In Vaduz ist im Frühjahr ein Bürogebäude fertiggestellt geworden, bei dem Holz weit mehr ist als ein sichtbares Gestaltungselement. Die LGT hat ihren Erweiterungsneubau am Altenbach in Betrieb genommen. Der von Fischer Architekten aus Zürich entworfene Bau ergänzt den bestehenden Hauptsitz und schafft in der ersten Etappe Raum für rund 200 Arbeitsplätze.
Das Projekt fügt sich dank seiner architektonischen Gestaltung optimal in die Situation zwischen Egertastrasse, Altenbach und Herrengasse ein. Drei beziehungsweise vier Geschoße umfassende Gebäudefinger liegen parallel zum Hang. Dazwischen entstehen begrünte Höfe, die nicht nur der Belichtung dienen, sondern den Neubau auch mit seinem Umfeld verbinden. Damit verfolgt das Projekt einen Ansatz, der über die reine Schaffung zusätzlicher Büroflächen hinausgeht. Der Neubau soll den bestehenden Hauptsitz räumlich ergänzen und zugleich neue, durchlässige Außenräume schaffen.
Tragwerk aus Esche und Nadelholz
Das Gebäude ist ein konstruktiver Holzbau mit vorgehängter Fassade aus lokaler, braun druckimprägnierter Weisstanne. © Roland Bernath
Seine besondere Qualität zeigt der Bau vor allem dort, wo die Konstruktion sichtbar bleibt. Das Gebäude steht auf einem Untergeschoß aus Beton, darüber übernimmt eine Holzkonstruktion die wesentliche Tragfunktion. Das primäre Tragsystem besteht aus Stützen und Querträgern aus Eschenholz. Darauf liegt eine sekundäre Tragstruktur aus Nadelholzträgern. Die Aussteifung erfolgt über die betonierten Treppenhäuser sowie zusätzliche Vollholzwandscheiben an den Gebäudeenden.
Im Inneren wird das konstruktive Prinzip bewusst nicht versteckt. Das Raster aus Pfosten und Trägern bleibt ablesbar und prägt die Atmosphäre der Arbeitsräume. Auf abgehängte Decken wurde verzichtet, um die Holzkonstruktion sichtbar zu halten. Für Heizung und Kühlung kommen Lehmplatten zum Einsatz, während die technischen Installationen möglichst zurückhaltend integriert wurden. Holz und Lehm bestimmen damit nicht nur die Optik, sondern auch wesentliche Aspekte des Raumklimas.
Auch die Fassade führt den Materialgedanken nach außen. Für die vorgehängte Holzfassade kommt braun druckimprägniertes Weißtannenholz aus der Region zum Einsatz. Bereits bei der Grundsteinlegung im Mai 2024 betonte die LGT den regionalen Bezug: Sowohl das verwendete Eschen- als auch das Tannenholz stammen aus Wäldern der Umgebung. Gleichzeitig wurde ein großer Teil der Arbeiten an liechtensteinische Unternehmen vergeben.
Nachhaltigkeitsgedanke im Vordergrund
Die Materialwahl ist eng mit den Nachhaltigkeitszielen des Projekts verknüpft. Von der Planung über die Erstellung bis zum späteren Betrieb wurde das Gebäude auf einen möglichst ressourcenschonenden Umgang mit Materialien und Energie ausgelegt. Mindestens die Hälfte des eingesetzten Betons ist rezykliert. Das Gebäude wird an das Fernenergienetz angeschlossen und erfüllt die Anforderungen der Nachhaltigkeitsstandards LEED Platinum und SNBS Gold. Eine Besonderheit liegt zudem in der konsequenten Trennung der Systeme. Die Anforderungen der Zertifizierungen führten bereits in der Planung zu einem Fokus auf Ressourceneffizienz, schadstoffarme Materialien, Systemtrennung und Rückbaubarkeit. Damit wird der Holzbau nicht isoliert betrachtet, sondern als Teil eines umfassenden Kreislauf- und Nachhaltigkeitskonzepts.
Der Neubau zeigt damit exemplarisch, wie sich ein anspruchsvolles Bürogebäude für eine Privatbank mit einer Konstruktion aus nachwachsenden Rohstoffen verbinden lässt. Gleichzeitig sorgt die differenzierte Setzung der Baukörper dafür, dass der Neubau nicht als monolithischer Block erscheint, sondern sich in den Stadtraum von Vaduz einfügt.
Quelle: Fischer Architekten