Ressourcenschonend Bauen mit Holz

Ein Artikel von Corinna Menn Studio, Madlen Tüxsen | 23.02.2026 - 08:20

Der Caumasee liegt im Großwald Uaul Grond der Gemeinde Flims im Schweizer Kanton Graubünden. Seit den Anfängen des alpinen Sommertourismus im frühen 19. Jahrhundert wird er als Kur- und Badesee genutzt. Aufgrund der Veränderung des alpinen Lebensraums durch den Klimawandel sucht die Gemeinde Flims mit dem neuen Restaurant – als Ersatz nach einem Brand – Alternativen zum Wintertourismus.

Die Gestaltung

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© Ralph Feiner

Im Interesse des Landschaftsschutzes fügt sich der neue Baukörper in den Saum des Waldes und spielt bewusst den Uferraum frei. Um den Fußabdruck des Gebäudes zu vermindern, werden die Nutzungen übereinandergestapelt. Der vertikale Körper mit dem steilen Giebeldach wird zur ruhenden Form am Waldrand. Über diese Identitätsstiftung hinaus ist der Flimser Wald die lokale Materialressource der Baukonstruktion.

Das Holztragwerk wird den unterschiedlichen Räumen als Stützen- und Scheibenstruktur präzise eingeschrieben. Die aus linearen Elementen gefügte Konstruktion schafft im Innern starke, tektonische Räume. Unter einem Dach werden das ganzjährige Restaurant und die Küche gefasst, Hängesäulen und A-Stützen treten als Figuren in den Raum. Das kleinteilige Blindgeschoß für Technik und Lager überträgt die Kräfte auf das Erdgeschoß, wo sich die selbstbediente Sommergastronomie befindet.

Außen erzeugen klapp- und schiebbare Fassadenelemente eine Anpassbarkeit des Baukörpers an den Rhythmus der Jahreszeiten und an den sich stark verändernden Betrieb am See. Die mechanische Eigenschaft der Fassade erzeugt eine vermittelnde Schicht zwischen innen und außen, die Räume für die Nutzenden im Sommer erweitert und im Winter schrumpft. Die dunkel lasierte Fassade löst den Baukörper vor dem Hintergrund des Waldes auf. Das dünne, wie ein Papier aufgesetzte, Aluminiumdach bricht je nach Perspektive und Licht seine Körperhaftigkeit.

Die Haupttragkonstruktion

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© Ralph Feiner

Die geneigten Dachflächen wirken als flächiges Tragwerk beziehungsweise Faltwerk. Sie bestehen aus Sparren mit oberseitiger Dreischichtplatte und einer anschließenden Dämmebene mit tragenden Rippen. Die Elemente liegen auf der Fuß-, Mittel- und Firstpfette auf. Die Mittelpfette wird über zwei Hängewerke an die Firstpfette aufgehängt. Die Firstpfette leitet, unterstützt durch die Dachscheiben, die Aufhängelasten an die Giebelflächen des Daches ab.

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Axonometrie der Fassade mit anpassbaren Klapp- und Schiebeelementen © Corinna Menn Studio

Die Giebelflächen setzen sich aus Ständerwänden mit beidseitig verschraubten Holzwerkstoffplatten zusammen. Die Platten aller vier Dachflächen werden zu Scheiben ausgebildet und miteinander verbunden. Dies ermöglicht die Aufständerung des Daches einzig auf den vier Strebenböcken. Um den Dachkörper zu stabilisieren und ein Kippen zu verhindern, werden an den vier Gebäudeecken Zugstangen angeordnet. Die Decke über dem Zwischengeschoß besteht aus Brettschichtholzträgern. Sie überspannen als Dreifeldträger eine maximale Spannweite von 5,5 m. Über dem Erdgeschoß bilden Vollholzlamellen mit alternierender Höhe die Deckenkonstruktion als Einfeldträger. Zur Abfangung dieser beiden Decken sowie der Strebenböcke, die nicht direkt auf dem Massivbau stehen, werden im Zwischengeschoß fünf raumhohe, wandartige Träger angeordnet. Die Konstruktion wird entsprechend ihrer Belastung abgestuft und reicht von Ständerwänden mit unterschiedlich starken beidseitigen Holzwerkstoffplatten bis im Extremfall hin zu einer Wand, bestehend einzig aus verklebten Holzwerkstoffplatten. Die Konstruktion des Balkons im Obergeschoß wird aus einer auskragenden Stahlkonstruktion gebildet. Dazwischen spannen austauschbare Holzbohlen aus Fichtenholz.

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© Ralph Feiner

Die Aussteifung der Holzkonstruktion erfolgt über die zu Scheiben ausgebildeten Dach- sowie Deckenscheiben. Die Deckenscheiben leiten die Horizontallasten je Geschoß in die Stahlbetonkonstruktion. Der Dachkörper wandelt die angreifenden horizontalen Lasten in Normalkräfte in den Strebenböcken sowie den Zugstangen um. Diese leiten die Lasten entweder direkt oder mit Umweg über die wandartigen Träger bzw. Deckenscheiben in die Stahlbetonkonstruktion.

Projektdaten

Standort: Flims / CH
Bauherrschaft: Gemeindeverwaltung Flims, Bauamt
Fertigstellung: 2024
Architektur: Corinna Menn Studio
Bauleitung: Spreiter
Tragwerksplanung: merz kley partner
Bauphysik: Bernhard Bauexperte
Holzbau: Egli Zimmerei; Sägerei Peter Lippuner
Holzfenster: Gautschi Holz- und Fensterbau
Holztüren: Cahenzli
Holzfassade: Camathias SA
Schreinerarbeiten: Tischlerei Schgör