Fünf Wochen für 300 Tonnen Holz

Ein Artikel von Birgit Gruber | 28.08.2026 - 09:48

Wenn die Kinder morgens das Schulgebäude betreten und den Duft von frischem Holz wahrnehmen, ist das kein Zufall. Es ist vielmehr das Ergebnis einer durchdachten Architekturentscheidung. Das Hoskins Building der Illawarra Grammar School in Wollongong wurde komplett aus Kreuzlagenholz (BSP) errichtet und verbindet auf beeindruckende Weise Nachhaltigkeit, Biophilie und pädagogische Qualität.

Ein Gebäude – zwei Welten

Das zweigeschoßige Gebäude wurde bewusst als Brücke zwischen zwei Teilen des Schulcampus konzipiert. Im Erdgeschoß sind die Jüngsten zuhause: vier Klassenzimmer der Unterstufe, eine Bibliothek mit flexiblen Lernbereichen, sowie Räumen für Naturwissenschaften, Technologie, Technik und Mathematik laden zum Entdecken und Lernen ein. Im Obergeschoß hat die Englischabteilung der Oberstufe ihren Platz, sechs Klassenzimmer, Lehrerbereiche und ein beeindruckendes Auditorium mit 160 Sitzplätzen auf ansteigendem Boden.

Das Gebäude bietet auf rund 2000 m² Nutzfläche Raum für flexibles, zukunftsorientiertes Lernen und das alles in einem Tragwerk aus reinem Holz. Insgesamt wurden 3.850 m² Holzelemente von KLH verbaut, das entspricht 580 m3 Massivholz.

Wenn Holz Geschichte schreibt

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Für das gesamte Tragwerk, einschließlich Wänden, Decken und Dachelementen, wurden insgesamt 3.850 m² KLH-Elemente verbaut.  © Martin Mischkulnig

Das Hoskins Building ist nicht irgendein Schulbau. Es ist das erste in reiner BSP-Bauweise errichtete Schulgebäude Australiens – und gleichzeitig das erste zertifizierte Massivholzgebäude des Landes, das den Internationalen Passivhausstandard erfüllt (erster Passivhausschulbau in New South Wales überhaupt). Was diese Zertifizierung in der Praxis bedeutet, zeigt ein Blick auf die Messwerte. Die Luftdichtheit des Gebäudes erreicht 0,15 ACH – der Passivhausstandard verlangt maximal 0,6 ACH. Das Hoskins Building übertrifft die Anforderung also um mehr als das Vierfache. Dafür sorgen unter anderem eine vollständig in Holz ausgeführte Fassade, Holz-Aluminium-Fenster mit Dreifachverglasung und Akustikdecken aus Holzfaserplatten.

Schnelligkeit auf der Baustelle

Was auf dem Papier komplex klingt, wurde auf der Baustelle mit bemerkenswert hoher Geschwindigkeit realisiert. Dank präziser Planung und hohem Vorfertigungsgrad konnte das gesamte Holztragwerk (rund 300 t)  in nur fünf Wochen montiert werden. Möglich machte das unter anderem das Hilti-Klick-Verbindungssystem für die Stützen: Es ermöglichte eine rasante Montage ganz ohne Zwischenstützen für die Stabilisierung, heißt es vonseiten KLH. Das Tragwerk basiert auf einem 4,5-m-Strukturraster mit Trägern von 700 × 300 mm und Stützen von 300 × 300 mm – ein System, das Statik, Ästhetik und Effizienz elegant vereint. Planung, Lieferung und Montage lagen in den Händen von KLH Pacific.

Biophiles Design

Über allem thront ein begrüntes Dach mit mehr als 1000 m² Pflanzfläche und einer cleveren Photovoltaiklösung. Die Solarmodule des Zinco-Systems sind nicht mit der Dachkonstruktion verschraubt, sondern stehen frei auf dem Substrat. Das Gewicht der Begrünung dient als Ballast und schützt gleichzeitig die Dachabdichtung. Eine elegante Lösung, die Wartung vereinfacht und die Konstruktion schont. Insgesamt wurden in diesem Gebäude 442 t CO₂-Äquivalente im Holz gespeichert. Zum Vergleich: Das gesamte Holztragwerk wuchs in österreichischen Wäldern in gerade einmal zehn Minuten nach.

Hinter dem Entwurf steckt die Philosophie des Architekturbüros betti & knut architecture unter der Leitung von Knut Menden. Seine Devise lautete, Holz überall dort einzusetzen, wo es möglich ist. Das Ergebnis ist ein Gebäude, das innen wie außen den natürlichen Werkstoff feiert. Biophiles Design ist hier kein Marketingbegriff, sondern gelebte Wirklichkeit. Für die Tragwerksplanung sorgte Robertus Pratikna, als Generalunternehmer war Rohrig Constructions verantwortlich. Gemeinsam haben diese Partner bewiesen, dass ambitionierte Nachhaltigkeitsziele und attraktive, funktionale Schularchitektur kein Widerspruch sein müssen.

Quelle: KLH