Ressourcenschonend Bauen mit Holz

Ein Artikel von Raphael Zeman | 18.08.2026 - 09:58

Das neue Ausbildungszentrum von TRUMPF wurde vom Berliner Architekturbüro Barkow Leibinger geplant und Anfang 2024 am Ditzinger Firmencampus fertiggestellt. Die neue Lernwerkstatt fungiert auch als soziales Zentrum für die Mitarbeitenden und umfasst dabei Schulungs-, Besprechungs- und Sozialräume sowie Werkstätten und Maschinenhallen für den Unterricht. Bis zu 100 Nachwuchskräfte werden hier in die gesamte Prozesskette des Hochtechnologieunternehmens eingeführt und erlenen die Grundlagen des Werkzeugmaschinenbaus.

Ausgangspunkt Sechseck

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© Simon Menges & Nino Tugushi

Die Figur des Sechsecks zieht sich durch das gesamte Gebäude, von der Grundrissform über das zentrale Atrium bis hin zu den darum angeordneten sechs Raummodulen. Im Auge der Dachkonstruktion sitzt – wie könnte es anders sein – ein ebenfalls hexagonales Oberlicht, das durch eine kristallin geformte, textile Diffusorkonstruktion das einfallende Tageslicht filtert. Die sechs Raummodule in Form von Waben sind je nach Nutzung mit unterschiedlichen Raumhöhen versehen: Während Lehrräume und Empfangsbereich eingeschoßig gehalten sind, verfügen die Werkstätten über die doppelte Raumhöhe.

Das Foyer dient als zentrale Verteilerzone und Ausstellungsfläche. Im Obergeschoß sind großzügige und flexibel nutzbare, miteinander vernetzte Seminarräume verortet, die sich durch Vorhänge in einzelne Zonen mit unterschiedlichen Nutzungsszenarien trennen lassen. Darüber hinaus gibt es Schulungsräume – darunter einen Bandproberaum –, die von den Auszubildenden selbst mitgestaltet wurden. Die Umkleideräume für die Auszubildenden sind im Untergeschoß positioniert. Hier gibt es auch einen Zugang zum unterirdischen Tunnelsystem des Campus, das eine witterungsgeschützte Verbindung zu den Büros und Produktionsflächen bildet.

Viel naturbelassenes Holz

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© Simon Menges, Nino Tugushi

Die Stützen, Unterzüge und Dachträger bestehen aus Brettschichtholz, die Außenwände wurden in Holztafelbauweise und teilweise als Fachwerkkonstruktion ausgeführt. Die Zwischendecken in den zweigeschoßigen Waben wurden als Holz-Beton-Verbundkonstruktion realisiert, die Tribünenkonstruktion im Auditorium besteht aus Brettsperrholzelementen. Alle Holzbauteile wurden vom ausführenden Unternehmen Holzbau Amann aus Weilheim-Bannholz vorgefertigt und in kurzer Zeit vor Ort montiert.

Besonderes Augenmerk galt der Dachkonstruktion und den Dachträgern, die radial auf das zentrale Oberlicht zulaufen. Sie lagern auf den Außenwänden und den Innenstützen auf und kragen bis zum Oberlicht weit ins Auditorium hinein. Die Innenstützen, die kranzförmig um das Auditorium gestellt wurden, dienen als Drehpunkt für die unterschiedlichen Winkel, die durch das Auffächern der Balkenkonstruktion entstehen. Das Oberlicht versorgt den Raum nicht nur mit natürlichem Licht, sondern diente während der Bauphase auch als zentraler Kranstandort.

Großzügige Öffnungen sorgen für Tageslicht

Die sechs Stirnseiten der Fassade wurden als große, vollverglaste Schaufenster konzipiert. Zwischen ihnen liegen V-förmige Wandscheiben, auf denen das Holzdach aus strahlenförmig angeordneten Holzträgern aufliegt. In den Bereichen der doppelgeschoßigen Werkstätten löst sich die tragende Konstruktion in ein Holzfachwerk auf, wodurch noch mehr Tageslicht ins Innere strömt. Zusätzliche Leichtigkeit geht von transluzenten Profilgläsern aus, die vor den Wandscheiben liegen. Die großformatigen Verglasungen stellen die Verbindung zum umliegenden Campus her. Der außenliegende Pausenbereich ist mit dem terrassierten Garten verbunden und teilweise überdacht. So können hier neben Pausen auch Lehr- und Arbeitsaktivitäten ins Außen verlegt werden.

Auf dem Gründach erzeugt eine Photovoltaikanlage rund 40% des Strombedarfs des Ausbildungszentrums, zudem dient das Dach als Regenwasserspeicher. Für den Neubau wurde die vorher als Parkplatz genutzte und asphaltierte Fläche entsiegelt und landschaftlich in die mit hohen Gräsern bewachsene Parkanlage integriert. Durch einen verkleinerten Keller, der nur die notwendigsten Nutzungen aufnimmt, konnte der Aushub reduziert werden.

Projektdaten

Standort: Ditzingen / DE
Bauherr: TRUMPF
Bauzeit: 2022 bis 2024
Architektur: Barkow Leibinger
Tragwerksplanung: sbp schlaich bergermannpartner
Bauphysik: Horstmann + Berger
Holzbau: Holzbau Amann
Fläche: 3700 m²