Bauherrenpreis: Zwei Holzbauten unter Siegern

Ein Artikel von Birgit Gruber | 20.10.2021 - 11:00

Die diesjährigen Einreichungen reichten von Wohn-, Büro- und Bildungsbauten bis hin zu Wissenschafts- und Kulturinstitutionen sowie gemeinnützigen Einrichtungen und vielem mehr. Aus 152 Einreichungen und 24 Nominierungen ermittelte die Hauptjury, bestehend aus Peter Riepl (Architekt, Linz), Roger Riewe (Architekt, Graz) und Angelika Schnell (Professorin Architekturtheorie und Architekturgeschichte, Wien), die sechs Preisträger des ZV-Bauherrenpreises 2021. Um die Einreichungen und deren Genese beurteilen zu können, werden alljährlich alle Projekte im jeweiligen Bundesland von einer Nominierungsjury besichtigt. Die nominierten Projekte werden im Rahmen einer österreichweiten Reise durch die Hauptjuroren nochmals besucht, um die Preisträger zu ermitteln. Der Bauherrenpreis der Zentralvereinigung der ArchitektInnen würdigt herausragende Bauten, Freiraumgestaltungen sowie städtebauliche Lösungen der letzten drei Jahre, die sich besonders durch die intensive Zusammenarbeit zwischen BauherrInnen und ArchitektInnen auszeichnen. Ein Großteil der rund 300 bisher ausgezeichneten Bauten ist zu einem fixen Bestandteil des Kanons der österreichischen Architekturgeschichte der jüngeren Vergangenheit geworden. Zum Standard gehört es mittlerweile auch, dass zahlreiche Holzbauten zu den Einreichungen zählen. In diesem Jahr finden sich zwei mit Holz errichtete Projekte unter den Preisträgern.

Glücklicherweise – und das soll hier unterstrichen werden – sind österreichische BauherrInnen und ArchitektInnen gegenüber nostalgischer Vereinnahmung anscheinend resistent. Damit es so bleibt, ist der Bauherrenpreis eine gute Gelegenheit, Jahr für Jahr den Blick auf das Baugeschehen in Österreich und darüber hinaus zu schärfen. Und nicht nur den Status quo zu würdigen, sondern auch die Themen der Gegenwart und Zukunft immer wieder ein wenig weiter anzustoßen.

Angelika Schnell, Auszug aus dem Resümee der Hauptjury

Auferstehungskapelle Straß

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© Albrecht Schnabel

Standort: Straß im Attergau
Bauherr: Kapellenverein Straß 
Architektur: LP architektur 
Tragwerksplanung: tragwerkspartner zt gmbh
Fertigstellung: 08/2020

Mitten im Ortszentrum von Straß im Attergau ist in den letzten Jahren ein besonderer Holzbau entstanden. An der Abschlusskante einer alten Schottergrube steht nun die Auferstehungskapelle. Sie wurde von sechs Familien, die sich zu einem Verein zusammengetan haben, mit vielen Eigenmitteln und -leistungen erbaut. Das Betonfundament sitzt auf den Ausläufern eines Hügles, das Gebäude fügt sich perfekt in die Umgebung ein. Straßenseitig wächst die Wiese fast bis zu den Mauern. Im Eingangsbereich öffnet sich ein aufgerissener Konglomeratfelsen und stellt sich schützend gegen die Wetterseite. Die Fassade besteht aus unbehandeltem Tannenholz. Der geduckte Eingansbereich führt in den hohen, mit Fichtenholz ausgekleideten Innenraum. Er schließt Ablenkungen von draußen aus. Der Altar befindet sich in der Mitte der Längsseite. Die Fenster lenken den Blick nach oben. Dort bricht sich das Licht wie in einem Kristall. Massive Bänke aus fingergezinktem Tannenholz auf einem gebürsteten Schiffboden der gleichen Holzart sind flexibel arrangierbar, sodass eine vielseitige Nutzung des Kapellenraumes möglich ist.

VinziDorf Wien

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© VinziDorf

Standort: Boërgasse 7, 1120 Wien
Bauherr: Verein Vinzenzgemeinschaft Eggenberg
Architektur: gaupenraub +/–
Statik: werkraum ingenieure 
Holzbau: Holzbau Ruesch und HTL Mödling
Fertigstellung: 2019

Maßgeblich für den Erfolg des Bauprojekts war nicht nur die Beharrlichkeit des kirchlichen Bauherrn, des Vereins Vinzenzgemeinschaft Eggenberg, der seit 2002 für das Projekt gekämpft hat, sondern auch die Belastbarkeit des Architekturbüros gaupenraub +/-, das für immer neue Situationen Entwürfe vorlegte, und am Ende doch keinen gestalterischen Kompromiss einging. Und das, obwohl das VinziDorf mit äußerst geringen finanziellen Mitteln auskommen muss. Ein großer Teil besteht aus privaten Spenden, oder aus ehrenamtlichen Arbeitsstunden von zum Beispiel Schülern und Schülerinnen der HTL Mödling, die die Holzständerkonstruktionen der Wohnmodule errichtet haben. Die eingesetzten Materialien sowohl für den Umbau des Haupthauses, als auch für die Häuser sind alle sehr kostengünstig. Das „Dorf“, also die sieben Minihäuser mit jeweils zwei Wohneinheiten, wird als dicht gedrängtes Ensemble an den Rand des Grundstückes geschoben. Dadurch kann sich der große Garten mit den wilden Blumen und den alten Bäumen in seiner ganzen Schönheit entfalten.

Quelle: art:phalanx Agentur für Kultur und Urbanität