FRAME TIMBER ARCHITECTURE

Ein Artikel von Birgit Gruber | 06.10.2026 - 08:40
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© Raphael Zeman

Der Kuppelsaal der TU Wien war am 24. September mit viel Holzbaukompetenz gefüllt. Mehr als 160 Teilnehmer und Ehrengäste aus der gesamten österreichischen Holzbranche waren zu FRAME TIMBER ARCHITECTURE gekommen. Auch die Landesinnungsmeister waren an diesem besonderen Nachmittag vertreten und demonstrierten damit eine starke österreichische Einheit pro Holzbau. Gleichzeitig reichte das Publikum über die etablierte Branche hinaus. Neben erfahrenen Planern, Unternehmern und Holzbaupraktikern saßen junge Studierende im Saal. Auch Persönlichkeiten wie Architekt Juri Troy, Professor für Holzbau und Entwerfen im urbanen Raum an der TU Wien, und der emeritierte Universitätsprofessor Wolfgang Winter vom Institut für Tragwerksplanung und Ingenieurholzbau an der TU Wien waren unter den Gästen. Damit trafen an diesem Nachmittag auch unterschiedliche Generationen und Perspektiven aufeinander – von der universitären Forschung und Lehre über die Architektur bis zur ausführenden Praxis. Das passt zum Anspruch des neuen Formats. FRAME TIMBER ARCHITECTURE führt die früheren Architekturgespräche von holzbau austria weiter und setzt bewusst auf den direkten Austausch zwischen Architektur, Planung, Ausführung und Industrie.

Organisiert wurde das neue Veranstaltungsformat, wie bereits die Architekturgespräche, vom Verein holzbau austria unter der Leitung von Leonhard Huetz, der für die Öffentlichkeitsarbeit im Verein verantwortlich ist. Begrüßt wurden die Gäste von Josef Sachs, Obmann holzbau austria, Simon Kathrein, Obmann-Stellvertreter und Bundesinnungsmeister, sowie Engelbert Schrempf, Geschäftsführer holzbau austria. Sie bedankten sich bei den Ehrengästen für ihr Kommen und gaben einen kurzen Einblick in die aktuelle Situation des österreichischen Holzbaus. Dabei wurde deutlich, dass die Branche vor großen Aufgaben steht, von den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen über Normung und Ausbildung bis zur Frage, wie der Holzbau seinen Platz im zunehmend anspruchsvollen Baugeschehen weiter ausbauen kann. Einig waren sich jedoch alle darüber, dass man trotz aller Herausforderungen auch in Zukunft rasant voranschreiten wird.

Durch das Programm führte Stefan Leitner, Experte für Bildung, Normung und Regelwerke sowie Mitglied der Geschäftsführung. Er erwies sich dabei als souveräner Navigator durch einen Nachmittag, an dem es einiges unter einen Hut zu bringen galt: internationale Architektur, sechs sehr unterschiedliche Projekte und jede Menge technische Details.

Der Blick von außen

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Maria Aufegger vom dänischen Architekturbüro Cobe © Raphael Zeman

Den Auftakt machte Maria Aufegger vom dänischen Architekturstudio Cobe. Mit ihrer Keynote setzte die Architektin gleich zu Beginn einen internationalen Akzent und richtete den Blick auf Architektur, Stadt und nachhaltige Entwicklung. Damit war die Latte für den weiteren Nachmittag gelegt: Holz sollte nicht nur als Baustoff betrachtet werden, sondern als Teil einer umfassenderen architektonischen und gesellschaftlichen Entwicklung. Danach ging es vom internationalen Blick direkt in die österreichische Praxis.

Sechs Projekte, sechs Antworten

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Florian Chmelik, Projektleiter Holzbau bei Swietelsky © Raphael Zeman

Den ersten Projektbeitrag präsentierte Florian Chmelik, Projektleiter Holzbau bei Swietelsky, mit dem Landesdienstleistungszentrum Salzburg. Auf dem rund 10.000 m² großen Areal beim Salzburger Bahnhof errichtet die ARGE aus HABAU und Swietelsky seit 2023 das neue Landesdienstleistungszentrum im Auftrag des Landes Salzburg. Mit einem Volumen von 195 Mio. € handelt es sich um das bislang größte Hochbauprojekt der HABAU Gruppe. Das von Burtscher-Durig Architekten geplante Gebäude zeigt, wie ein Holzhybridbau bei einem großvolumigen öffentlichen Gebäude eingesetzt werden kann. Die Kombination verschiedener Materialien stellte dabei ebenso hohe Anforderungen an Planung und Ausführung wie die städtebauliche Einbindung. Nach der Dachgleiche im November 2025 befindet sich das Projekt mittlerweile in der finalen Bauphase. Die Fertigstellung ist für Ende 2026 vorgesehen.

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Matthias Doubek von Obermayr (Generalunternehmer Holzbau, rechts) und René Schachner vom Architekturbüro die Schachners © Raphael Zeman

Beim all.in99 Wohnbau in Wörgl rückte anschließend der Wohnbau in den Mittelpunkt. Matthias Doubek von Obermayr (Generalunternehmer Holzbau) und René Schachner vom Architekturbüro die Schachners präsentierten das Projekt unter dem Titel „Baurecht & Vorsorge-Wohnungen“. Die Aufgabe war durchaus bodenständig: Wohnraum musste funktionieren, finanzierbar sein und gleichzeitig die Möglichkeiten des Holzbaus nutzen. Ausgeführt wurde das Projekt von der Strabag, KLH Massivholz war Projektpartner.

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v. l.: Mathias Eisl von der Wiehag sowie Bernhard Matulik und Alexandra Gierlinger von Matulik Architekten © Raphael Zeman

Wie Holzbau und Lowtech zusammenspielen können, zeigten anschließend Mathias Eisl von der Wiehag sowie Bernhard Matulik und Alexandra Gierlinger von Matulik Architekten am TEAM 7 Headquarter in Ried im Innkreis. Energieeffizienz, Ressourcenschonung und Langlebigkeit standen im Zentrum des Konzepts. Das rund 6100 m² große Gebäude wurde als Holzskelettbau realisiert. Hier zeigte sich besonders deutlich, dass Lowtech keineswegs „low performance“ bedeutet.

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Patrick Schaller, Projektleiter bei Strobl Holzbau © Raphael Zeman

Nach der Pause wurde es praktisch. Patrick Schaller, Projektleiter bei Strobl Holzbau, stellte die Volksschule Raaba-Grambach vor. Beim Neubau von Schule und Turnsaal ging es unter anderem darum, wie effizient sich Holzbauteile auf der Baustelle montieren ließen. Vorfertigung wurde damit nicht nur zum technischen Detail, sondern zu einem entscheidenden Bestandteil des gesamten Bauprozesses. Trotz komplizierter Logistik und Baustelleneinrichtung mit großteils Arbeiten am Abend und am Wochenende, um den laufenden Schulbetrieb nicht zu stören, konnte das Projekt just-in-time abgewickelt werden.

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Florian de Monte, Vertriebsleiter bei Mayr-Melnhof Holz © Raphael Zeman

Einen Blick dorthin, wo moderner Holzbau überhaupt erst produziert wird, warf Florian de Monte, Vertriebsleiter bei Mayr-Melnhof Holz, mit dem Neubau des XXL-Brettsperrholzwerks in Leoben. Nachhaltigkeit und Hightech waren hier keine Gegensätze. Im Gegenteil: Die industrielle Produktion von Brettsperrholz zeigte, wie viel Präzision, Automatisierung und technisches Know-how hinter einem Baustoff stecken, der auf der Baustelle später erstaunlich selbstverständlich wirkt. Interessant war auch sein geschichtlicher Exkurs in die Entstehung von Brettsperrholz.

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Maximilian Albrecht von pde Integrale Planung © Raphael Zeman

Zum Abschluss der Projektpräsentationen ging es mit dem LeopoldQuartier Office noch einmal in den urbanen Maßstab. Maximilian Albrecht von pde Integrale Planung (eine PORR-Tochter) und Stefan Brunner von Oberndorfer Hybrid Systems stellten das Projekt vor. Das von HNP Architects geplante Bürogebäude steht exemplarisch für die zunehmende Bedeutung von Holzhybridkonstruktionen im innerstädtischen Raum.

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Stefan Brunner von Oberndorfer Hybrid Systems © Raphael Zeman

Sechs Projekte – und damit sechs ziemlich unterschiedliche Antworten auf die Frage, was moderner Holzbau leisten kann. Vom öffentlichen Gebäude über Wohnbau und Büroarchitektur bis zur Produktionsstätte und zum großvolumigen Stadtprojekt reichte die Bandbreite.

Zum Schluss noch einmal der große Blick

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Architekt Chris Precht von Studio Precht © Raphael Zeman

Den zweiten internationalen Impuls setzte Architekt Chris Precht von Studio Precht. Nach den sechs sehr konkreten Projektvorstellungen öffnete seine Keynote den Blick noch einmal über einzelne Gebäude und Konstruktionen hinaus. Sein künstlerischer und konzeptioneller Zugang zur Architektur, gepaart mit einer erfrischenden Vortragsweise und unkonventionellen Holzbauprojekten, lieferten schlussendlich noch einmal spannenden Gesprächsstoff für den geselligen Ausklang des Abends.

Damit schloss sich auch dramaturgisch der Kreis: Maria Aufegger hatte den Nachmittag mit einer internationalen Perspektive auf Architektur und Stadt eröffnet, dazwischen standen sechs konkrete Projekte aus der österreichischen Praxis, und Chris Precht setzte zum Abschluss noch einmal einen architektonischen Gedankenrahmen.

Dazwischen wurde diskutiert, nachgefragt und gefachsimpelt – über Material, Konstruktion, Vorfertigung, Normen und die Rahmenbedingungen des Holzbaus. Und vermutlich hätte selbst der Kuppelsaal mit seiner aufwendigen Holzkonstruktion an diesem Nachmittag noch ein paar Fragen mehr vertragen. Was bei der Veranstaltung besonders deutlich wurde, war, dass der österreichische Holzbau nicht nur über fertige Gebäude diskutierte, sondern darüber, wie es weitergehen soll. FRAME TIMBER ARCHITECTURE brachte Erfahrung und Nachwuchs, Architektur und Praxis, Forschung und Ausführung zusammen. So entstand ein gemeinsamer Blick darauf, wie die Branche ihre nächsten Schritte gestalten und geschlossen nach vorne gehen kann.