Holzbeläge für Terrassen, Balkone, Plattformen, Stege usw. unterliegen hohen Beanspruchungen, die sich aus Faktoren wie Bewitterung, mechanischer Belastung, Mikroklima, Einbaubedingungen (oft in Bodennähe) und Verschmutzung beispielsweise durch Bepflanzung ergeben. Gleichzeitig erwarten Nutzer langlebige, optisch ansprechende und wartungsarme Lösungen. Besonders anspruchsvoll sind öffentlich genutzte Flächen, bei denen Sicherheitsaspekte eine zentrale Rolle spielen, oder Bereiche, die für die Barfußnutzung vorgesehen sind, wie Poolumrandungen, Badestege oder Kindergärten.
In der Praxis fehlt es jedoch häufig an einer präzisen Definition der Anforderungen, sodass Kundenwünsche und die tatsächliche Ausführung oft nicht übereinstimmen. Da Holzbeläge im Außenbereich nicht normativ geregelt sind, gibt es keine verbindlichen Vorgaben hinsichtlich Materialdefinition, Anforderungen oder technischer Ausführung. Dies kann im besten Fall „nur“ zu unzufriedenen Kunden und im schlimmsten Fall zu massiven Mängeln und einer drastisch verkürzten Lebensdauer führen.
Praxisnahe Forschungsergebnisse
Die Entwicklung des Planungstools basiert auf den umfangreichen Ergebnissen des Forschungsprojekts „EURODECK“, das auf Initiative des Verbands der Europäischen Hobelindustrie (VEH) von der Holzforschung Austria und dem Institut für Holztechnologie Dresden (IHD) von 2020 bis 2022 durchgeführt wurde. Erstmals wurden ausgehend von einem nutzungsorientierten Ansatz Mindestanforderungen definiert und Planenden alle erforderlichen Informationen als Anwenderleitfaden zur Verfügung gestellt (Wolfram Scheiding, Claudia Koch et al. 2022). Dafür wurden bestehende Bewertungsgrundlagen zusammengeführt und Wissenslücken geschlossen – unter anderem in folgenden Bereichen:
Brandverhalten: Brandprüfungen führten zur Einstufung von Lärche, Eiche und Bangkirai in die Brandverhaltensklasse Dfl gemäß EN 13501-1, sofern bestimmte Kriterien eingehalten werden. Außerdem wurden bestimmte Aufbauten mit Lärchenholzbelag basierend auf Flugfeuerprüfungen als BROOF (t1) gemäß EN 13501-5 klassifiziert – und das ohne die übliche 5 cm dicke Kiesschicht unter dem Belagsrost.
Tragfähigkeit: Für Lärche wurde eine Sortiervorschrift entwickelt, die den Einsatz als tragende Dielen ermöglicht. Bei Einhaltung der Sortierkriterien werden die Anforderungen an die Festigkeitsklasse C24 nach EN 338 erfüllt.
Befestigungssysteme: Während Schraubverbindungen eine weitgehend starre Fixierung bewirken, erlauben alternative Befestigungssysteme mit Klammern, Clips oder Krallen Quell- und Schwindbewegungen der Bretter. Ein weiterentwickeltes Bewertungsschema ermöglicht eine realistische Abbildung der Beanspruchung und Nachweise zur Eignung dieser Systeme.
Die Lösung: ein digitales Planungstool
Um die umfangreichen Forschungsergebnisse, die im Anwenderleitfaden zusammengeführt wurden, praxisgerecht zugänglich zu machen, hat die Holzforschung Austria ein innovatives digitales Planungstool entwickelt, das die Planung und Auswahl von Holzbelägen für den Außenbereich deutlich vereinfacht. Ein Beispiel: Ein Architekturbüro beteiligt sich an einer Ausschreibung für einen Kindergarten und benötigt eine verlässliche Grundlage für die Planung der Terrasse mit Lärchenholzbelag. Durch die Eingabe von nur drei Parametern wird ein konkretes Anforderungsprofil generiert (siehe Bild).
Einfache Parameterabfrage:
- Nutzungsart: Terrasse öffentlich, Terrasse privat, Kindergarten, Dachterrasse, Balkon/Loggia, Schule/Ausbildungsstätte, Schwimmbad/Wellnessbereich/Badesteg, Steg/Brücke/Plattform
- Tragfähigkeit: tragend oder nicht tragend
- Belagsmaterial: Europäische Lärche, Sibirische Lärche, Eiche, Bangkirai, Thermoesche, kesseldruckimprägnierte Kiefer, Accoya
Basierend auf den Eingaben wird ein passgenaues Anforderungsprofil erstellt, wobei ungeeignete Material- und Ausführungskombinationen automatisch ausgeschlossen werden. Zusätzliche Optionen ermöglichen eine projektspezifische Anpassung, z. B. höhere Sicherheitsanforderungen. Das Tool generiert ein PDF-Dokument, das als Grundlage für Ausschreibungen, Planung und Ausführung genutzt werden kann. Es enthält Anforderungen, Materialeigenschaften sowie ergänzende Merkblätter und Zusatzinformationen.
Das digitale Planungstool bietet zahlreiche Vorteile, die über die reine Vereinfachung der Planung hinausgehen:
- Höhere Planungsqualität: Die automatische Generierung eines objektspezifischen Anforderungsprofils steigert die Planungsqualität und reduziert die Fehlerquoten, Reklamationen sowie Unzufriedenheit bei der Kundschaft.
- Erhöhte Zugänglichkeit: Das Tool ist für die mobile Anwendung optimiert und kann direkt auf Baustellen oder im Beratungsgespräch eingesetzt werden.
- Praxisgerechte Anwendung: Planende erhalten klare, belastbare Vorgaben für Ausschreibungen und Ausführungspläne. Ausführende profitieren von den eindeutig formulierten Anforderungen und vermeiden teure Reklamationsfälle. Verbraucher erhalten langlebige, qualitativ hochwertige Lösungen auf dem neuesten Stand der Technik.
Das digitale Planungstool der Holzforschung Austria vereinfacht komplexe Prozesse, bietet maßgeschneiderte Lösungen und basiert auf fundierten wissenschaftlichen Erkenntnissen. Das Tool ist kostenlos auf dataholz.eu verfügbar.
Danksagung
Dieses Projekt wurde durch Mittel des Waldfonds gefördert, einer Initiative des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft, Klima und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft, und im Rahmen des Programms „Kommunikation und Bewusstseinsbildung“ umgesetzt. Weiters wurde das Projekt vom Fachverband der Holzindustrie Österreichs, dem Bundesgremium des Baustoff-, Eisen- und Holzhandels sowie dem Verband der Europäischen Hobelindustrie unterstützt.
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Verband der Europäischen Hobelindustrie (VEH)
Schwarzenbergplatz 4
1030 Wien
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