Ressourcenschonend Bauen mit Holz

Ein Artikel von Raphael Zeman (auf Basis der Projektbeschreibung) | 22.10.2026 - 07:05
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© Adam Mørk

Durch Weiterverwendung und Umnutzung vorhandener Bauteile konnten nach Angaben des Unternehmens rund 55 % beziehungsweise 4476 t jener Materialien eingespart werden, die für einen vergleichbaren Neubau erforderlich gewesen wären. Ausgangspunkt war ein 1995 eröffnetes Lagergebäude, dessen Tragwerk weitgehend aus Holz bestand. Schon beim ursprünglichen Bau waren Beton und Stahl, soweit möglich, durch Holz aus dänischen und schwedischen Wäldern ersetzt worden. Das Holz blieb unbehandelt. Auch nach rund drei Jahrzehnten befanden sich große Teile der Konstruktion und selbst Fassadenelemente noch in einem Zustand, der ihre weitere Nutzung ermöglichte.

Für die Planer von Praksis Arkitekter war damit klar, den Bestand nicht nur als Hülle, sondern auch als Materiallager für den Umbau zu verstehen. Tragende Brettschichtholzbalken, Dachkonstruktion, Fassadenteile, Betonplatte und innere Betonwände blieben soweit wie möglich erhalten. Mehr als die Hälfte der ursprünglich verbauten Materialien konnte weiterverwendet oder einer neuen Funktion zugeführt werden.

Holz bleibt im Kreislauf

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© Adam Mørk

Besonders konsequent erfolgte der Umgang mit dem vorhandenen Holz. Die bestehende Holzfassade wurde für die Dämmarbeiten demontiert und anschließend wieder montiert. Brettschichtholzrahmen, die für zwei neu geschaffene Innenhöfe entfernt werden mussten, kamen in Nebengebäuden der Umgebung oder für Möbel zum Einsatz. Ausschnitte aus der Dach- und Fassadenkonstruktion wurden ebenfalls nicht entsorgt, sondern für neue Bauteile und Instandsetzungen genutzt. Auch die vorhandene Dachfläche blieb weitgehend bestehen. Sie erhielt eine neue Dämmung und zusätzliche Oberlichter. Holz aus den dafür erforderlichen Öffnungen wurde bei den Fassaden der neuen Innenhöfe weiterverwendet. Damit blieb ein großer Teil des im Gebäude gebundenen Materials im Kreislauf.

Ähnlich verfuhren die Planer mit mineralischen Baustoffen. Der vorhandene Betonboden konnte unverändert weiter genutzt werden. Bestehende Betonwände wurden teilweise in neue Treppenkerne integriert. Demontierte Betonelemente fanden als Pflastersteine oder Außenmöbel eine neue Verwendung. Leichte Innenwände aus Gipskarton und Mineralwolle wurden dem Recycling zugeführt. Entfernte Vordächer erhielten in Nebengebäuden eine neue Funktion. Pflastersteine, die im Zuge der Umgestaltung der Außenanlagen ausgebaut wurden, kamen auf Parkplätzen, Fußwegen oder an Nebengebäuden erneut zum Einsatz. Der Umbau folgte damit dem Prinzip, vorhandene Baustoffe zunächst weiterzuverwenden und erst danach zu ersetzen oder zu recyceln.

Im Zuge der Umgestaltung wurden die Forschungs- und Arbeitsbereiche neu organisiert. Anstelle eines vollständigen Rückbaus griffen die Architekten gezielt in den Bestand ein. Zwei Innenhöfe wurden aus dem kompakten Baukörper herausgeschnitten. Die dabei ausgebauten Holzbauteile bildeten wiederum Material für andere Nutzungen. Diese Verbindung aus konstruktiver Anpassung und Materialwiederverwendung ist ein zentraler Bestandteil des Konzepts. 

Bestand statt Neubau

Der größte Ressourceneffekt entstand durch die Entscheidung, die vorhandene Halle weiterzuentwickeln, anstatt sie abzubrechen und durch einen Neubau zu ersetzen. Das ursprüngliche Lagerhaus mit 9500 m² Fläche wurde auf rund 14.000 m² erweitert. Trotz der Flächenzunahme blieb ein erheblicher Teil der bestehenden Konstruktion erhalten.

Laut der Projektbeschreibung wurden gegenüber einem Neubau ähnlicher Größe und Funktion rund 4476 t Material eingespart. Neben dem geringeren Materialbedarf reduzierte dies auch die mit Herstellung, Transport und Einbau neuer Baustoffe verbundenen grauen Emissionen.

Auch bei der Erweiterung wurde Holz als Hauptkonstruktionsmaterial eingesetzt. Ziel war, zusätzliche graue Emissionen möglichst gering zu halten und an die vorhandene Tragstruktur anzuknüpfen. Das Beispiel unterstreicht damit einen wesentlichen Vorteil des Bauens im Bestand: Die ökologisch wirksame Maßnahme liegt häufig nicht im Austausch eines Baustoffs, sondern darin, bereits verbaute Materialien möglichst lange weiter zu nutzen.

Holz spielte dabei eine doppelte Rolle: als langlebige Primärkonstruktion des Bestands und als wiederverwendbarer Baustoff bei der Transformation. Das Projekt zeigt, dass Holzkonstruktionen bei entsprechender Ausführung nicht nur lange genutzt, sondern auch verändert, demontiert und in neuen Zusammenhängen weiterverwendet werden können.

Tageslicht statt mehr Haustechnik

Neben dem Materialeinsatz wurde auch der Energiebedarf des Gebäudes berücksichtigt. Zwei in den Baukörper eingeschnittene und begrünte Innenhöfe bringen Tageslicht und Frischluft in die Tiefe der ehemaligen Lagerhalle. Zusätzliche Dachfenster und Oberlichter sollen den Bedarf an künstlicher Beleuchtung senken.

Für die natürliche Lüftung kommen automatisierte Fensterantriebe zum Einsatz. Die Frischluftzufuhr wird zonenweise und bedarfsabhängig gesteuert, mechanische Kühlung soll so begrenzt werden. Grundlage für die Planung war ein adaptives Komfortmodell, das berücksichtigt, dass Nutzer unterschiedliche Innentemperaturen je nach Außenklima akzeptieren.

Nach Projektangaben erreicht das Gebäude einen CO2-Fußabdruck von 4,6 kg CO2e/m² und Jahr. Damit liegt es unter dem für 2029 vorgesehenen dänischen Grenzwert für Bürogebäude von 6,1 kg CO2e/m² und Jahr. 

Umbau als Materialstrategie

Der Umbau in Østbirk ist vor allem deshalb relevant, weil Ressourcenschonung nicht auf einzelne Baustoffe oder technische Maßnahmen beschränkt wurde. Entscheidend war die Reihenfolge der Eingriffe: erhalten, weiterverwenden, umnutzen, recyceln und erst danach neu bauen.

Die bestehende Holzkonstruktion bildete dafür eine günstige Ausgangslage. Ihre Tragfähigkeit und der Zustand vieler Bauteile erlaubten eine weitere Nutzung nach rund 30 Jahren. Gleichzeitig zeigt das Projekt, dass sich auch größere Eingriffe wie neue Innenhöfe, zusätzliche Fensterflächen und eine veränderte Gebäudenutzung mit einem hohen Anteil an Bestandsmaterial umsetzen lassen.

Damit liefert der Umbau ein Beispiel für ressourcenschonendes Bauen im Bestand. Nicht der Ersatz durch möglichst neue Materialien, sondern die möglichst lange Nutzung vorhandener Bauteile steht im Vordergrund. Für den Holzbau ist insbesondere die Weiterverwendung der Brettschichtholzrahmen, Fassadenteile und Holzabschnitte interessant. Sie zeigt, dass konstruktives Holz bei Umbauten nicht zwangsläufig zu Abfall werden muss, sondern als Bauteil oder Rohstoff in weiteren Nutzungszyklen verbleiben kann. 

Projektdaten

Standort: Østbirk / DK
Bauherrschaft: VELUX Gruppe
Bauzeit: Februar 2023 bis Mai 2025
Architektur: Praksis arkitekter
Ingenieurbüro: Søren Jensen (Strukturelle Planung, Heizung, Lüftung, Raumklimatisierung, Energie-Design)
Generalunternehmen: KG Hansen (Baumanagement)
Brutto-Grundfläche: 14.000 m² (Bestandsbau 9500 m²)

Quelle: Velux