

Fei Precht ergänzt: „Unsere Motivation für das Projekt ist eine persönliche. Vor zwei Jahren haben wir unser Büro aus dem Zentrum von Peking in die Berge Österreichs verlegt. Wir leben und arbeiten jetzt außerhalb der Infrastruktur einer Großstadt und versuchen, so autark wie möglich zu sein. Wir bauen die meisten Lebensmittel selbst an und beziehen den Rest von benachbarten Bauern. Dadurch hat sich unser Verhältnis zu Lebensmitteln total geändert. Eine Tomate aus meinem Garten schmeckt einfach anders, besser. Wir finden, dass mehr Menschen diese Erfahrung machen sollen.“

© Precht
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BSP-Modul in Form eines Fachwerkhauses

Das Wohnhaus besteht aus vorgefertigen Brettsperrholzmodulen, die wahlweise miteinander verbunden werden können. Das Gebäudesystem basiert auf der strukturellen Klarheit traditioneller Fachwerkhäuser.  „Der praktische Ansatz des Modulsystems entspricht dem Zeitgeist der heutigen Do-it-yourself Generation. Bau- und Gartenelemente, Entsorgungseinheiten, Wasseraufbereitung, Hydrokultur- und Solarsysteme sind aus einem Katalog wählbar und bieten eine gewisse Flexibilität für verschiedene Grundrisse. So ist vom Einfamilienhaus bis zum Holzwolkenkratzer alles möglich“, sind sich die Architekten sicher.

Auf vertikalen Wänden könnend die Bewohner ihr eigenes Obst und Gemüse anbauen. © Precht
Auf vertikalen Wänden könnend die Bewohner ihr eigenes Obst und Gemüse anbauen. © Precht
Das Gemüse dient dem Eigengebrauch oder wird in Läden an die Wohngemeinschaft verteilt. © Precht
Das Gemüse dient dem Eigengebrauch oder wird in Läden an die Wohngemeinschaft verteilt. © Precht

Für größere Strukturen, wie sie für Mehrparteienhäuser gebraucht werden, kommen die Module als Duplex-Fachwerkhaus (Form einer Raute) daher. Im ersten Stock befindet sich der Wohn- und Küchenbereich und im zweiten Stock – in einem zeltartigen Raum – Schlaf- und Badezimmer. Die schrägen Wände der unteren Konstruktion bieten Platz für Bepflanzung und bilden eine V-förmige Pufferzone zwischen den einzelnen Wohnungen. Dadurch wird auch eine Belüftung und natürliches Licht ins Gebäude eingebracht. Vorerst existiert eine Konzeptstudie.

_bg / Quelle: Architekturbüro Precht