Schieflage im Holzbau

Ein Artikel von Günther Jauk | 12.08.2021 - 09:00
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Zahlreiche Zimmereien tatet ihren Unmut über ihre Lieferanten im Zuge dieser Umfrage kund und beklagten vor allem die massiven Preisanstiege sowie die schlechte Verfügbarkeit zahlreicher Holzbauprodukte. Aber zuerst die guten Nachrichten: Die Auftragslage war für den überwiegenden Teil (81 %) der Befragten im 2. Quartal „gut“ und für die restlichen 19 % „zufriedenstellend“. Ein ähnlich positives Bild zeigt der Blick in das laufende Quartal: Hier gehen 71 % von keiner Veränderung der guten Auftragslage aus. 13 % rechnen mit einer Verbesserung und 17% mit einer Verschlechterung.

Holzbauanteil könnte sich verringern

Deutlich verschlechtert haben sich indes die Einschätzungen auf die Frage, wie sich der Holzbauanteil am Gesamtbauvolumen in den kommenden Jahren entwickeln wird. Gingen vor einem halben Jahr noch 80 % der Unternehmen von einem steigenden Anteil des Holzbaus aus, waren es bei der jüngsten Umfrage lediglich 25 %. 44 % rechneten zuletzt sogar mit einem rückläufigen Holzbauanteil.

Der Hauptgrund für diese erwartete Verschlechterung ist die prekäre Beschaffungssituation. Beinahe alle Umfrageteilnehmer kritisieren in ihren Kommentaren mehr oder weniger scharf das Verhalten der Holzindustrien – die Preissteigerungen der vergangenen Monate seien nicht nachvollziehbar und man könne diese oft nicht an den Endkunden weitergeben, so der Tenor. So könne man kurzfristig nichts verdienen und werde langfristig zahlreiche potenzielle Kunden an den Massivbau verlieren. Was man in den vergangenen Jahrzehnten mühsam aufgebaut habe, werde jetzt in kürzester Zeit wieder zunichte gemacht, lauten die Befürchtungen der Holzbaubetriebe.

Aktuell größte Herausforderungen und Lösungsansätze der Holzbaubetriebe

„Steigende Holzpreise beziehungsweise steigende Rohstoffpreise und lange Lieferzeiten. Leider nicht vorhersehbar, wie die Endkunden darauf reagieren werden. Für heuer sind die Auslastung und Nachfrage noch gut, aber wenn sich nichts verändert, wird das nächste Jahr sicher sehr schwierig werden.“

„Die Preispolitik der Industrie ist nicht nachvollziehbar. Sie ist für uns Holzbaubetriebe eine Katastrophe. Momentan müssen wir die Differenz auffangen beziehungsweise die Preise aus den Verträgen teilweise aus 2020 halten und werden über das Jahr dadurch ein Minus schreiben.“

„Nicht nachvollziehbare Preissteigerungen bei Industrieprodukten wie BSH, BSP, am allerschlimmsten bei OSB... So gut es geht, die Preiserhöhungen weitergeben, einen Teil muss man selber schlucken. Gott sei Dank haben wir im Moment keine materialintensiven Aufträge mit BSP.“

„Lieferzeiten – frühzeitige Bestellungen, ich hoffe, dass uns durch die derzeitigen Umstände in Zukunft generell mehr Vorlaufzeit zwischen Auftragsvergabe und Umsetzung seitens der Auftraggeber eingeräumt wird...“

„Die Preissteigerungen können nicht mehr am Markt platziert werden. Ein Knieschuss für die gesamte Holzbranche! Wir können uns bei der Industrie bedanken! Aufbauarbeit für den Holzbau von über 30 Jahren zunichte gemacht!“

„Man kann sich noch so ärgern und den Lieferanten seinen Unmut sagen – es bringt nichts. Für die Zukunft sind wir am Überlegen, wie es ohne OSB und mit natürlicher Dämmung, wie zum Beispiel Stroh, funktioniert. Zudem überlegen wir, ob wir KVH unbedingt brauchen, da wir jetzt bereits wieder sehr viel mit heimischem Bauholz abdecken. Die Überlegung ist eine eigene Trockenkammer, da bei vielen kleinen Sägewerken in den letzten Monaten eher das Trocknen das Problem war und nicht mal das Sägen... Wir gehen aber zuversichtlich in die kommende Zeit.“

„Wir haben zwei Themen: Personal und Verfügbarkeit von Holz und Holzwerkstoffen sowie Dämmmaterialien. Wir versuchen, unser Personal soweit möglich weiterzuqualifizieren und zu motivieren, wir bilden aus und sind auf allen Medienkanälen mit Stellenangeboten präsent und versuchen, so viele PR-Artikel als möglich in der Zeitung zu präsentieren, um unsere Firma und den Holzbau publik zu machen. Holz bestellen wir so frühzeitig wie möglich, Preiserhöhungen geben wir über Preisgleitklauseln in unseren Angeboten soweit möglich an den Kunden weiter beziehungsweise kalkulieren rechtzeitig mit höheren Einkaufspreisen.“ 

„Kein Material zu erhalten und die Preise sind enorm. Habe mir etwas auf Lager gelegt, aber das geht dem Ende zu und das wird ein Problem in nächster Zeit.“

Konjunkturbarometer Holzkurier

Der Holzkurier führt quartalsweise eine Umfrage unter den Holzbaubetrieben durch. Je mehr Unternehmen mitmachen, desto aussagekräftiger sind die Ergebnisse, weshalb wir Sie an dieser Stelle um Ihre Unterstützung bitten: Nehmen Sie sich ein Mal im Quartal zwei bis drei Minuten Zeit und beurteilen Sie für uns – und in weiterer Folge für sich selbst – die Geschäftslage. Sofern Sie von uns noch keine Umfrageeinladung erhalten haben, nehmen wir Sie natürlich gerne in unseren Verteiler auf. Kontaktieren Sie uns hierfür bitte unter der E-Mail-Adresse g.jauk@holzkurier.com