„Die Koalition für Holzbau ist die Initiative für alle, die sein Potenzial erkannt haben oder bereit sind, es zu entdecken. Um sein volles Potenzial zu aktivieren, braucht es Praktiker und Planer, Innovatoren und Vordenker, die den Austausch mit klugen Köpfen suchen und die Zukunft des Bauens aktiv mitgestalten wollen.“ So definiert sich die Koalition für Holzbau auf ihrer Website.
Die „Ambassadeure“ (Botschafter) der Koalition setzen sich aus Experten aus Wissenschaft, Architektur, Planung und Projektentwicklung zusammen – mit dem gemeinsamen Ziel, rechtliche Klarheit zu schaffen, und Impulse für eine nachhaltige, wachstumsfähige Baukultur zu schaffen: „Mit Faktenpapieren, unserem starken Netzwerk, praxisnaher hoher Expertise und strategischem Austausch liefern wir Orientierung und sichern dem Holzbau seinen Platz im politischen und wirtschaftlichen Diskurs“, so die Vereinigung. Unterstützt wird die Koalition von zahlreichen Partnern aus Holzindustrie und -bau, der Vereinigung freischaffender Architekten Deutschland und Zulieferern aus der Branche.
Mitte März war die Koalition für Holzbau zu Gast in Wien. Das zweitägige Programm umfasste einen politischen Austausch über die Wiener Wohnungsbaupolitik, Besuche in der Seestadt Aspern, des Wohnprojekts Gleis 21, des Leopoldquartiers, des ELK Experience Centers und des Stadtentwicklungsgebietes Village im Dritten.
Im Folgenden die Statements einiger Teilnehmer:
Sun Jensch | Gründerin und Geschäftsführerin der Koalition für Holzbau
„In Wien zeigt sich, wie konsequente Wohnungspolitik, verlässliche Förderstrukturen und eine kluge strategische Steuerung dazu beitragen, langfristig bezahlbaren Wohnraum zu sichern. Besonders interessant ist dabei das Prinzip zweckgebundener Einnahmen, etwa über Instrumente wie die Wohnbausteuer.
Für Deutschland liegt hier ein wichtiger Impuls: Wenn Wohnungsbau verlässlich und kostengünstig funktionieren soll, braucht es stabile Rahmenbedingungen und verlässliche Finanzierungssysteme. Aus den Erfahrungen der Wien-Reise können wir lernen, wie innovative Bauweisen verankert und eine kontinuierliche Bauleistung strukturell abgesichert werden können.“
Lorenz Nagel | Geschäftsführer PRIMUS developments und Sprecher der Ambassadeure Koalition für Holzbau
„Die Wohnungsfrage ist eine der zentralen gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit. Holzbau und industrialisierte Bauweisen können einen wesentlichen Beitrag leisten, um schneller, nachhaltiger und wirtschaftlicher zu bauen. Dafür brauchen wir jedoch verlässliche Rahmenbedingungen und eine Politik, die diese Transformation aktiv unterstützt.
Wenn wir die Wohnungsfrage nicht lösen, wird sie zu einem der größten gesellschaftlichen Konfliktthemen der kommenden Jahre. Holzbau und serielle Bauweisen sind ein entscheidender Teil der Antwort – aber nur, wenn die Politik jetzt die richtigen Rahmenbedingungen schafft.
In Wien zeigt sich, wie mit Weitsicht und einem ganzheitlichen Konzept Wohnraum langfristig bezahlbar bleibt. Davon können wir viel lernen und nehmen die Impulse in unsere tägliche Arbeit mit. Die Reise hat zugleich verdeutlicht, wie wichtig der Austausch zwischen Politik, Immobilienwirtschaft, Planung und Wissenschaft ist. Genau diesen Dialog wollen wir mit der Koalition für Holzbau stärken.“
Elfriede Anna Moser | Sektionschefin für Forstwirtschaft und Regionen, Bundesministerium für Land- & Forstwirtschaft, Klima- & Umweltschutz, Regionen & Wasserwirtschaft
„Holz ist für Österreich ein strategischer Rohstoff mit hoher ökologischer, wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Bedeutung. Als sehr waldreiches Land setzen wir konsequent auf nachhaltige Waldbewirtschaftung und die stärkere Nutzung von Holz entlang der gesamten Wertschöpfungskette – vom Wald über innovative Anwendungen bis hin zum modernen Holzbau.
Der Holzbau verbindet Klimaschutz, regionale Wertschöpfung und Innovation. Mit gezielten Initiativen wie der österreichischen Holzinitiative, als zentralen Bestandteil des Waldfonds, stärken wir Governance, Innovation, Bildung, Kommunikation und den Holzbau. Besonders öffentliche Gebäude sollen eine Vorbildfunktion für klimafreundliches und energieeffizientes Bauen übernehmen.
Gleichzeitig ist klar: Die Weiterentwicklung des Holzbaus erfordert geeignete politische Rahmenbedingungen auf nationaler und europäischer Ebene. Deshalb engagieren wir uns auch international für eine stärkere Verankerung der forstbasierten Bioökonomie und für die nachhaltige Nutzung des bedeutendsten nachwachsenden Rohstoffs Europas.“
Eva Weiß | Geschäftsführerin der BUWOG Bauträger GmbH
„Nachhaltige Bauweisen setzen sich vor allem dann durch, wenn Bewertungsmaßstäbe entsprechend angepasst werden. Betrachtet man Gebäude über ihren gesamten Lebenszyklus – inklusive CO₂-Bilanz, Betriebskosten und Lieferketten – wird deutlich, dass Holzbau wirtschaftlich große Vorteile bieten kann, und zwar deutlich mehr als konventionell errichtete Gebäude.
Vergabeverfahren spielen dabei eine zentrale Rolle. Konzeptorientierte Ansätze ermöglichen es, Nachhaltigkeit, Qualität und Wirtschaftlichkeit zusammenzuführen. Aus deutscher Perspektive zeigt Wien, wie verlässliche Förderstrukturen Planungssicherheit schaffen und Innovationen im Wohnungsbau voranbringen können.“
Selma Arapović | Wiener Abgeordnete zum Wiener Landtag & Gemeinderat der Stadt Wien und baupolitische Sprecherin (NEOS)
„Nachhaltiges Bauen braucht klare und verlässliche Rahmenbedingungen. Für die Politik bedeutet das, im engen Austausch mit Praxis und Wissenschaft zu verstehen, wo bestehende Regelwerke Innovation behindern oder verzögern.
In Wien setzen wir verstärkt auf Kreislaufwirtschaft, Klimaschutz und Lebenszyklusbetrachtungen im Wohnungsbau. Instrumente wie Bauträgerwettbewerbe bieten dabei die Möglichkeit, Qualität, Nachhaltigkeit und Leistbarkeit zusammenzudenken. Der Holzbau verfügt über großes Potenzial, diese Ziele zu unterstützen. Umso wichtiger ist es, Planungs- und Baurecht so weiterzuentwickeln, dass nachhaltige Bauweisen als selbstverständlicher Bestandteil moderner Stadtentwicklung etabliert werden.“
Georg Prack | Abgeordneter zum Wiener Landtag & Gemeinderat der Stadt Wien und baupolitischer Sprecher der Grünen Wien
„Ein Großteil der neuen Wohnungen in Wien entsteht heute in der bestehenden Stadt – durch Nachverdichtung, Aufstockung und Umbau. Gerade hier liegt ein enormes Potenzial für den Holzbau, weil leichtere Bauweisen viele Projekte überhaupt erst möglich und wirtschaftlich machen.
Holzbau bedeutet zudem eine andere Logik des Bauens: Mehr Planung und Vorfertigung im Vorfeld, dafür schnellere und effizientere Abläufe in der Umsetzung. Damit diese Potenziale in der Breite genutzt werden können, müssen Bauverfahren und Normen stärker auf diese Bauweise ausgerichtet werden. Die öffentliche Hand hat dabei einen entscheidenden Hebel. Über die Wohnbauförderung können innovative Bauweisen wie der Holzbau Schritt für Schritt zum Standard entwickelt werden.“
Omar Al-Rawi |Wiener Abgeordneter zum Wiener Landtag & Gemeinderat der Stadt Wien und baupolitischer Sprecher (SPÖ)
„Wien verfolgt seit Jahrzehnten eine konsequente wohnungspolitische Strategie: Leistbarer Wohnraum ist eine zentrale öffentliche Aufgabe. Rund 60 Prozent der Wienerinnen und Wiener leben in Gemeindewohnungen oder geförderten Wohnungen. Dieses Modell steht für soziale Durchmischung, langfristige Stabilität und eine Stadtentwicklung, die sich am Gemeinwohl orientiert.
Die Stadt Wien hält selbst einen großen Wohnungsbestand und sorgt damit dafür, dass Wohnraum dauerhaft leistbar bleibt und dem Markt immer wieder zur Verfügung steht. Unser Ziel ist es, hohe Wohnqualität mit sozialer Sicherheit zu verbinden. Innovative Bauweisen können dazu beitragen, diese Ziele auch künftig zu unterstützen. Dazu zählt aus unserer Sicht auch der verstärkte Einsatz nachhaltiger Materialien wie Holz.“
Quelle: Koalition für Holzbau