Verschneit ist Lappland am schönsten. Bei einem heißen Tee in einer warmen Berghütte wahrscheinlich noch etwas mehr. Ist außerdem die Holzbauarchitektur der Hütte stimmig, fühlt sich der designverliebte Gast wohl. Über ein gelungenes Beispiel aus Hemavan.
An der Baumgrenze, mit einem Skilift erreichbar, liegt das Restaurant „Björk“, zu Deutsch „Birke“. Die Namensgebung beruht auf der Nachbarschaft zu einem dichten Birkenwald. Schon von Weitem erkennbar, ragt ein markanter Spitz in die Höhe. Dabei handelt es sich um das steile, einseitig bis zum Boden reichende Dach der Verköstigungsstätte. Auf einer Längsseite wird die Form durch eine Art Schleppgaube über die gesamte Länge durchbrochen. 80 Gäste finden Platz auf zwei Etagen. Mit einer Schneeschicht bedeckt, assimiliert der Bau die winterliche Umgebung und fügt sich harmonisch in den Naturschauplatz. Ob der großen Fensterflächen und der zur natürlichen Vergrauung freigegebenen Holzelemente an den beiden Stirnseiten verliert der Bau aber trotzdem nicht an Strahlkraft. „Wir wollten eine Landmarke schaffen, deren Konstruktionsweise sich weithin sichtbar offenbart“, betont Architekt Hans Murman. Umgekehrt erzielt das dunkel eingedeckte Dach im Sommer eine ähnliche Angleichung an den Erdboden.
Von Leimbindern durchkreuzt
Ursprünglicher Plan war es, die vorfabrizierten Leimbinder der Konstruktion per Hubschrauber an den Bauplatz zu schaffen. Dieses Vorhaben beeinflusste die Entwurfsgedanken des Planers hin zu leicht transportierbaren Holzleimbindern. Dass sich der Bauherr und Liftbetreiber Hemavan Alpine schlussendlich aus praktischen Gründen entschied, eine temporäre Zufahrtsstraße zu errichten, tat diesem Plan keinen Abbruch, denn nun prägen die hellen Holzelemente das Erscheinungsbild maßgeblich. Sichtbar blieb die Struktur innen wie außen. Grob und klobig durchkreuzen die Leimbinder den Restaurantbereich und erstrecken sich bis über die zweite Etage hinweg sichtbar bis zum Giebel.
Innen geerdet, außen sonnenreich
Im Innenraum kamen Kiefernholzmöbel sowie Lampenschirme und Schafsfelle in Erdtönen zum Einsatz. Das ergibt einen gewollten Kontrast zu dem hellen Tannenholz. Geringfügig unterbrochen wird das stimmige Innenraumkonzept von einem grauen Teppichboden, den der Planer aus praktischen Gründen ausgewählt hat – nämlich, um das Ausrutschen mit Skischuhen zu verhindern. Draußen dient ein südseitig ausgerichteter Terrassenbereich als ultimative sonnenreiche Erholungszone.
Simple Geometrie sorgt hier für ein charakteristisches Unterscheidungsmerkmal zu herkömmlichen Berghütten. Schlicht, praktikabel, reduziert, aber doch aussagekräftig. Alpine Architektur auf den Punkt gebracht.
Projektdaten
Standort: Hemavan, Schweden
Fertigstellung: Dezember 2015
Architektur: Murman Architects
Holzbau: Martinsons Group
Nutzfläche: 350m2