Schluss mit der Neutralitätsheuchelei

Ein Artikel von Raphael Zeman | 18.11.2019 - 10:04

„Bis jetzt kann sich leicht ein jeder das Mascherl ,Klimaschutz’ umbinden, ohne dass viel dahintersteckt”, bemerkt Dr. Karl Grün, Leiter für Standard-Entwicklung bei Austrian Standards. Ein neuer Internationaler Standard soll dem zukünftig einen Riegel vorschieben und darüber hinaus dabei helfen, die teils ausufernden und über Ländergrenzen hinweg unterschiedlichen Klimaschutzmaßnahmen zu vereinheitlichen.

„Praktikabler Türöffner für klimafreundliches Agieren“

Symbolbild_Holz_CO2neutral.jpg

© Shutterstock

Ziel der ISO 14068 für „Treibhausgasmanagement und damit verbundene Aktivitäten – Kohlenstoffneutralität“ ist es, Begriffe zu definieren und Parameter festzulegen. Der Standard ist sowohl an Städte und Gemeinden, als auch an Organisationen und Unternehmen gerichtet und soll auf Produkte, Gebäude, Veranstaltungen sowie Dienstleistungen gleichermaßen anwendbar sein. Entworfen wird er von Experten aus 62 Staaten und 24 supranationalen Organisationen. Bei Austrian Standards zeigt man sich zuversichtlich: „Energieeffizienzstandards im Bauwesen, Kreislaufwirtschaftsstandards und Smart-City-Standards sind praktikable Türöffner am Weg zum klimafreundlichen Agieren.“

Umfangreiche Neuerungen auch im Bausektor zu erwarten

Von Behörden, Ziviltechnikern, Experten aus der Bauwirtschaft, aber auch den Herstellern selbst, wird zudem ein umfangreiches Normenprojekt für den Gebäudebereich erarbeitet. Darin soll vor allem die EU-Energieeffizienzrichtlinie umgesetzt werden. Zentrales Thema ist die Mess-, Steuer- und Regelungstechnik von Heizungen. Aber auch Recycling rückt zunehmend in den Fokus der Experten: Thomas Linsmeyer, Vorsitzender des zuständigen Komitees, meint hierzu: „In puncto Standardisierung ist die Kreislaufwirtschaft noch am Anfang. Beim Europäischen Komitee für Normung CEN wurde beantragt, das Thema Kreislaufwirtschaft im Bausektor tiefer zu verankern. Erste Ansätze gibt es im Bereich Gesteinskörnungen aus Recyclaten. Es geht letztlich auch um eine zweifelsfreie Sicherheit für die Hersteller und Konsumenten.“ Denn aus Sicht von Austrian Standards setzt die Entstehung von Märkten für Sekundärrohstoffe Qualitätsstandards für Recyclingmaterial voraus.

Quelle: Austrian Standards