In Göteborg nimmt ein neues Stück Bahnhofsgeschichte Gestalt an. Das von Reiulf Ramstad Arkitekter für Jernhusen geplante Göteborg Grand Central-Gebäude wird künftig den Zugang zur unterirdischen Station „Centralen“ der neuen Bahnverbindung Västlänken bilden. Gleichzeitig soll der Neubau zwischen dem historischen Hauptbahnhof, dem neuen Stadtteil Centralstaden und dem übrigen Stadtgebiet vermitteln. Besonders prägend ist die Fassade aus wiederverwendeten Ziegeln. Mehr als 600.000 gebrauchte Ziegel wurden für die Gebäudehülle eingesetzt. Tiefe vertikale Reliefs und große Bogenöffnungen verleihen dem Baukörper eine robuste, öffentliche Anmutung und stellen gleichzeitig einen Bezug zur industriellen Geschichte Göteborgs her.
Holz im Innenraum sichtbar
In der Bahnhofshalle treffen weit gespannte Betonbögen auf die sichtbare Holzkonstruktion. © Kristian Aalerud
Eine wichtige Rolle spielt neben dem Ziegel der Baustoff Holz. Im Inneren des rund 15.000 m² großen Gebäudes prägen Holzkonstruktionen und Holzstützen gemeinsam mit großen Verglasungen den Charakter der Bahnhofshalle. Die Konstruktion schafft einen großzügigen, hellen und übersichtlichen Raum, der auf die hohen Anforderungen eines stark frequentierten Ortes reagiert. Die Kombination unterschiedlicher Materialien ist dabei nicht nur eine gestalterische Entscheidung. „Das Projekt verfolgt eine umfassende Strategie zur Reduktion der grauen Emissionen. Neben den wiederverwendeten Ziegeln verleihen die Holzelemente dem ansonsten robusten Bauwerk eine warme, haptische Atmosphäre“, berichten die Architekten. Besonders deutlich wird der konstruktive Ansatz bei der Dachstruktur. Durch den Einsatz von wiederverwendetem beziehungsweise emissionsreduziertem Material sollen gegenüber einer Ausführung mit neuem Stahl rund 239 t CO₂ eingespart werden.
Bahnhof als öffentlicher Stadtraum
Göteborg Grand Central ist allerdings mehr als ein Verkehrsbauwerk. Neben den eigentlichen Bahnhofsfunktionen entstehen Geschäfte, Restaurants, Cafés und Dienstleistungen. Drei Obergeschoße bieten Platz für rund 700 Arbeitsplätze. Mehrere Eingänge und direkte Verbindungen zum bestehenden Hauptbahnhof und zum Nils Ericson Terminal sollen die Wege für Reisende und Pendler möglichst intuitiv machen.
Auch das Dach wird Teil des öffentlichen Konzepts. Eine rund 200 m lange begrünte Promenade mit 54 Pflanzenarten schafft zusätzlichen Freiraum und soll zugleich einen Beitrag zur städtischen Biodiversität leisten. Das Projekt wird für eine Zertifizierung nach BREEAM Outstanding entwickelt. Die Eröffnung ist für Dezember 2026 vorgesehen. Die Büros sollen 2027 bezogen werden.
Quelle: Reiulf Ramstad Arkitekter