Lückenbebauung nach Wiener Art

Ein Artikel von Kathrin Lanz | 27.04.2020 - 11:12
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Bauingenieur und Holzbau-Meister Felix Mach © Mach Holzbau

„Die mehrgeschossige Lückenbebauung in Wien ist eine Domäne, die bisher stark vom Stahlbetonbau dominiert wird. Wir denken aber, dass der Holzbau gerade hier viele seiner Vorteile ins Spiel bringen kann“, erklärt Felix Mach in Hinblick auf die aktuelle Wiener Baustelle. Der 30-Jährige ist Bauingenieur, Holzbau-Meister und ältester Sohn von Karl Mach, der einen 50-Mann-Holzbaubetrieb in Wien führt. Der zweitälteste Sohn Maximilian ist ebenfalls schon im Unternehmen tätig. Die beiden jüngeren Brüder studieren noch. „Unser Großvater hat vor 65 Jahren mit drei, vier Leuten begonnen“, kommentiert Felix Mach die Entstehungsgeschichte. Mit der Übernahme durch seinen Vater, Karl Mach, konzentrierte man sich zunehmend auf öffentliche Auftraggeber und sieht seit jeher großes Potenzial in der „intelligenten Verdichtung“ im urbanen Bereich. Der Fokus liegt auf Aufstockungen und Dachsanierungen als Generalunternehmer. In diesem Bereich greift man auf eine große Expertise zurück. Nicht nur die Dachsanierung des Hugo-Breitner-Hofs, eines der größten Gemeindebauten Wiens, auch jene des berühmten Karl Marx Hofs stehen auf der Referenzliste des Penzinger Holzbauunternehmens. Warum also nicht den eigenen Bürostandort in der Linzer Straße verdichten? Gesagt, getan.

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Dieser Wiener Wohnbau mit integrierten Büroräumlichkeiten steht als Vorbild für Urbane Verdichtung. © Mach Holzbau

Die beengten Platzverhältnisse und die Logistik waren durchaus Herausforderungen.


Bauingenieur und Holzbau-Meister Felix Mach

Energiekonzept als wesentlicher Bestandteil

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© Mach Holzbau

Seit etwa 15 Jahren war das Grundstück im Familienbesitz. Anfangs befand sich auch die Werkstatt in Wien, später wurden Fertigung und Lager ins niederösterreichische Bad Vöslau ausgelagert. Der Bau mit der Hausnummer 359 war in die Jahre gekommen und bedurfte einer Sanierung. Die Lösung ging aber weit über eine reine Revitalisierung hinaus: vom ganzheitlichen Energiekonzept bis zur Bauweise. Zehn Bohrungen mit je 130 m Tiefe waren für die Installation der Wärmepumpe notwendig. „Diese Energieversorgung zieht natürlich sehr niedrige Betriebskosten nach sich“, bemerkt Felix Mach, der das Vorhaben als Projektleiter von Beginn an begleitete. „Die beengten Platzverhältnisse und die Logistik waren durchaus Herausforderungen“, erinnert sich Mach an Anliefersituationen, wo sich der Kranfahrer mit den Straßenbahnoberleitungen arrangieren musste. „Wichtig waren eine präzise Planung und Koordination des Bauablaufs.“ Mach Holzbau trat als Generalplaner auf. Der Projektleiter nahm das Aufmaß selbst. Die Montage startete im Januar 2019.

Vier Geschosse mit 20 Mietwohnungen

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Holz wohin das Auge reicht - auch der Liftschacht ist aus Holz. © Mach Holzbau

Der Bestand musste komplett weichen. Im neu errichteten mineralischen Untergeschoss, das aufgrund einer relativ starken Hanglage hofseitig aus dem Erdreich ragt, finden sich die Büroräumlichkeiten von Mach Holzbau und ein durch die Einfahrt räumlich getrenntes Yogastudio. Darüber verteilen sich 20 tendenziell eher kleinere Mietwohnungen zwischen 30 und 70 m2 auf vier Geschosse. Damit handelt es sich um ein Objekt der Gebäudeklasse IV. „In dieser Klasse war es gar kein Problem, Stiegenhaus und Aufzug in Brettsperrholz zu errichten. Wir mussten nichtbrennbar beplanken, ansonsten gibt es aber laut OIB keine weiteren Einschränkungen“, weiß der 30-Jährige. In allen Wohnungen sind die Decken in Sichtqualität ausgeführt. An den Wohnungstrennwänden (regulär 10 cm BSP, 14 cm bei Deckenstößen) finden sich frei stehende Vorsatzschalen, holzfasergedämmt und mit Gipskarton beplankt. An den Außenwänden kam aus Brandschutzgründen Steinwolle als Dämmmaterial zur Anwendung. Innen findet sich Lehmputz, die Fassade schmückt sich sowohl mit unterschiedlichen Eternit-Platten, als auch einer Holzlattung.

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Auch der Erschließungskern ist in Brettsperrholz gefertigt. © Mach Holzbau

Als Inspiration für Folgeprojekte

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Die Fassade verrät nur zum Teil den wahren Charakter des Wiener Wohnbaus – neben Holz kamen an der Außenhaut Eternit-Platten zum Einsatz. © Mach Holzbau

„Da es sich um eine geschlossene Bebauung handelte, mussten die Feuermauern nichtbrennbar ausgeführt werden“, berichtet der Projektleiter. Deshalb sind diese betoniert. „Das war eigentlich die einzige Einschränkung.“ Ansonsten gestaltete sich der Bauablauf wie geplant. Im Mai dieses Jahres möchte man mit der Vermietung beginnen, so lautet der Plan im März, sollte sich durch die Coronakrise nicht eine Verzögerung ergeben. „Wir sind stolz auf das Projekt und hoffen, dass es als Anstoß genommen wird, vermehrt nach diesem Prinzip zu bauen.“ Das Interesse von Architekten und Investoren sei groß. „Es ist möglich, auch in Wien einen Massivholzbau in eine Lücke zu stellen.“ Mach Holzbau beweist es.

Projektdaten

Ort: Wien
Fertigstellung: Sommer 2020
Holzbau und Planung: Mach Holzbau
Systemlieferant: Binderholz
Holzmenge: 600 m3
Nutzfläche: 1100 m2 (Wohnungen), 250 m2 (Bürogeschoss)