Wer das neue Hauptquartier von Dymak in Odense betritt, merkt schnell, dass mit Sicherheit darüber nachgedacht wurde, wie Menschen arbeiten wollen. Der Blick öffnet sich in einen begrünten Innenhof, Holz prägt Wände, Decken und Tragwerk, Tageslicht fällt tief in die Räume. Der dänische Hersteller von Garten- und Hausprodukten hat sich von der Bjarke Ingels Group ein Gebäude entwerfen lassen, das seinem Leitgedanken entspricht: „A Good Day at Work“. Das Hauptquartier ist gleichzeitig eine lebensgroße Demonstration jener Materialien, mit denen Dymak arbeitet. Holz, Lehm, Kork, Seegras und Decken aus recycelten Papierfasern prägen die Arbeitsumgebung. Mitarbeiter und Besucher erleben die Materialien nicht nur als Muster oder Produkt, sondern im Maßstab von Räumen und Arbeitsbereichen. Das Gebäude ist damit nicht nur Firmensitz, sondern gewissermaßen auch ein begehbarer Produktkatalog.
Auf rund 2800 m² entstand ein kreisförmiger Baukörper, der konstruktiv wesentlich vom Holz geprägt ist. Brettschichtholz, Brettsperrholz und Dachkassetten aus Holz bilden gemeinsam mit stabilisierenden Betonbauteilen das Tragwerk. Die Holzkonstruktion verschwindet nicht hinter Verkleidungen. Sie bleibt sichtbar, prägt die Räume und gibt dem Gebäude seinen Charakter.
44 Rahmen für einen Kreis
Offene Arbeitsbereiche, Besprechungsräume und Lounges verteilen sich im Gebäude. Blickbeziehungen zum Innenhof verbinden die unterschiedlichen Bereiche. © Rasmus Hjortshøj
BIG entwickelte 44 radial angeordnete, tragende Rahmen aus Brettsperrholz. Sie folgen der Kreisgeometrie des Grundrisses und erzeugen eine Wirkung, die weit über das rein Konstruktive hinausgeht. An der Fassade rahmen sie die großflächigen Verglasungen, im Inneren gliedern sie die Arbeitsbereiche. Holz trägt, ordnet den Raum und schafft eine warme Atmosphäre, die unmittelbar erfahrbar ist. Bjarke Ingels beschreibt den Grundgedanken so: „Verbaute Materialien wie Holz, Tonziegel, Lehmmörtel und Seegras senken die grauen Emissionen des Gebäudes und schaffen zugleich eine warme, organische Atmosphäre.“ Nachhaltigkeit und Behaglichkeit sind hier kein Widerspruch. Die Materialwahl verbindet beide Aspekte.
Im Zentrum des Gebäudes liegt der Innenhof. Er ist ein wesentlicher Bestandteil des Raumkonzepts, denn dort bringen Bäume, Gräser und Kräuter ein Stück Natur in die Mitte des Hauses. Die Vegetation verändert sich mit den Jahreszeiten und ist von den verschiedenen Ebenen des Hauses aus sichtbar. Breite Sitzstufen laden zum Verweilen ein. „Der Innenhof dient als gemeinsamer Treffpunkt für Mitarbeiter und Besucher“, sagt Ulla Hornsyld, Landschaftsarchitektin bei BIG.
Gesundheit als Bauaufgabe
Holz, Lehm, Kork und Seegras prägen die Innenräume. Die natürlichen Materialien sollen für eine angenehme Arbeitsatmosphäre sorgen. © Rasmus Hjortshøj
Der Neubau wurde mit DGNB Gold, DGNB Heart und DGNB Diamond ausgezeichnet. Besonders das DGNB-Heart-Zertifikat verdient Aufmerksamkeit, denn es rückt den Menschen im Gebäude in den Mittelpunkt. Bewertet werden Luftqualität, Akustik, thermischer und visueller Komfort sowie die architektonische Qualität. Das sind genau jene Faktoren, die darüber entscheiden, ob man sich an einem Arbeitsplatz wohlfühlt oder nicht. Beim neuen Dymak Hauptsitz wurden sie von Beginn an in der Gebäudeform, der Fassade und der Materialwahl mitgedacht.
Licht, Schatten und ein besonderes Dach
Über einen zweigeschoßigen Eingangsbereich gelangt man in das Gebäude. Von hier öffnet sich der Blick unmittelbar zum zentralen Innenhof. © Rasmus Hjortshøj
Auch die Fassade reagiert auf die jeweilige Himmelsrichtung. Das Raster aus Holz und Glas wird durch vertikale Lamellen und außenliegenden Sonnenschutz ergänzt. Nach Süden wird die Struktur dichter, um starke Sonneneinstrahlung zu vermeiden. Nach Norden öffnet sie sich stärker und gibt den Blick in die Landschaft frei. So gelangt viel Tageslicht in die Arbeitsbereiche, ohne dass die Räume im Sommer unnötig aufgeheizt werden.
Das Dach fügt dem Gebäude eine weitere Ebene hinzu. Es steigt nach Norden an und fällt nach Süden ab. Daraus entsteht die wellenförmige Silhouette, die dem Bau seine markante Erscheinung gibt. Ingels beschreibt die Form als Anspielung auf ein Möbiusband: „Sie sieht nicht nur einzigartig aus, sie funktioniert auch einzigartig.“ Tatsächlich übernimmt das Dach mehrere Aufgaben gleichzeitig: Es unterstützt den Sonnenschutz, trägt zum Schutz vor dem Lärm der benachbarten Verkehrsachse bei und erzeugt über rund 880 individuell geformte Photovoltaikmodule Energie.
Materialien, die man spürt
Die von BIG gestaltete Landschaft bindet Zufahrt und Parkplätze in eine naturnahe Umgebung ein. Offene Rinnen und bepflanzte Mulden dienen zugleich dem Regenwassermanagement. © Rasmus Hjortshøj
Im Innenraum setzt sich fort, was außen bereits Form angenommen hat. Lehm, Kork, Seegras und Holz bestimmen ebenfalls die Oberflächen. Dazu kommen Ziegelböden, die vom Innenraum bis in den Hof führen und dort die Kreisform des Gebäudes aufnehmen. Decken aus recycelten Papierfasern und PET-Filz ergänzen die Materialpalette. Die unterschiedlichen Oberflächen machen die Räume unmittelbar erfahrbar. Holz wirkt warm, Lehm und Kork bringen eine eigene Haptik mit, die Ziegel verbinden Innen- und Außenraum. Die Materialwahl prägt damit wesentlich die Atmosphäre des Büros.
Im Erdgeschoß befinden sich Showroom, Fotostudio und Fitnessbereiche. In den oberen Geschoßen wechseln offene Arbeitsbereiche mit Besprechungsräumen und Lounges. Sichtbeziehungen erleichtern Begegnungen, unterschiedliche Raumangebote ermöglichen gleichzeitig Rückzug. Das Dymak Bürogebäude zeigt damit, wohin eine konsequente Holzbauplanung führen kann, wenn Nachhaltigkeit nicht bloß auf Energieverbrauch und CO2 reduziert wird. Konstruktion, Material, Licht, Klima und Freiraum greifen beim Projekt ineinander und genau darin liegt seine Qualität.
Projektdaten
Standort: Odense
Bauherr: Dymak
Fertigstellung: 2026
Architektur: Bjarke Ingels Group
Generalunternehmer / Holzbau: CJ Group
Tragwerksplanung und Bauphysik: OBH Gruppen (OBH Rådgivende Ingeniører)
Tragwerksplanung / Beratung: Henry Jensen A/S
Nachhaltige Energiesysteme und technische Gebäudeplanung: ZERO Engineering
Bruttogeschoßfläche: 2800 m²