Neuartiges Holzbausystem

„vivihouse“ verhilft nachwachsenden Rohstoffen zur Mehrgeschossigkeit

12.03.2019 – Der Name „vivihouse“ steht für ein neuartiges Holzbausystem zur Errichtung von Gebäuden mit bis zu sechs Geschossen. Dieses wird seit 2017 im Rahmen eines vom Klima- und Energiefonds geförderten Forschungsprojekts von Architekten an der Technischen Universität Wien gemeinsam mit den Partnerunternehmen RWT Plus, Lukas Lang Building Technologies und dem Österreichischen Netzwerk für Strohballenbau (ASBN) entwickelt.

So sieht der vivihouse-Prototyp aus. Das Holz für die Fassade stammt von REMA, jenes für das Podest von Weiss Holzgroßhandel. © Nikolaus Kichler
So sieht der vivihouse-Prototyp aus. Das Holz für die Fassade stammt von REMA, jenes für das Podest von Weiss Holzgroßhandel. © Nikolaus Kichler

Das System basiert auf einer modularen Skelettbauweise, die speziell für den Einsatz ökologischer Materialien, wie beispielsweise Strohballen als Dämmstoff oder Kalk- und Lehmputze, ausgelegt wurde. Diese sorgen für ein gesundes Raumklima, niedrigen Energieverbrauch und einen umweltschonenden Lebenszyklus.

Neben den ökologischen Ansprüchen steht bei diesem Projekt auch eine strategische Komponente im Vordergrund: Natürlichen Materialien kann der Sprung in den urbanen Raum dann gelingen, wenn unterschiedlichen Akteuren die Möglichkeit zur Teilnahme an der Planung und Umsetzung geboten und begeisterten Nutzern der Zugang zu neuen Wohnformen erleichtert wird – vivihouse macht das möglich.

Bei der Montage unterstützte Berger Holzbau aus Pernitz. Die Holzträger, gefertigt von HASSLACHER NORICA TIMBER, sind hier für sechs Geschosse dimensioniert. © Nikolaus Kichler
Bei der Montage unterstützte Berger Holzbau aus Pernitz. Die Holzträger, gefertigt von HASSLACHER NORICA TIMBER, sind hier für sechs Geschosse dimensioniert. © Nikolaus Kichler

Ein Bausystem auch für Zimmereien

Das Bausystem erlaubt allen, an der Vorfertigung der Bauelemente mitzuwirken: Je nach vorhandenen Fähigkeiten und Möglichkeiten eignet sich vivihouse für die klassische Zimmerei, die computergestützte Fertigung oder betreute Bauworkshops mit Laien. Die einfache Rahmenbauweise der Decken- und Fassadenelemente kann nahezu beliebig befüllt und gestaltet werden. Eine Kooperationsplattform, die sich noch im Entstehungsprozess befindet, wird es Planern ermöglichen, das Bausystem weiterzuentwickeln und an individuelle Erfordernisse anzupassen.

Ziel der Bauweise ist es, ökologischen Materialien und energieeffizienten Systemen den Sprung in die Mehrgeschossigkeit zu ermöglichen. © vivihouse
Ziel der Bauweise ist es, ökologischen Materialien und energieeffizienten Systemen den Sprung in die Mehrgeschossigkeit zu ermöglichen. © vivihouse

Langlebig und anpassungsfähig

Mit vivihouse zu bauen bedeutet, ressourcenschonend auf unvorhersehbare Entwicklungen, wie Demographie, Klimawandel oder technischen Fortschritt, reagieren zu können: Alle vivihouse-Bauelemente sind miteinander kompatibel und lassen sich an unterschiedliche Grundstücksformen, Nutzungsvarianten, Geschosszahlen und Geschmäcker anpassen. Sie können sogar demontiert, transportiert und an anderer Stelle neu zusammengesetzt werden. Die Skelettbauweise erlaubt zudem eine hohe Grundrissflexibilität von der Wohn- bis zur Büronutzung.

Erster Prototyp fertiggestellt

Im niederösterreichischen Pernitz wandte man das Bausystem Ende vergangenen Jahres erstmals an. Architektur-Studierenden der TU Wien, das vivihouse-Team und ASBN legten dabei Hand an. Die Montage ging unter Mithilfe der Zimmerei Berger vonstatten. Hinsichtlich des Holzbaus wurde das Projekt vom Verband der Europäischen Hobelindustrie (VEH) samt seinen Mitgliedern HASSLACHER NORICA TIMBER, REMA Hobelwerk und Weiss Holzgroßhandel, großzügig mit Material unterstützt. Die teilweise blockverklebten und fertig abgebundenen Brettschichtholzstützen und -streben des Skelettbaus lieferte HASSLACHER NORICA TIMBER. Diese wurden per Mobilkran versetzt und bilden das statische Grundgerüst. Die Fassadengliederung entspringt der vivihouse-Modularität, welche mit Nut- und Federschalung von REMA aus silbergrauer nordischer Fichte hervorgehoben wird (REMA Kontrastline Patina). Die Stiege und Terrasse vor dem Eingang sind in edler Thermoesche der Firma Weiss ausgeführt. Die Mitarbeiter von Weiss ließen es sich nicht nehmen, persönlich beim Bauworkshop zu helfen und ihr Know-how und handwerkliches Können einzubringen.

Architekturstudierende der TU Wien bei der Vorfertigung der vivihouse-Fassadenelemente – hier mit Strohballendämmung. © Nikolaus Kichler
Architekturstudierende der TU Wien bei der Vorfertigung der vivihouse-Fassadenelemente – hier mit Strohballendämmung. © Nikolaus Kichler

Projektpräsentation in Wien

Im Spätsommer dieses Jahres wird der vivihouse-Prototyp in Wien aufgestellt und dann als dreigeschossiger Pavillon erstmals einer breiten Öffentlichkeit präsentiert. Dadurch können viele Menschen die Qualitäten ökologischer Materialien und deren Eignung für die Stadt im 1:1-Maßstab erleben. Damit erhofft man sich, neue Zielgruppen zu erreichen. Das ist wichtig für eine weitere Realisierung im Rahmen der Internationalen Bauausstellung (IBA Wien) im Jahr 2022.

Für die Produktion weiterer Bauelemente sucht das vivihouse-Team noch Sponsoren und Partnerfirmen, die sich mit dem Gedanken des ökologischen Bauens in der Mehrgeschossigkeit identifizieren. Man freut sich auf Kooperations- oder Besichtigungsanfragen, Kommentare beziehungsweise Feedback zum Projekt.

_kl / Quelle: VEH