Die energetische Sanierung des deutschen Wohnungsbestands soll schneller, planbarer und wirtschaftlicher werden. Dafür haben der Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW), der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB) und die Deutsche Energie-Agentur (dena) die neue Rahmenvereinbarung gemeinsam entwickelt. Begleitet wurde das Vorhaben vom Bundeswirtschafts- und vom Bundesbauministerium. Die europaweite Ausschreibung für die neue Rahmenvereinbarung Serielles Sanieren 1.0 wurde auf der EU-Plattform TED veröffentlicht.
Ziel ist es, serielles Sanieren vom Einzelprojekt in die breite Anwendung zu bringen. Wohnungsunternehmen sollen einfacher auf erprobte, skalierbare und wirtschaftlich kalkulierbare Sanierungslösungen aus einer Hand zugreifen können. Standardisierte Prozesse und die industrielle Vorfertigung sollen dabei Planungs- und Vergabeprozesse beschleunigen, Kosten besser kalkulierbar machen und knappe Baukapazitäten effizienter nutzen.
Die wirtschaftliche Dimension der Ausschreibung ist erheblich. Für die auf fünf Jahre angelegte Rahmenvereinbarung wird laut Ausschreibungsunterlagen ein geschätzter Wert der daraus generierten Bauleistungen von 10,3 Mrd. € (ohne Mehrwertsteuer) angegeben. Der Höchstwert der Rahmenvereinbarung beträgt 17,16 Mrd. €.
Ausgeschrieben wird in vier Angebotsregionen und vier Fachlosen. Diese umfassen die energetische Sanierung von Außenwänden sowie Sanierungen auf den Effizienzhaus-Niveaus EH85, EH70 und EH55. Als Grundlage für die Kalkulation dienen fünf Stellvertretergebäude. Aus der Kombination von vier Regionen, vier Fachlosen und fünf Gebäudetypen ergeben sich insgesamt 80 Einzellose. Unternehmen können sich gezielt für einzelne Gebäudetypen, Fachlose oder Regionen bewerben. Eine Teilnahme an allen Bereichen ist nicht erforderlich. Gesucht werden integrierte Gesamtlösungen auf Grundlage einer funktionalen Leistungsbeschreibung. Teilnahmeanträge können bis 28. September eingereicht werden.
Marktpotenzial bis 2045 bei 500 Mrd. €
Die Bauindustrie erwartet zusätzliche Chancen. HDB-Hauptgeschäftsführer Tim-Oliver Müller verweist auf den großen energetischen Sanierungsbedarf bei Millionen Bestandsgebäuden.
Die dena sieht im seriellen Sanieren inzwischen einen wachsenden Wirtschaftszweig. Nach Angaben des dena-Kompetenzzentrums wurden bislang rund 2 Mrd. € umgesetzt. Bis 2045 könnte das Marktpotenzial für serielles Sanieren bei geeigneten Ein- und Mehrfamilienhäusern sowie Nichtwohngebäuden 500 Mrd. € erreichen.
Quelle: Deutsche Energie-Agentur