Ressourcen neu denken – Impulse für Forschung und Ausbildung

Ein Artikel von Dr. Axel Körner | 13.08.2026 - 08:44
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Univ. Prof. Dr.-Ing. Axel Körner, Professor for Sustainable Building Architecture, BOKU Wien © Axel Körner

Mit meiner neuen Stiftungsprofessur für Nachhaltiges Bauen und Gestalten an der BOKU Wien möchte ich dazu beitragen, diesen Wandel mitzugestalten. Holz wird dabei selbstverständlich eine zentrale Rolle spielen. Gleichzeitig gilt es, den Holzbau gemeinsam mit anderen biobasierten Materialien weiterzudenken. Naturfasern wie Hanf, Flachs oder Zellulose eröffnen neue Möglichkeiten für Werkstoffe und Konstruktionen. Entscheidend ist dabei das Zusammenspiel von Architektur, Ingenieurwesen, Materialwissenschaften und digitalen Methoden – im Sinne des Neuen Europäischen Bauhauses mit seinen Leitgedanken Nachhaltigkeit, Ästhetik und Inklusion.

Die größten Ressourcen der Zukunft wachsen dabei nicht nur im Wald – eine davon ist bereits gebaut. Unsere Gebäude bringen wertvolle Materialien und Konstruktionen mit, deren Potenziale wir bislang erst ansatzweise verstehen und nutzen. Die Bauaufgabe der Zukunft besteht deshalb vor allem darin, den Bestand als Ressource und Ausgangspunkt neuer Architektur zu begreifen. Dafür brauchen wir neue Methoden – und eine Ausbildung, die diesen Perspektivenwechsel vermittelt.

Dafür müssen wir unsere Planungs- und Fertigungsprozesse neu denken. Bis heute basieren sie weitgehend auf homogenen und standardisierten Materialien. Die biobasierte und zirkuläre Bauwirtschaft wird jedoch zunehmend von unterschiedlichen Materialeigenschaften, Geometrien und Verfügbarkeiten geprägt sein – bei wiederverwendetem Holz ebenso wie bei naturfaserbasierten Werkstoffen. Diese Heterogenität sollten wir nicht ausgleichen, sondern gezielt für Entwurf und Fertigung nutzen.

Digitale Erfassungsmethoden, künstliche Intelligenz sowie adaptive Entwurfs- und Fertigungsprozesse eröffnen dafür neue Möglichkeiten. Material wird damit zu einem integralen Bestandteil einer adaptiven Prozesskette – vom Entwurf bis zur Fertigung. Forschung und Lehre können diesen Wandel entscheidend vorantreiben, indem sie neue Methoden entwickeln und die nächste Generation von Architekt:innen und Ingenieur:innen auf den Umgang mit diesen Herausforderungen vorbereiten.

Für mich liegt genau darin die nächste Entwicklungsstufe des Holzbaus. Nicht allein in der Wahl nachhaltiger Materialien, sondern in einem neuen Verständnis von Ressourcen, Prozessen und Gestaltung.

Wenn wir Ressourcen neu denken und dieses Denken in Forschung, Ausbildung und Praxis verankern, wird der Holzbau nicht nur Teil der Bauwende sein – sondern ihr Impulsgeber.