Harvard baut erstmals mit Massivholz

Ein Artikel von Birgit Gruber | 20.01.2026 - 08:32
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© Jason O´Rear

Mit der Fertigstellung des David Rubenstein Treehouse hat das Architekturbüro Studio Gang ein wegweisendes Projekt für den zeitgenössischen Holzbau realisiert. Das rund 5100 m² große Gebäude ist das erste Massivholzgebäude auf dem Campus der Harvard University und bildet den architektonischen Mittelpunkt des neuen Enterprise Research Campus (ERC) im Bostoner Stadtteil Allston.

Der Neubau dient als universitätsweiter Ort für Austausch, Veranstaltungen und interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Öffentlichkeit. Entwurf und Konstruktion setzen dabei bewusst auf eine sichtbare Holzstruktur, die sowohl gestalterisch als auch ökologisch prägend ist.

Holztragwerk mit starkem architektonischem Ausdruck

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© Jason O´Rear

Das Tragwerk des Rubenstein Treehouse besteht aus zertifiziertem Holz aus verantwortungsvoller Forstwirtschaft, das offen im Innenraum wie auch an der Fassade ablesbar ist. Charakteristisch sind die geneigten Holzstützen, die sich nach außen verzweigen und einen auskragenden oberen Gebäudeteil tragen – eine Anlehnung an die Metapher des „Baumhauses“, die dem Gebäude seinen Namen gibt.

Im Inneren organisiert sich das Gebäude um ein zentrales, natürlich belichtetes Treppenhaus, das die Ebenen verbindet und die räumliche Wirkung des Holzes erlebbar macht. Die Haupthalle, die sogenannte Canopy Hall, öffnet sich zu einer Terrasse mit Blick auf die Stadt und wird von massiven Holzstützen gerahmt.

Deutlich reduzierte graue Energie

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© Jason O´Rear

Aus Sicht des nachhaltigen Bauens ist das Projekt besonders bemerkenswert: Laut Planungsteam weist das Gebäude eine um rund 55 % geringere CO₂-Bilanz im Vergleich zu einem konventionellen Bau mit Stahl- und Betontragwerk auf. Der Bau verzichtet vollständig auf fossile Energieträger im Betrieb und ist an das District Energy System der Harvard University angeschlossen. Ergänzt wird das Energiekonzept durch Photovoltaik auf dem Dach, natürliche Verschattung, hohe Tageslichtnutzung sowie ein Hohlraumbodensystem, das Haustechnik integriert und die thermische Effizienz verbessert.

Auch im Innenausbau wurden gesundheitsverträgliche Materialien ohne problematische Stoffgruppen eingesetzt. Damit erfüllt das Gebäude die Anforderungen der Harvard Healthier Building Academy und strebt darüber hinaus die Living Building Challenge (LBC) Core Certification sowie die Materials Petal Certification an – beides anspruchsvolle Standards, die im institutionellen Holzbau bislang selten erreicht werden.

Signalwirkung für den urbanen Holzbau

Als eines der ersten realisierten Gebäude des Enterprise Research Campus kommt dem Rubenstein Treehouse eine besondere Rolle zu. Das Projekt zeigt, wie Holzbau im urbanen, institutionellen Kontext nicht nur konstruktiv, sondern auch städtebaulich und ökologisch überzeugen kann. Für den internationalen Holzbau setzt Harvard damit ein deutliches Zeichen – und Boston erhält ein weiteres Beispiel für die Zukunftsfähigkeit des Bauens mit Holz.

Quelle: Studio Gang