TH Rosenheim spart Baukosten bei Hochschulprojekt

Ein Artikel von Birgit Gruber | 18.06.2026 - 07:55

Mit dem neuen V-Bau setzt die Technische Hochschule Rosenheim ein bemerkenswertes Zeichen für wirtschaftlichen und nachhaltigen Hochschulbau. Der viergeschoßige Neubau wurde als modularer Hybridbau errichtet und blieb nach Angaben der Hochschule rund 20 % unter den staatlichen Regelkosten vergleichbarer Hochschulgebäude. 

Besonders bemerkenswert: Die TH Rosenheim trat als eine der ersten Hochschulen in Bayern selbst als Bauherr auf. Durch intensive Vorplanung, konsequente Kostenkontrolle und einen hohen Vorfertigungsgrad konnten die ursprünglich veranschlagten Baukosten von rund zehn Millionen Euro auf rund 7,5 Mio. € reduziert werden.

Konsequente Planung sparte Kosten

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Der neue V-Bau der TH Rosenheim © Wolfgang Schmidt

„Wir haben das Gebäude konsequent von innen heraus mit Blick auf die Funktionen geplant“, erläutert Prof. Andreas Betz, Professor für Innenausbau an der TH Rosenheim sowie Gesamtprojektleiter des Vorhabens. „Der V-Bau ist ein Nutzbau mit hohem Kostendruck. Deshalb haben wir jede planerische Entscheidung hinterfragt: Brauchen wir das wirklich oder nicht?“ Eine zentrale Rolle spielte dabei die konstruktive Optimierung des Gebäudes. Aufgrund schwieriger Bodenverhältnisse und hoher Grundwasserstände entwickelte das Planungsteam eine sogenannte „statische Umdrehung“: Große Lehr- und Bewegungsflächen mit hohen Spannweiten wurden in die oberen Geschoße verlegt, kompaktere Büroflächen in die unteren Ebenen. Dadurch konnten Lasten reduziert und die Konstruktion wirtschaftlicher ausgeführt werden. „Allein über die Reduktion der Gebäudehöhe konnten wir erhebliche Kosten einsparen“, sagt Betz. „Wir haben die Konstruktion konsequent aus den statischen und funktionalen Anforderungen heraus entwickelt.“

Der Neubau wurde als Hybridkonstruktion mit einem hohen Anteil vorgefertigter Holzbauelemente realisiert. Fassadenmodule kamen bereits inklusive Fenster und Holzverkleidung auf die Baustelle. Auch Deckenplatten und weitere Bauteile wurden montagefertig angeliefert. Der eigentliche Holzbau einschließlich Dach entstand dadurch innerhalb von nur vier Wochen. „Die Kombination aus individueller Geschoßplanung und standardisierten 2D-Elementen war ein entscheidender Schlüssel für die doch relativ schnelle Umsetzung des Projekts“, so Betz.

Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit kein Widerspruch

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Symbolische Schlüsselübergabe (v. li.): Hochschulpräsident Prof. Heinrich Köster, Prof. Andreas Betz, Wissenschaftsminister Markus Blume, Vizepräsidentin Prof. Dr. Sabine Ittlinger, geschäftsführender Leiter des Zentrums Forschung, Entwicklung und Transfer Wolfgang Alversammer und Wolfgang Schmidt.
© Julia Hinterseer

Neben Wirtschaftlichkeit und Baugeschwindigkeit stand insbesondere der Suffizienzgedanke im Mittelpunkt der Planung. Beton wurde nur dort eingesetzt, wo dies konstruktiv erforderlich war. Holz fungiert dagegen als CO₂-speichernder Baustoff und prägt das Tragwerks- und Fassadenkonzept des Gebäudes. Flexible Grundrisse sollen zudem eine langfristige Nutzung und spätere Umnutzung ermöglichen. Auch die technische Gebäudeausrüstung wurde konsequent auf den tatsächlichen Bedarf abgestimmt. 

Für Hochschulpräsident Prof. Heinrich Köster zeigt das Projekt, dass Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit kein Widerspruch sein müssen. „Nachhaltigkeit wurde bei diesem Projekt nicht als Zusatzleistung verstanden, sondern als Ergebnis intelligenter Planung“, betont er. „Normalerweise gilt nachhaltiges Bauen als teurer. Wir wollten zeigen, dass genau das Gegenteil möglich ist.“ Der V-Bau setze neue Maßstäbe für wirtschaftliches und nachhaltiges Bauen und zeige eindrucksvoll, wie innovative Hochschulentwicklung gelingen könne.

Quelle: TH Rosenheim