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© Copyright: Foto Meindl Mondsee

Vom Gartenzaun bis zum Hotel

Ein Artikel von Redaktion | 23.11.2016 - 13:40


Appesbacher Holzbau aus Abersee sieht sich der Bautradition des Salzkammerguts verpflichtet, ohne dabei auf zeitgemäße Architektur zu verzichten. Das Unternehmen lebt soziale Mitarbeiterführung ohne Kompromisse und legt Bedacht auf die Mehrwerte von Holz und Lehm, ohne sich nur über den Preis zu definieren. All das sei abseits von einschlägiger Spezialisierung möglich.

Der Weg ist das Ziel, könnte die Reisebeschreibung von holzbau austria zu Appesbacher Holzbau lauten. Das Salzkammergut rund um den Mond- und den Wolfgangsee ist gesäumt von schmucken Holzbauten, alten wie neuen. Satteldächer, verandaartige Südgiebel und Fensterläden prägen das malerische Landschaftsbild. Tradition und Holzbau gehören hier zur Kultur wie das jährliche Feuerwehrfest zum Dorf. Entlang der Einfahrt nach Abersee liegen Brettsperrholz-Platten am Straßenrand – bereit für die Verwendung für eine Aufstockung. Gleich danach: vier moderne, in Lärchenschindeln gekleidete, zweistöckige Wohnbauten der Marke Appesbacher. Daneben liegt die Einfahrt des nicht weniger attraktiven Betriebsgebäudes.

Ein Zimmermann, eine Entscheidung

Das offene Bekenntnis zu moderner Holzarchitektur, die Zusammenarbeit mit namhaften Planern und der heute gegebene, selbstverständliche Umgang mit Großprojekten waren bei der Gründung des Einmannbetriebs 1981 durch Johann Appesbacher noch nicht gegeben. Traditionelle Zimmermannsarbeiten waren Programm. Bald danach ging aber alles recht rasch. Der Auftrag zum Bau eines Eigenheims für den Wiener Architekten Herbert Ablinger gab den Ausschlag. Gleich danach folgte der erste Gewerbebau für die Druckerei Gugler in Melk. Damals gab es noch ein betriebseigenes Sägewerk. "Trotzdem kauften wir BSH zu, das war für die damalige Zeit ziemlich unlogisch", berichtet Klaus Fasching, der seit 1998 im Holzbaubetrieb tätig ist und heute als einer der Geschäftsführer die Geschicke des Unternehmens leitet. Seniorchef Johann Appesbacher richtete die Frage der Sinnhaftigkeit des Weges in Richtung moderne Holzbauarchitektur an die Jugend: "Wenn ihr glaubt, dass das was G’scheites ist, dann machen wir das!" Die Antwort fiel eindeutig positiv aus. Nachdem die Entscheidung bereits getroffen war, trudelten nach und nach die ersten Holzbaupreise ein und bestätigten damit die Richtigkeit des eingeschlagenen Weges. Für den Neubau der Druckerei gab es 2000 den Niederösterreichischen Holzbaupreis in der Kategorie "Funktionale Bauten" und für das Architektenhaus jenen in der Kategorie "Wohnbauten".

Einseitigkeit ist nicht die Lösung

"Uns war aber immer klar, dass die Zukunft Flexibilität und Vielseitigkeit bedeuten muss", betont Fasching. Deshalb wurde bei Appesbacher nie das Hauptaugenmerk auf große Fertigungsstraßen gelegt. Und auch, was die Baukultur betrifft, hat der Aberseer Holzbaubetrieb Prinzipien. Touristen kämen ins Salzkammergut wegen der malerischen Seen und der Berglandschaft, aber auch, oder gerade wegen der regionalen Baukultur. "Unsere Gegend gibt uns die Holzbauweise ja vor. Wenn das Salzkammergut in einen Fertighauspark übergeht, kommt keiner mehr", bekräftigt der Unternehmer. In positivem Sinn sorgt diese Baukultur für eine mögliche Durchbeschäftigung im Winter. Fachgerechte Reparaturen von Bestandsbauten, Aufstockungen, Umbauten und Verdichtungen in der Gastronomie lasten die mittlerweile 38 Mitarbeiter zusätzlich aus.

Verwandtschaft im Betrieb

Und auf die Mitarbeiter ist man im Betrieb besonders stolz. Allesamt stammen aus der unmittelbaren Umgebung. Auf ein familiäres Gefüge wird bei Appesbacher sehr viel Wert gelegt. Zu dieser Einstellung passt es nur zu gut, dass sich unter den Mitarbeitern ein Brüderpaar und ein Vater mit seinem Sohn befinden. Die Grundeinstellung der Geschäftsführung lautet: "Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es auch heraus. Wir bilden alle unsere Leute selber aus", erläutert der Geschäftsführer und erklärt weiter: "Der Plan ist, dass unsere Mitarbeiter als Lehrlinge beginnen und bis zur Pension bei uns bleiben." Nicht nur die Mitarbeiter sind in der Region verankert, Appesbacher Holzbau sucht seine Aufträge ebenfalls in unmittelbarer Umgebung. Vom Wolfgangssee über den Mondsee bis in die Stadt Salzburg finden sich die meisten Projekte. "Wir wollen unseren Leuten einen Mehrwert bieten und das funktioniert nur, weil wir uns nicht spezialisieren." Bevorzugte Bauweisen gebe es keine. Ob Riegelkonstruktion, Brettsperrholz- oder Massivholzbau würde jedes Mal neu abgewogen. "Wir machen alles – vom Gartenzaun bis zum Hotel – und versuchen, die Vorteile der Vorfertigung mit Handwerkskunst zu vereinen." Besonders dabei ist neben den konstruktiven Arbeiten der Fokus auf den Innenausbau. Im Werk in Gschwendt – wo sich das erste Betriebsgebäude befand –, gibt es heute eine voll ausgestattete Tischlerwerkstatt. Ein Tischlermeister und fünf Gesellen übernehmen die Feinarbeiten. Damit schafft Appesbacher Flexibilität und Reaktionsvermögen.   

Nicht auf Verputzzug aufgesprungen

So klar die Linien in der Mitarbeiterführung auf Augenhöhe, im Ausbildungskonzept und „Nicht-Spezialisierungsgedanken“ sind, so eindeutig fällt die Meinung zu verputzten Fassaden ohne Dachvorsprung aus. "Da geht es mir nicht um die Optik, sondern um das Schadensbild. Bekannte Bauschäden sprechen hier ja ohnehin für sich. Wir sind bewusst nicht auf den Verputzzug aufgesprungen", stellt Fasching dazu klar fest. Generell versucht Appesbacher, möglichst naturnahe Materialien zu verwenden. Zu Polystyroldämmstoffen meint er knapp: "Steht bei uns nicht auf der Einkaufsliste." In unseren Häusern werden immer häufiger Bereiche mit Lehmputz versehen. Dass der Verkauf so gut funktioniert, gründet auf der eigenen Überzeugung. "Wir brachten die Luftfeuchtigkeit in unserem Büro von 30 % auf 50 %", bekräftigt Fasching, der am Schreibtisch vor seiner eigenen Lehmputzwand sitzt.

"Es geht um Wertebewusstsein"

Qualitätskriterien sind bei Appesbacher in jeder Hinsicht der enge Kontakt zum Kunden und intensive Gespräche. "Jeder Kunde kommt vorab zu uns und schaut sich das Holz an, das verbaut wird. Dann weiß er 100%ig, was er kriegt." Der eingeschlagene Weg ist einer, der gemeinsam mit Architekten begangen wird. Aktuell wurde der Neubau am Holztechnikum Kuchl, geplant von Architekt Tom Lechner, fertiggestellt. Mit der Sanierung des Altbestandes wird nun begonnen. Die Erweiterung eines Kindergartens in der Stadt Salzburg, ein dreigeschossiger Bau mit zwölf Wohneinheiten in Mondsee und der Pfarrhof in Hallwang sind nur einige der kürzlich finalisierten Projekte.   

Politisches Umfeld treibt Holzbau voran

Und auch zur oft fehlenden Preisargumentation hat der 38-Jährige etwas zu sagen: "Wir verursachen keine Kosten, sondern wir unterstützen unsere Kunden bei langfristigen Investitionen. Wir überzeugen jene, denen Wohngesundheit mehr Wert ist als ein teurer Zweitwagen in der Einfahrt. Da geht es um das Wertebewusstsein. Was ich dabei natürlich erwähnen muss: Hier in Salzburg befinden wir uns durchaus inmitten einer kaufkräftigen Klientel." Wahrscheinlich auch ein wenig diesem Umstand zu verdanken ist es, dass sich die Zukunftsaussichten für die nächsten Jahre durchaus positiv gestalten. "Im Umkreis von 50 km stehen einige Projekte an." Mit Gemeindezentren, Kindergärten sowie Schulen stecken Großprojekte in den Startlöchern. "Das politische Umfeld in Salzburg hilft uns dabei natürlich. Heute ist es so, dass gerade bei öffentlichen Bauten nicht mehr an viele andere Baustoffe gedacht wird als an Holz."

Als Gedankenanstöße an seine Kollegen hat der Unternehmer zweierlei auf Lager: "Wir sollten mehr Mut zum sichtbaren Massivholz entwickeln und bei größeren Projekten darüber nachdenken, mit Kollegen aus der Region zusammenzuarbeiten, bevor einem der Auftrag durch die Lappen geht. Baumeister haben das schon lange verstanden."   

Und wir haben am Ende des Gesprächs verstanden, warum es sich lohnt, mit Leidenschaft, Hartnäckigkeit und Mut an Projekte heranzugehen. Das bringt den Holzbau mit Sicherheit voran.

Appesbacher Holzbau

Standort: Abersee
Geschäftsführer: Johannes Appesbacher, Klaus Fasching
Mitarbeiter: 38