Holzbau schlägt Wurzeln

Ein Artikel von Birgit Gruber | 11.12.2020 - 11:03

Stolze 65 m soll das Holzhaus messen, das zurzeit in der Hafencity von Hamburg errichtet wird. 16 der insgesamt 18 Stockwerke sollen dabei in Holzbauweise ausgeführt werden. Die Gegend ist mehr als angesagt und die Daten mehr als beeindruckend: Mit „Roots“, das unter dem Arbeitstitel „Wildspitze Hamburg“ bekannt wurde, erhält dieser Stadtteil ein weiteres architektonisches Wahrzeichen mit zwei verschiedenen Gebäudeteilen, das quasi als Eingangsbereich für das Elbbrückenquartier konzipiert wurde. „Das Gebäude steht für unsere Vision, die Stadt mit dem Baustoff Holz klimaneutral nachzuverdichten“, erläutert Fabian von Köppen, Geschäftsführer der Garbe Immobilien-Projekte. „Als wir uns für die Umsetzung eines solchen Bauprojektes entschieden, waren wir bereit, gemeinsam mit allen Beteiligten daran zu wachsen. Wir setzten uns zum Ziel, einen Best Case zu schaffen, der buchstäblich Wurzeln schlägt.“

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Rubner Holzbau Augsburg zeichnet bei Roots, nach Fertigstellung Deutschlands höchstes Holzhaus, für die technische und konstruktive Realisierung verantwortlich. © Garbe Immobilien-Projekte

Vorgefertigte Elementbauweise und Massivholzdecken

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Lediglich Unter- und Erdgeschoss des Hochhauses sowie die Erschließungskerne sind in Stahlbetonbauweise geplant, alle Obergeschosse werden in Holzbauweise errichtet. © Garbe Immobilien-Projekte

Im Hochhaus mit fünfeckigem Grundriss befinden sich die Ausstellungsräume, Verwaltung und Büros der Deutschen Wildtier Stiftung sowie private Wohnungen. Im mit insgesamt sieben Geschossen (sechs davon in Holzbauweise) niedrigeren, L-förmig angeschlossenen Baukörper sind ebenfalls Wohnungen untergebracht. Auf einer Bruttogeschossfläche von rund 20.600 m2 entstehen 181 Wohneinheiten, davon 128 Eigentumswohnungen und 53 öffentlich geförderte. Bei der technischen Realisierung setzen die Hamburger Architekten von Störmer Murphy and Partners auf den Superbaustoff Holz. Lediglich Unter- und Erdgeschoss des Hochhauses sowie die Erschließungskerne sind in Stahlbetonbauweise geplant. Alle Obergeschosse werden in Holzbauweise errichtet. Hoch lastabtragende Außenwände in vorgefertigter Elementbauweise und Massivholzdecken bilden zusammen mit einem tragenden Innenwandring das Primärtragwerk des markanten Turms. Die Decken aus 240 - 280 mm starkem Brettsperrholz kragen in den geschützten Außenbereich aus und werden mit Betonfertigteilen für die umlaufenden Loggien komplettiert. Durch eine bauseits montierte zweite Fassade aus Glas sind Brandschutz, UV-Schutz und Feuchteschutz des Holzes gewährleistet. Für die Umsetzung des Holzbaus zeichnet Rubner verantwortlich. 

26.000 t Kohlenstoffdioxid eingespart

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Tobias Hertwig, Geschäftsführer der Garbe Immobilien-Projekte in Hamburg (li.) und Andreas Fischer, Geschäftsführer der Rubner Holzbau in Augsburg bei der Vertragsunterzeichnung. © Rubner Holzbau

Die werkseitig vorgefertigten Wandelemente in Holzrahmenbauweise umfassen eine Fläche von 16.200 m2. Insgesamt werden mehr als 5500 m3 Nadelholz (davon 4430 m3 Brettsperrholz und 820 m3 Sonderhölzer) von Rubner Holzbau verarbeitet. Allein dieses Materialvolumen spart gegenüber der Herstellung, dem Transport und der Entsorgung konventioneller Baustoffe schätzungsweise 26.000 t CO2 ein. „Dazu kommt, dass sich durch den hohen Vorfertigungsgrad der Holzbauelemente die Bauzeit vor Ort verkürzt und die Lärmemissionen in Grenzen halten – sehr zum Vorteil der Anwohner der Hamburger HafenCity“, ergänzt Andreas Fischer von Rubner Holzbau Augsburg.

Der Zeitplan für den 140 Mio. € teuren Bau der beiden Gebäudeteile ist vergleichsweise eng gesteckt. Für die Holzbauarbeiten vor Ort ist ab Januar 2022 ein Ausführungszeitraum von rund einem Jahr vorgesehen. Die voraussichtliche Fertigstellung und Übergabe des Gebäudes sind für 2023 geplant. Dann können die Nutzer die Ausstellungsräume, Lokale, Büros und Wohnungen beziehen.

Quelle: Rubner Holzbau