Nie auf Lorbeeren ausruhen

Der neue Bundesinnungsmeister Siegfried Fritz im Interview

12.03.2019 – Anfang Februar wählten die Mitglieder des Bundesinnungsausschusses
einstimmig den Vorarlberger Landesinnungsmeister, Siegfried Fritz, zu ihrem Bundesinnungsmeister Holzbau. Wer ist der neue Mann an der Spitze und was treibt ihn an? holzbau austria hat es erfragt.

Der Vorarlberger Landesinnungsmeister Siegfried Fritz ist der neue Bundesinnungsmeister Holzbau. © Matthias Rhomberg
Der Vorarlberger Landesinnungsmeister Siegfried Fritz ist der neue Bundesinnungsmeister Holzbau. © Matthias Rhomberg

? Herr Bundesinnungsmeister, seit 1. Februar dieses Jahres bekleiden Sie das Amt des Bundesinnungsmeisters. Für alle, die Sie nicht kennen – wer übernimmt diese wichtige Aufgabe?
! Ein Vorarlberger Holzbau-Meister. Unser Holzbaubetrieb in Bartholomäberg im Montafon beschäftigt derzeit rund 20 Mitarbeiter. Das Hauptgeschäftsfeld ist der Einfamilienhausbau in Holzelementbauweise und schlüsselfertiger Ausführung. 1950 wurde der Betrieb von meinem Vater gegründet, 1985 habe ich ihn gemeinsam mit meiner Frau übernommen.

? Welche Themen stehen bei Ihnen ganz oben auf der Prioritätenliste?
! Der Holzbau ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen. Immer mehr Planer beschäftigen sich mit Konstruktionen in Holz. Deshalb muss die Zusammenarbeit zwischen Holzbau-Meistern und Architekten sowie Planern weiter intensiviert werden, damit der Informationsfluss funktioniert. Im kleinsten Bundesland, hier in Vorarlberg, klappt die Kommunikation bereits relativ gut. Jetzt müssen wir versuchen, das weiter auf ganz Österreich umzulegen. Ein Punkt dabei ist der Ausbau der Wissensvermittlung an Planer. Das Salzburger Format „Holzbauarchitektur im Fachgespräch“ kommt diesem Anspruch beispielsweise entgegen. Hier geben Architekten ihre Erfahrungen an interessierte Kollegen weiter und räumen mögliche Fehlerquellen aus.

© Matthias Rhomberg
© Matthias Rhomberg

? Welches Thema liegt Ihnen noch am Herzen?
! Als wichtige Aufgabe empfinde ich, darauf zu achten, dass Österreichs Holzbau-Meister und Zimmerer nicht von der Gesetzesflut übermannt werden. Deshalb ist es auch so essenziell, dass wir Mitglieder im internationalen Normungsausschuss haben. Die TCE [Timber Construction Europe, Anm. d. Red.] bildet das Bindeglied zwischen der EU und Österreichs Klein- und Mittelbetrieben. Wir Zimmerer brauchen die TCE als Normenradar und Plattform, um unsere österreichischen Holzbauinteressen einzubringen. Das liegt mir am Herzen.

? Fällt Ihnen da ein Beispiel zu Erreichtem ein?
! Ja, die gewerberechtliche Befugnis von Holzbauunternehmen zum Treppenbau ohne notwendige Einzelzertifizierung zum Beispiel. Diese Berechtigung stand 2017 an der Kippe. Mit unserem Einspruch in Brüssel konnte das Vorhaben, für jede gebaute Treppe eine Zertifizierung vorweisen zu müssen, verhindert werden. Weiters konnte die Fremdüberwachung einseitig beplankter Wände abgewandt werden. Zwei Dinge, die den Arbeitsalltag der Zimmerer Österreichs direkt beeinflusst hätten.

? Ausbildung ist auch ein Thema, das jeden Bundesinnungsmeister begleitet. Ich weiß, dass Ihnen die Jugend in Ihrem Betrieb sehr wichtig ist.
! Das stimmt. Jeder weiß: Gute Ausbildung kostet Zeit und Geld. Aber wir sehen, es zahlt sich aus, in beides zu investieren. Derzeit beschäftigen wir vier Lehrlinge bei Holzbau Fritz. In Vorarlberg verfolgen wir darüber hinaus seit 2001 das betriebsübergreifende Modell „Holzbau Zukunft“, wo Lehrlinge eine Woche lang aufeinandertreffen, um intensiv ihr Handwerk zu betreiben, sich theoretisch weiterzubilden und gegenseitig besser kennenzulernen.

? Wenn man sich kennt, fördert das die spätere Zusammenarbeit.
! Darüber hinaus kann man flexibel auf Herausforderungen im Holzbau reagieren. Vergangenes Jahr wurden beispielsweise Inhalte betreffend digitale holzbaurelevante Inhalte in das Bildungsprogramm der Holzbau Zukunft eingearbeitet.

? Und was will Bundesinnungsmeister Siegfried Fritz darüber hinaus für die österreichischen Holzbau-Meister erreichen?
! Wir werden die Rahmenbedingungen für den Holzbau weiter verbessern und ein fruchtbares Holzbauklima für alle schaffen. Allerdings muss sich jeder einzelne Holzbau-Meister selbst auch bemühen, gut mitzukommen, zu lernen und Mut zu haben. Eine effiziente und starke Zusammenarbeit der Bundesinnung Holzbau und ihres Vereins holzbau austria ist dafür enorm wichtig, ebenso wie stabile Partnerschaften mit unserer Holzindustrie und anderen Holzverbänden, wie proHolz, den Holzclustern oder Holzbauoffensiven.

? Von allen Seiten schreit man geradezu nach CO2-Einsparung. Dennoch kommt man in Sachen großvolumiger Objekte nur langsam voran. Was ist Ihr Rezept, damit das regionale Handwerk von den internationalen Entwicklungen profitieren kann?
! Es braucht Vorhaben im Bereich der Nachverdichtung. Holz könnte hier eine weit größere Rolle spielen. 70er-Jahre-Bauten, über ganz Österreich verteilt, bieten beispielsweise ein weitreichendes Handlungsfeld. Ein weiteres sind großvolumige Bauten, die in Österreich langsam an Fahrt aufnehmen. Am HoHo Wien in Aspern sehen wir ja, dass solche Leuchttürme ihre Wirkung weltweit verbreiten.

? 2018 war ein Jahr, in dem die Branche Flagge zeigen konnte. Die Auftragszahlen und Umsätze waren gut. Das bringt auch Herausforderungen für jeden Betrieb.
! Klar. Man muss immer auf Zack bleiben, auch wenn die Auftragslage im Moment sehr gut ist. Man darf sich nie auf seinen Lorbeeren ausruhen. 

_kl