Der Baubeginn erfolgte Anfang April 2026, bereits im September war das Gebäude fertiggestellt. Innerhalb von nur rund fünf Monaten entstand ein individuell geplanter Holzbau mit mehreren unterschiedlich proportionierten Baukörpern, geschützten Außenräumen und einer markanten, dunkel gehaltenen Fassade.
Weiterbauen statt neu beginnen
Für die architektonische Planung war Franz Seebacher vom Architekturbüro HPSA verantwortlich, der bereits den Hauptteil der Ordination sowie die Erweiterung aus dem Jahr 2018 entworfen hat. Die holzbauliche Ausführung erfolgte unter der Leitung von Holzbau-Meister Robin Luidold, RHO-Holzbau. Durch das Zusammenspiel einer durchgängigen Planung und einer präzisen handwerklichen Umsetzung entstand kein isolierter Neubau, sondern ein zusammenhängendes architektonisches Ensemble.
Die einzelnen Bauphasen bleiben bewusst ablesbar und fügen sich dennoch funktional und gestalterisch zu einem Ganzen. So wird das bestehende Gebäude nicht überformt, sondern konsequent weiterentwickelt.
Der neue Zubau setzt sich aus einem markanten zweigeschoßigen Baukörper mit Satteldach und einem niedrigeren, eingeschoßigen Trakt zusammen. Dazwischen befinden sich geschützte Übergänge, kleine Höfe und differenzierte Außenbereiche. Eine tief eingeschnittene Loggia verleiht der Giebelfassade räumliche Tiefe. Vertikale Holzlamellen filtern das Licht, schaffen Privatsphäre und führen die Gliederung der Fassade konsequent weiter.
Die Architektur nimmt Bezug auf die regionale Baukultur, ohne traditionelle Formen lediglich zu kopieren. Satteldächer, Holz und klar gegliederte Baukörper werden zeitgemäß interpretiert. Vor der Kulisse des Dachsteins entwickelt das Gebäude dadurch eine eigenständige Präsenz, bleibt aber fest in der Landschaft und im Ort verankert.
Außen dunkel, innen hell
Nach außen zeigt sich der Zubau mit einer dunklen, vertikal gegliederten Holzfassade. Helle Metallkanten, Dachabschlüsse und horizontale Bänder zeichnen die Konturen der Baukörper präzise nach. Der Kontrast unterstreicht die klare Geometrie der Architektur und verleiht dem Gebäude eine ruhige, kraftvolle Ausstrahlung.
Im Inneren kehrt sich die Materialwirkung bewusst um. Helle, sichtbar belassene Holzoberflächen an Wänden und Decken bestimmen die Atmosphäre. Die natürliche Maserung, Äste und feinen Farbunterschiede bleiben erkennbar. Das Material wird nicht hinter zusätzlichen Verkleidungen verborgen, sondern bildet selbst die fertige Oberfläche.
Schwarze, geradlinige Leuchten setzen dazu einen präzisen, modernen Kontrapunkt. Auch die dunklen Fensterrahmen heben sich deutlich vom hellen Holz ab und fassen die Ausblicke in die alpine Landschaft wie Bilder.
So entsteht eine Innenarchitektur, die professionell und zeitgemäß wirkt, ohne kühl oder anonym zu erscheinen. Gerade in einem medizinischen Umfeld verhindert das Holz, dass die Räume einen sterilen Charakter entwickeln.
Raumklima als Teil der Versorgung
Das gute Raumklima war ein wesentliches Argument für die Holzbauweise. Die großflächigen Holzoberflächen verleihen den Räumen eine ruhige und ausgeglichene Wirkung. Die natürliche Materialität schafft Behaglichkeit und trägt dazu bei, dass sich Patientinnen, Patienten und Mitarbeitende gleichermaßen wohlfühlen.
Gerade in einer Praxis besitzt die Atmosphäre der Räume eine besondere Bedeutung. Viele Menschen betreten eine Ordination mit Beschwerden, Sorgen oder Anspannung. Architektur kann diese Situation nicht lösen, sie kann jedoch dazu beitragen, dass man sich willkommen, sicher und gut aufgehoben fühlt.
Für das Praxisteam entsteht zugleich ein hochwertiges Arbeitsumfeld. Angenehme Proportionen, klare Wege, natürliche Oberflächen und gezielte Ausblicke unterstützen Konzentration und Zusammenarbeit im anspruchsvollen Praxisalltag.
Damit wird die Materialwahl Teil der medizinischen Haltung. Die Erweiterung dient ausdrücklich nicht dem Ziel, möglichst viele zusätzliche Patientinnen und Patienten zu gewinnen. Im Vordergrund stehen eine qualitative Verbesserung der bestehenden Versorgung, optimierte Abläufe, eine zeitgemäße Infrastruktur und mehr Zeitqualität im Behandlungsprozess.
Präziser Holzbau in nur fünf Monaten
Ein besonders überzeugender Aspekt des Projekts ist der schnelle Baufortschritt. Zwischen dem Baubeginn Anfang April und der Fertigstellung Anfang September 2026 lagen lediglich rund fünf Monate. Für die Erweiterung einer laufenden Ordination ist diese kurze Bauphase von großer Bedeutung.
Baulärm, Staub und organisatorische Einschränkungen lassen sich bei einem Zubau nicht vollständig vermeiden. Durch den hohen Vorfertigungsgrad des Holzbaus können die Arbeiten auf der Baustelle jedoch klar strukturiert und zügig durchgeführt werden.
Die sorgfältige Vorbereitung und präzise Umsetzung durch Holzbau-Meister Robin Luidold ermöglichten es, die einzelnen Bauteile passgenau zusammenzufügen. Bereits nach kurzer Zeit waren die Baukörper und ihre räumliche Wirkung deutlich erkennbar.
Die hohe Geschwindigkeit führt dabei keineswegs zu einer beliebigen Standardlösung. Unterschiedliche Gebäudehöhen, Loggien, Lamellen, geschützte Zwischenräume und sorgfältig gesetzte Fensteröffnungen zeigen, dass sich auch eine eigenständige und handwerklich anspruchsvolle Architektur innerhalb einer kurzen Bauzeit verwirklichen lässt.
Oberflächen, die sichtbar bleiben dürfen
Eine besondere Qualität des Zubaus liegt in den sichtbar belassenen Holzoberflächen. Sie werden nicht als bloße Verkleidung verstanden, sondern als wesentlicher Bestandteil der Architektur. Maserung, Astbild und natürliche Farbunterschiede machen das Material unmittelbar erlebbar.
Die sorgfältige Ausführung ist dabei entscheidend. Gerade bei sichtbaren Oberflächen bleibt jeder Anschluss, jede Fuge und jeder Übergang wahrnehmbar. Architektur und Handwerk lassen sich nicht voneinander trennen. Die Präzision des Holzbaus wird Teil der räumlichen Wirkung.
Gleichzeitig bildet das natürliche Holz einen wohltuenden Gegenpol zu den technischen und hygienischen Anforderungen des Praxisbetriebs. Es verleiht den Räumen Wärme, ohne ihre funktionale Klarheit zu beeinträchtigen.
Die Fassade als Bild des menschlichen Alterns
Eine besondere Bedeutung erhält das Projekt durch das Zusammenspiel der bestehenden und der neuen Holzfassade. Der ältere Gebäudeteil hat sich unter dem Einfluss von Sonne, Regen, Schnee und Temperaturwechseln bereits sichtbar verändert. Seine Oberfläche ist heller und lebendiger geworden und trägt eine natürliche Patina.
Der neue Zubau erscheint dagegen zunächst dunkel, ruhig und beinahe makellos. Dieser Unterschied wird nicht verborgen, sondern bewusst gezeigt. Bestand und Erweiterung stehen nebeneinander wie unterschiedliche Lebensphasen: deutlich unterscheidbar und doch selbstverständlich miteinander verbunden.
Die Fassade soll nicht dauerhaft jung und unverändert bleiben. Sie darf altern, sich verändern und ihre Geschichte sichtbar tragen. Gerade darin liegt ihre besondere Schönheit. Mit jedem Jahr gewinnt das Holz an Charakter und Individualität.
Diese Idee spiegelt zugleich das Menschenbild der Praxis wider. Altern wird nicht als Makel oder als bloßer Verlust verstanden, sondern als natürlicher Teil des Lebens. Gesundheit bedeutet nicht, jede Spur der Zeit zu beseitigen. Es geht vielmehr darum, Menschen in allen Lebensphasen zu begleiten, ihre Selbstständigkeit zu erhalten und ein möglichst gutes Leben zu ermöglichen.
Das Gebäude gewinnt somit nicht trotz seiner Alterung an Wert, sondern gerade durch sie. Seine Oberfläche erzählt mit jedem Jahr mehr über Zeit, Witterung und Nutzung. Architektur wird hier nicht als unveränderliches Bild verstanden, sondern als lebendiger Prozess.
Räume für eine zukünftige Gesundheitsversorgung
Der Zubau schafft auch die räumlichen Voraussetzungen für neue medizinische Angebote. Ein eigener Bereich für telemedizinische Konsile soll es ermöglichen, Fachärztinnen und Fachärzte digital direkt in die Ordination einzubinden. Dadurch können lange Wege und belastende Fahrten für Menschen in der Region reduziert werden.
Zugleich stärkt die Erweiterung die Funktion der Ordination als Ausbildungsstandort. Bislang wurden dort bereits elf Ärztinnen zu Allgemeinmedizinerinnen ausgebildet. Eine zusätzliche Wohnmöglichkeit für Turnusärztinnen und -ärzte soll dazu beitragen, medizinischen Nachwuchs für die Region zu gewinnen und langfristig zu halten.
So verbindet das Projekt die Möglichkeiten des modernen Holzbaus mit einer klaren gesellschaftlichen Aufgabe. Der Zubau schafft nicht nur zusätzliche Fläche, sondern Räume für Zusammenarbeit, Innovation und eine wohnortnahe medizinische Versorgung.
Seine besondere Qualität liegt im Zusammenspiel von Architektur, Handwerk, Atmosphäre und Haltung. Die Planung von Franz Seebacher und die holzbauliche Umsetzung durch Robin Luidold machen sichtbar, wie moderne Gesundheitsarchitektur in einer alpinen Region aussehen kann: präzise gebaut, fest im Ort verwurzelt und bereit, gemeinsam mit den Menschen würdevoll zu altern.