Altpapier als Brandschutz

Neuartiger Dämmstoff für vorfabrizierte Holzbauelemente im mehrgeschossigen Holzbau

07.03.2019 – Wissenschaftler der Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (EMPA) haben gemeinsam mit einem Dämmstoffhersteller ein Produkt aus Altpapier entwickelt, der sich für vorfabrizierte Holzbauelemente auch in mehrgeschossigen Holzhäusern eignet und die Konstruktion wirksam vor Feuer schützt.

Eine Einblasdämmung aus Altpapier wird zum soliden Dämmstoff. © Empa
Eine Einblasdämmung aus Altpapier wird zum soliden Dämmstoff. © Empa

Das Ergebnis der gemeinsamen Forschungsarbeit ist ein kleiner, unscheinbarerer Würfel aus grauen Flocken. Dieser soll beweisen, dass sich riesige Berge von Altpapier in ein wertvolles und feuerfestes Dämmmaterial verwandeln lassen: „Ich bin sehr zufrieden, denn in diesem Würfel steckt sehr wenig Chemie, aber umso mehr technisches Know-how“, ist Franziska Grüneberger von der EMPA stolz. Ausschlaggebend für ein markttaugliches Resultat sei gewesen, dass der Würfel nicht zerbröselt. Denn nur so könne er tragende Holzelemente lange und wirksam vor Feuer schützen. Genau diese Festigkeit sei in der industriellen Herstellung von Dämmstoffschichten nur schwer zu erreichen. „Die Altpapierfasern werden jedoch automatisch in einen Hohlraum eingeblasen, bis er ganz gefüllt ist“, erläutert die Forscherin. Am Ende soll die maschinell eingeblasene Dämmung so fest und formatfüllend im Bauteil sitzen wie eine von Menschenhand eingepasste Dämmplatte.

Franziska Grüneberger und Willi Senn im Brandlabor, in dem die entscheidenden Versuche stattfanden. © Empa
Franziska Grüneberger und Willi Senn im Brandlabor, in dem die entscheidenden Versuche stattfanden. © Empa

Suche nach geeignetem Bindemittel

Das Industrieprojekt startete im Frühjahr 2017 mit der Suche nach einem geeigneten Bindemittel, das für den Einsatz im Holzbau nachweislich ungiftig ist. Der gewünschte Stoff fand sich in der Lebensmittelindustrie. Ein Brandversuch brachte den Beweis: Die neue Isolierung inklusive Bindemittel schützte die Konstruktion zuverlässig, während die Flocken ohne Zusatzstoff durch die fehlende Verklebung aus dem Holzrahmen herausfielen. Den Nutzen für Anwender erläutert Jon-Anton Schmidt, Leiter Anwendungstechnik bei Isofloc: „Das Dämmmaterial in loser Form einzubringen, ist schon eine enorme Zeitersparnis. Mit dem zusätzlichen Vorteil der Formstabilität und der damit verbundenen Feuerfestigkeit erreichen wir Schutzwirkungen, die mit geklemmten Steinwollmatten vergleichbar sind. Das macht die ohnehin schon ökologische und effiziente Dämmung für die Bauindustrie noch interessanter.“

Dämmstoff 2020 marktreif

Der finale Entwicklungsschritt geschieht nun beim Industriepartner. Dort muss eine neue Generation von Einblasmaschinen für den neuen Dämmstoff entwickelt werden. Die Dosierung des Bindemittels ist dabei wichtig. Sie muss in allen Produktionsschritten in engen Toleranzen eingehalten und überwacht werden können. In einem Jahr, so schätzt der Dämmstoffhersteller, kann die neue Technik auf den Markt kommen.

_bg / Quelle: EMPA