Holz gewinnt als klimafreundlicher Baustoff in Österreich noch mehr an Bedeutung. Es speichert CO₂, ersetzt emissionsintensive Materialien und stärkt gleichzeitig regionale Wertschöpfungsketten. Vor diesem Hintergrund setzt das Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft (BMLUK) zwei neue Impulse: Eine Stiftungsprofessur für nachhaltiges Bauen an der BOKU University sowie die erstmalige Verleihung des Österreichischen Staatspreises Holzbau am 28. Mai. Bundesminister Norbert Totschnig betont die Bedeutung des Baustoffs Holz für den Klimaschutz und die Bauwirtschaft: „Holzbau ist gelebte Nachhaltigkeit. Daher setzen wir zwei gezielte Impulse für den Holzbau in Österreich. Mit der neuen Stiftungsprofessur investieren wir in die Forschung sowie die Aus- und Weiterbildung. Gleichzeitig machen wir mit dem Österreichischen Staatspreis Holzbau architektonische und ökologische Spitzenleistungen aus dem Baustoff Holz sichtbar.“
Neue Professur stärkt Forschung und Ausbildung
Prof. Axel Körner übernimmt ab Herbst die neue Stiftungsprofessur an der BOKU University. © BMLUK/Hemerka
Ab dem Wintersemester 2026/2027 wird an der BOKU University die neue Stiftungsprofessur „Nachhaltiges Gestalten und Bauen“ eingerichtet. Sie ergänzt die bereits bestehende Professur an der Technischen Universität Wien und orientiert sich an den Leitlinien des Neuen Europäischen Bauhauses. Zwei weitere Holzbauprofessuren sollen laut Totschnig in Graz und Innsbruck folgen.
Die Leitung an der BOKU übernimmt Prof. Axel Körner, der zuvor an der Universität Stuttgart tätig war. Im Fokus stehen ressourcenschonende Bauweisen, biobasierte Materialien und automatisierte Fertigungsmethoden. Körner erklärt: „Der Holzbau ist ein zentraler Baustein für die Transformation des Bauwesens. Gleichzeitig geht es darum, das Spektrum biobasierter Materialien insgesamt zu erweitern und deren architektonische Potenziale stärker zu nutzen. An der BOKU University wollen wir diesen Ansatz mit zirkulären Bauweisen und einem integrativen Verständnis von Materialinnovation, architektonischer Gestaltung und automatisierter Fertigung weiterentwickeln.“
Ziel der Professur sei es, die Prinzipien des Neuen Europäischen Bauhauses – Nachhaltigkeit, Ästhetik und Inklusion – dauerhaft in Forschung und Lehre zu verankern. Finanziert wird sie im Rahmen des Waldfonds gemeinsam vom BMLUK, der Kooperationsplattform Forst-Holz-Papier und der Bundesimmobiliengesellschaft.
Große Potenziale im mehrgeschoßigen Wohnbau
Aktuelle Daten zeigen jedoch, dass der Holzbau in Österreich noch deutliches Entwicklungspotenzial besitzt. Der Anteil am gesamten Neubauvolumen liegt derzeit bei 11,6 %. Besonders stark ist Holz weiterhin im Einfamilienhausbau vertreten, wo bereits 21,6 % der Gebäude in Holzbauweise entstehen. Anders sieht es bei mehrgeschoßigen Wohnbauten aus: Dort liegt der Anteil lediglich bei 4,4 %. Im öffentlichen Bau werden 7,9 % der Flächen in Holz errichtet, während landwirtschaftliche Gebäude mit 43,5 % den Spitzenwert erreichen.
Um den großvolumigen Holzbau voranzubringen, wurden zwischen 2023 und 2025 im Rahmen der proHolz-Bauberatung mehr als 1400 kostenfreie und firmenneutrale Beratungen durchgeführt. proHolz-Obmann Richard Stralz sieht vor allem im Wohnbau großes Potenzial: „Der Holzbau ist technologisch reif für das mehrgeschoßige Bauen und durch den hohen Vorfertigungsgrad besonders präzise und effizient. Die aktuellen Zahlen zum Holzbauanteil machen jedoch deutlich, dass die Potenziale des Holzbaus in diesem Bereich noch nicht ausreichend genutzt werden.“
Auch BIG-Geschäftsführerin Christine Dornaus unterstreicht die Bedeutung von Forschung und Praxis: „Das Bauen mit Holz und anderen biobasierten Materialien ist nicht trivial, besonders wenn es um anspruchsvolle Bauwerke wie Universitätsgebäude geht. Zusammen mit der BOKU University haben wir bereits wegweisende Holzbauten realisiert. Um diesen Weg fortzusetzen, braucht es weitere Forschung und Lehre.“
Staatspreis Holzbau feiert Premiere
Prof. Axel Körner, BIG-Geschäftsführerin Christine Dornaus, proHolz Austria-Obmann Richard Stralz und Bundesminister Norbert Totschnig (v. li.) vor dem neuesten BOKU-Holzbau, dem Ilse Wallentin Haus. © BMLUK/Hemerka
Mit dem Österreichischen Staatspreis Holzbau erhält die Branche erstmals eine nationale Auszeichnung für innovative und ressourcenschonende Bauprojekte. Insgesamt 41 nominierte Projekte aus ganz Österreich stehen im Wettbewerb. Die Preisverleihung findet am 28. Mai in den Sofiensälen in Wien statt. Zwei davon werden zusätzlich für den europäischen WoodPoP Dara Award, der am 26. November in Prag verliehen wird, vorgeschlagen.
Quelle: BMLUK