Das 78 m hohe Gebäude, Dänemarks höchster Holzhochhausbau, kombiniert biogene und wiederverwendete Materialien und zeigt, dass zirkuläres Bauen auf hohem architektonischem Niveau möglich ist. „Wir wollten beweisen, dass man ein Hochhaus bauen kann, das sowohl technisch als auch ästhetisch überzeugt und dabei Ressourcen schont“, erklärt Lendager.
In TRÆ verschmelzen drei gerundete Türme zu einem Ensemble, das nicht nur die städtebauliche Präsenz am ehemaligen Industriehafen von Aarhus prägt, sondern auch das Potenzial von Holz als Hightech-Material demonstriert. Fassaden aus wiederverwendeten Aluminiumplatten, Windturbinenflügel als Sonnenschutz und recycelte Innenmaterialien sind Teil einer Philosophie, die Lendager als „Form folgt Verfügbarkeit“ beschreibt: „Wir schauen, welche Materialien wir haben, und entwickeln die Form daraus. Das erlaubt uns, Abfall zu schätzen und ihm architektonischen Wert zu verleihen.“
Für das Team war die Umsetzung ein Experiment auf vielen Ebenen. Es gab keine lokalen Vorbilder für ein Hochhaus aus Holz in dieser Größenordnung. „Wir mussten neue Standards entwickeln, von Brandschutztests über die Integration von Windturbinenflügeln bis hin zur Nutzung recycelter Aluminiumplatten. Jede Komponente war eine Herausforderung, aber auch eine Chance für Innovation.“ Intensive Zusammenarbeit mit Ingenieuren, Bauunternehmen und Behörden war notwendig, um die hohen Sicherheitsanforderungen und den Einsatz unkonventioneller Materialien zu gewährleisten.
Holz überzeugt nicht nur ökologisch, sondern auch funktional. Die Haptik, die natürlichen Oberflächen und das Tageslicht schaffen ein Arbeitsumfeld, in dem Menschen sich wohlfühlen. Nutzerstudien bestätigen dies: Beschäftigte erleben Ruhe, Authentizität und ein gesundes Raumklima. Lendager ergänzt: „Wir bauen nicht nur Gebäude, wir gestalten Lebensräume – und das bedeutet, dass Materialität spürbar sein muss.“
Zirkularität steht im Zentrum des Projekts. Fast alle sichtbaren Oberflächen sind wiederverwendet oder biobasiert: Bodenbeläge, Wandpaneele, Fassadenverkleidungen und sogar Bäume wurden aus bestehenden Beständen übernommen. „Upcycling macht Gebäude einzigartig“, erklärt Lendager. „Die Unregelmäßigkeit wird zur Identität.“ Life-Cycle-Analysen zeigen eine Reduktion des gebundenen CO2 um 30 bis 50 % gegenüber konventionellen Hochhäusern – ein messbarer Beitrag zur Klimaneutralität.
Doch die Architekten betonen, dass Holz mehr als ein ökologisches Statement ist. Es ist eine Haltung, die sie vermitteln wollen. „Wir wollen zeigen, dass nachhaltiges Bauen ästhetisch, technisch und sozial wertvoll sein kann.“ Projekte wie TRÆ verbinden städtebauliche Vision, soziale Verantwortung und architektonische Innovation: Erdgeschoße mit sozial orientierten Einrichtungen, öffentliche Wege und Brücken schaffen Begegnungsräume und eine starke Verankerung im Stadtgefüge. TRÆ verwandelt den ehemaligen Industriehafen in einen lebendigen Stadtraum. Für Lendager ist klar: „Wer Holz als Baustoff ernst nimmt, eröffnet neue Wege. Ressourcenschonendes Bauen ist keine Einschränkung, sondern ein kreativer Antrieb. Wir wollen zeigen, dass es möglich ist, große Architektur zu gestalten – und dabei die Umwelt zu schonen.“