Der Neubau wird in Holzhybridbauweise errichtet und soll künftig Arbeitsplätze für bis zu 1000 Beschäftigte, öffentliche Begegnungszonen, Gastronomieflächen und zusätzliche Grünräume vereinen. Im Mittelpunkt steht dabei der Ingenieurholzbau. Insgesamt werden rund 12.640 fm PEFC-zertifiziertes Rundholz – überwiegend heimische Fichte – verbaut. Für die Realisierung des Tragwerks zeichnet Wiehag Timber Construction aus Altheim verantwortlich.
Signalprojekt für Österreich
Zusammenarbeit (v. li.): Georg Schöppl, Vorstandssprecher der Österreichischen Bundesforste, RLB OÖ-Generaldirektor Reinhard Schwendtbauer, Beteiligungs- und Immobilienvorstand der RLB OÖ Gerald Aichhorn und Erich Wiesner, geschäftsführender Eigentümer Wiehag © Raiffeisen
Zum Einsatz kommen moderne Holzwerkstoffe wie Brettschichtholz (BSH) und Brettsperrholz (BSP). Die tragenden Bauteile werden industriell vorgefertigt und im Just-in-time-Verfahren auf die Baustelle geliefert. Dadurch sollen Bauzeiten verkürzt sowie Lärm-, Staub- und Abfallaufkommen deutlich reduziert werden. Für Wiehag-CEO und Eigentümer Erich Wiesner besitzt das Projekt besondere Strahlkraft: „Wir freuen uns sehr, dass mit der neuen Konzernzentrale der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich auch in Österreich ein Holzbauprojekt dieser Dimension und Qualität realisiert wird. Gebäude dieser Art zeigen eindrucksvoll, dass Holzbau auch bei komplexen, mehrgeschoßigen Gebäuden eine tragfähige Lösung ist.“ Wiesner sieht darin zugleich einen Impuls für die gesamte Branche: „Ich bin überzeugt, dass die neue RLB-Konzernzentrale viele weitere Entwicklungen inspiriert und der grünen Transformation der gebauten Umwelt in Österreich zusätzlichen Rückenwind verleiht.“
Breites Gewerkebündnis von Forstwirtschaft bis Architektur
Im Erdgeschoß sind ein Foyer mit Empfang, ein Mitarbeiterrestaurant, ein öffentliches Café und Bistro sowie mögliche Geschäftseinheiten entlang einer neuen Fußgängerzone angesiedelt. © HENN Architektur
Hinter dem Projekt steht ein umfangreiches Zusammenspiel mehrerer Gewerke. Das architektonische Konzept stammt vom Münchner Büro HENN, dessen Entwurf sich bereits 2019 in einem Wettbewerb gegen 21 Büros durchsetzte. Charakteristisch sind das offen gestaltete Atrium, die durchgehende „Loop“-Verbindung über alle Geschoße sowie ein biophiles Gestaltungskonzept mit Holz, Grünflächen und Indoor-Garten. Parallel zum Baustart beginnen zunächst Spezialtiefbau und Geothermiearbeiten. Geplant sind 87 Erdwärmesonden mit Tiefen bis zu 150 m. Ergänzt wird das Energiekonzept durch thermisch aktivierte Schlitzwände und Fundamentplatten, Photovoltaikanlagen sowie ein campusweites Anergienetz (auch kaltes Nahwärmenetz).
Zum Projektverbund zählen damit unter anderem Spezialtiefbau, Geothermie, Ingenieurholzbau, Architektur und Planung, Gebäudetechnik, Energieinfrastruktur sowie die vorgelagerte Forst- und Holzwirtschaft. Entlang der Lieferkette profitieren Forstbetriebe, Sägewerke, Holzverarbeiter, Vorfertigungsunternehmen, Logistikdienstleister und regionale Zulieferer.
Gebäude wird selbst zum CO₂-Speicher
Besonders hervor hebt die Projektgruppe die Klimawirkung des Holzhybridtragwerks. Im Vergleich zu einer konventionellen Stahlbetonkonstruktion sollen die vorgelagerten CO₂-Emissionen um rund 36 % sinken. Durch den Einbau von rund 4600 m3 Brettschicht- und Brettsperrholz werden zudem etwa 3150 t CO₂ langfristig gebunden. „Das Gebäude wird damit selbst zu einem Kohlenstoffspeicher. Holzkonstruktionen reduzieren den Einsatz CO₂-intensiver Baustoffe und binden gleichzeitig Kohlenstoff langfristig über ihre gesamte Lebensdauer“, betont Wiesner.
Unterstützt wird dieser Ansatz auch von den Österreichischen Bundesforsten. Deren Vorstandssprecher Georg Schöppl sieht im Projekt ein Beispiel dafür, wie nachhaltige Forstwirtschaft, regionale Wertschöpfung und moderner Holzbau zusammenspielen können. Für die Branche könnte das RLB-Headquarter damit weit mehr sein als ein Bankgebäude – nämlich ein neues Referenzprojekt für den urbanen Holzbau in Österreich. Mit einer Fertigstellung wird bis Ende 2029 gerechnet.
Quelle: Raiffeisen