Holzbrückenbau als Ausbildungsprojekt

Ein Artikel von Reinhard Rieser | 21.07.2026 - 09:28
Murblickbruecke_3_Reinhard Rieser.jpg

© Georg Kaltenegger

Die neue Brücke ersetzt ein bestehendes Holzbauwerk ohne Überdachung. Die Analyse des Bestands bildete eine wesentliche Grundlage der Planung. Ziel war es, erkannte Schwachstellen zu vermeiden und den konstruktiven Holzschutz konsequent in die neue Konstruktion zu integrieren.

Die Planungsarbeiten begannen im September 2024 mit einer Machbarkeitsstudie. Dabei galt es, neben den statischen Anforderungen auch die Umsetzung eines Bauwerks dieser Größenordnung im schulischen Umfeld zu untersuchen. Grundlage der weiteren Planung war ein digitaler Zwilling, der sowohl für die Einreich- und Werksplanung als auch für Vorfertigungs- und Montagesimulationen genutzt wurde. Dadurch konnten Arbeitsabläufe optimiert und potenzielle Konflikte bereits im Vorfeld erkannt werden. Ein großer Dank gilt an dieser Stelle dem Unternehmen cadwork, welches das Projekt umfangreich begleitet und unterstützt hat.

Murblickbruecke_2_Reinhard Rieser.jpg

© Georg Kaltenegger

Das Tragsystem der Brücke wurde als Trogbrücke mit gekrümmten Brettschichtholz-Hauptträgern konzipiert. Aufgesetzte Zweigelenksrahmen tragen die Dachkonstruktion und schützen das Tragwerk dauerhaft vor Witterungseinflüssen. Besonderes Augenmerk lag auf der konstruktiven Ausbildung der Anschlüsse sowie einem dauerhaft wirksamen konstruktiven Holzschutz.

Mit der Fertigung wurde im Februar 2026 begonnen. Aufgrund der Bauteilabmessungen erfolgte die Vorfertigung am Freigelände der HTL Zeltweg. Die Arbeiten kombinierten traditionellen Handabbund sowie CNC-gestützte Fertigung. Den maschinellen Abbund einschließlich der Holzlieferung übernahm die Johann Pabst Holzindustrie. Die CNC-Daten wurden von den Schülerinnen und Schülern direkt aus dem digitalen Gebäudemodell erstellt und für die Produktion aufbereitet.

Murblickbruecke_1_Reinhard Rieser.jpg

© Reinhard Rieser

Nach Abschluss der Vorfertigung wurde das rund 22 m lange Tragwerk mittels Sondertransport zur etwa zehn Kilometer entfernten Baustelle transportiert. Innerhalb eines Arbeitstages wurde die bestehende Brücke mit Hilfe und unter Anleitung von Holzbau Rieser-Obdach zurückgebaut und durch das neue Tragwerk ersetzt. In einem zweiten Bauabschnitt erfolgte die Montage der Dachkonstruktion. Anschließend wurde gemeinsam mit der Firma SIGA im Zuge eines Produktkurses eine temporäre Bauwerksabdichtung hergestellt, bevor die endgültige Dacheindeckung mit einer Folienabdichtung ausgeführt wurde.

Mit der Fertigstellung der Murblickbrücke entstand nicht nur ein dauerhaftes Infrastrukturbauwerk für die Stadtgemeinden Knittelfeld und Spielberg, sondern auch ein beispielhaftes Ausbildungsprojekt. Die Schülerinnen und Schüler konnten sämtliche Projektphasen – von der Bestandsanalyse über digitale Planung und Vorfertigung bis hin zu Logistik und Montage – unter realen Bedingungen erleben und umsetzen. Damit verbindet das Bauwerk moderne Holzbautechnologie mit praxisnaher Ausbildung.