Zum Auftakt der Veranstaltung zeichnete Immobilienökonom Dr. Hanspeter Gondring ein ernüchterndes Bild der Bau- und Immobilienbranche. Steigende Baukosten, hohe Zinsen und eine schwache Nachfrage nach Wohneigentum belasteten den Markt, während gleichzeitig Millionen bezahlbarer Wohnungen fehlten. Als Ursachen für die hohen Baukosten nannte er neben Material- und Energiekosten vor allem die Vielzahl an Vorschriften, eine unzureichende Digitalisierung sowie Defizite in der praxisorientierten Ausbildung.
Wie sich der Holzbau neu aufstellen muss, zeigte Roland Sitzberger anhand der traditionellen Wertschöpfungskette. Kleine, stark spezialisierte Strukturen und das weit verbreitete „Silodenken“ erschwerten Innovationen und effiziente Prozesse. Gerade im mehrgeschoßigen Wohnbau seien neue Formen der Zusammenarbeit gefragt.
Einen möglichen Lösungsansatz präsentierte Gropyus. Das Unternehmen setzt auf eine vollständig digitalisierte Wertschöpfungskette – von der Planung über die Fertigung bis zur Montage. In der hochautomatisierten Fertigung entstehen standardisierte Holzbauelemente, die individuell kombiniert werden können. Ziel ist es, Baukosten zu senken, Fehler zu minimieren und den Holzbau wirtschaftlicher zu machen. Besonders beeindruckend war die Vorstellung der Smart Factory mit ihrer rund 750 m langen Produktionslinie und 60 Robotern.
Ein weiteres zentrales Thema war die Vereinfachung des Bauens. Architekt Holger König stellte Erkenntnisse aus dem Forschungsprojekt von Florian Nagler sowie den Gebäudetyp E vor. Weniger technische Komplexität, einfache Konstruktionen und ein stärkerer Fokus auf die graue Energie könnten einen wichtigen Beitrag zu kostengünstigem und klimafreundlichem Bauen leisten.
Großen Raum nahm zudem die Kreislaufwirtschaft ein. Fachvorträge zeigten, dass die Wiederverwendung von Gebrauchtholz und Bauteilen technisch möglich ist, jedoch funktionierende Rückbau-, Logistik- und Aufbereitungskonzepte voraussetzt. Gleichzeitig wächst die Bedeutung wiederverwendbarer Baustoffe für die Reduktion von CO₂-Emissionen. Praxisbeispiele aus Deutschland, Österreich und der Schweiz verdeutlichten, dass zirkuläres Bauen zwar zusätzlichen Planungsaufwand erfordert, langfristig aber erhebliches Potenzial bietet.
Abgerundet wurde das Kongressprogramm durch zahlreiche Projektvorstellungen – vom Holzhybridbau „Tridea“ in München über den Klinikneubau in Tübingen bis hin zu Nachverdichtungs- und Wohnbauprojekten in Heilbronn, Melk und Malters. Dabei wurde deutlich, dass der Holzbau seine Stärken insbesondere bei Vorfertigung, kurzen Bauzeiten und nachhaltigen Baukonzepten ausspielen kann.
Der SHK 2026 machte deutlich: Die Herausforderungen bleiben groß. Gleichzeitig zeigte der Kongress, dass Digitalisierung, einfachere Bauprozesse und konsequente Kreislaufwirtschaft entscheidende Hebel sind, um den Holzbau wirtschaftlich und zukunftsfähig weiterzuentwickeln.
Quelle: Forum Holzbau