Trotz eines angespannten Marktumfelds ist der Holzbau ein wichtiger Impulsgeber für die Bauwirtschaft. Im Kölner Veranstaltungszentrum Gürzenich diskutierten auf Einladung von Forum Holzbau, Biel/CH, Vertreter aus Planung, Architektur, Forschung und Indus-trie über die Zukunft des Bauens mit Holz. Das Programm bot Analysen der Branchenlage und Best-Practice-Beispiele aus dem urbanen Raum. Die Fachausstellung ergänzte den Austausch zwischen Unternehmen und Fachpublikum.
Wohnungsbau als Lichtblick
Marcel Dresse von B+L Marktdaten, Bonn/DE, zeichnete ein herausforderndes Bild der Baukonjunktur in Deutschland und Nordrhein-Westfalen. Schwache Sanierungsinvestitionen und Nichtwohnbauten bremsen die Baukonjunktur, während sich der Wohnungsneubau leicht erholt. Modernisierungen werden vielfach aufgeschoben, während die Haustechnik von einer höheren Investitionsbereitschaft profitiert. Ein positives Signal kommt aus dem Mehrfamilienhausbau, wo die Holzbauquote kontinuierlich steigt. „Hier spielt die Musik“, betonte Dresse.
Dr. Ralf Petercord vom nordrhein-westfälischen Ministerium für Landwirtschaft und Verbraucherschutz streichte die Bedeutung aktiver Holznutzung für den Klimaschutz heraus. Städte müssten stärker zu CO₂-Speichern werden. Holz könne dabei helfen, emissionsintensive Baustoffe zu ersetzen und Kohlenstoff langfristig in Gebäuden zu binden. Zugleich verwies Petercord auf die Veränderungen im Wald und die wachsende Bedeutung von Laubholz. Dafür brauche es neue Ideen und Technologien, um bislang unzureichend genutzte Potenziale für den Holzbau zu erschließen. Die Transformation müsse vom Wald bis zum fertigen Gebäude gedacht werden.
Vorfertigung und integrale Planung
Die Fachsessions des Kongresses beleuchteten die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten des Holzbaus im urbanen Raum. Das Spektrum reicht von modularen, digital gesteuerten Baukonzepten und innovativen Wohnlösungen über hybride Konstruktionen bis hin zu einer präzisen, integralen Planung. Am zweiten Kongresstag standen öffentliche Gebäude, Revitalisierung und Aufstockung im Bestand sowie Fragen zu Klimaschutz, Emissionsreduktion und nachhaltiger Gebäudetechnik im Mittelpunkt. Ergänzt wurde das Programm durch rechtliche und baubetriebliche Aspekte, darunter KI bei der Vertragsprüfung und Herausforderungen bei Vergabe und Projektabwicklung.
Im Gastvortrag richtete der Architekt Univ.-Prof. Hermann Kaufmann von HK Architekten, Schwarzach/AT, den Blick auf die Zukunft des Holzbaus. Mehrgeschossige Wohnbauten und anspruchsvolle Großprojekte seien heute zunehmend selbstverständlich. Holz habe sich als architektonisches Gestaltungsmaterial etabliert. „Wie bleibt diese Welle dauerhaft?“, formulierte Kaufmann eine zentrale Frage. Große Chancen sieht er im Bauen im Bestand, das künftig eine zen-trale Aufgabe des Holzbaus sein werde. Dafür brauche es qualifiziertes Handwerk, das angesichts des Fachkräftemangels zunehmend unter Druck stehe. Die Optimierung des Bauprozesses durch Vorfertigung müsse ebenfalls stärker in den Fokus rücken. Sie ermögliche präzisere Abläufe, kürzere Bauzeiten und eine bessere Qualitätssicherung. Zugleich forderte Kaufmann eine eigenständige Architektursprache für den Holzbau, die über die Übertragung konventioneller, vom Betonbau geprägter Gestaltungsprinzipien hinausgeht.
Eine noch zu bewältigende Aufgabe seien durchdachte Schutzkonzepte gegen Feuchtigkeit. Beim Brandschutz sei der Holzbau hingegen bereits weit entwickelt, so Kaufmann. Zudem brauche es Kon-struktionen, die eine spätere Wiederverwendung der Materialien ermöglichen. Neben technischen Lösungen gehe es darum, den Holzbau dauerhaft kreislauffähig zu gestalten.
Holzbaupreis NRW 2026 vergeben
Ein Höhepunkt des Kongresses war die Verleihung des Holzbaupreises NRW 2026. Aus 61 Einreichungen wählte die Jury zwei Preisträger und zwei Anerkennungen aus. In der Kategorie Neubau gewann die Kultur- und Sporthalle Alfter, deren öffentlich begeh- und bespielbares Holzdach Architektur und Nutzung verbindet. In der Kategorie Bauen im Bestand wurde das Projekt Energiesprong SW49–53 in Köln, ein Mehrfamilienwohngebäude aus den 1970er-Jahren, das seriell saniert wurde, ausgezeichnet. Anerkennungen erhielten das Eingangs- und Ausstellungsgebäude des LWL-Museums in Detmold sowie der Neubau der Gesamtschule Fitzmauricestraße in Köln.
„Holz steht längst nicht mehr für Einschränkung, sondern für gestalterische Freiheit“, erklärte Dagmar Grote, Juryvorsitzende und Vizepräsidentin der Architektenkammer NRW. Die ausgezeichneten Projekte belegten, dass architektonische Qualität und nachhaltiges Bauen einander stärken können.