Die Holzbaubranche in Deutschland, Österreich und der Schweiz zeigt sich zum Ende des 3. Quartals 2026 zweigeteilt. Während die meisten Unternehmen über eine gute Auftragslage berichten, bleiben ihre Erwartungen zurückhaltend. Bei der jüngsten Holzkurier-Konjunkturerhebung bewerteten 65 % der Betriebe ihre Auftragslage als gut, weitere 23 % als zufriedenstellend. Lediglich 12 % bezeichneten sie als schlecht. Damit fällt die Einschätzung sogar besser aus als im Vorjahr, als nur 49 % von einer guten Auftragslage berichteten.
Dennoch rechnet kaum jemand mit einer raschen Erholung. Für das 4. Quartal erwarten 73 % eine unveränderte Auftragslage. Einer Verbesserung sehen 15 % entgegen, während 12 % mit einer Verschlechterung rechnen. Mehr als die Hälfte der Befragten erwartet einen nachhaltigen Bauaufschwung erst 2028. Ein erheblicher Teil rechnet sogar mit einer noch späteren Erholung.
Sanierung bleibt Hoffnungsträger
Am besten entwickeln sich aus Sicht der Betriebe Sanierungen, Renovierungen, Anbauten und Aufstockungen. Der Holzbau profitiert hier unter anderem von seinem geringen Eigengewicht. Insbesondere bei urbanen Aufstockungen und Erweiterungen bestehender Gebäude lässt sich dieser Vorteil nutzen. Für die kommenden sechs Monate rechnen 35 % mit einer Verbesserung der Auftragslage. Weitere 58 % erwarten stabile Verhältnisse. Nur 7 % befürchten einen Rückgang. Auch mittelfristig zählen Sanierungen, Aufstockungen sowie An- und Zubauten zu den aussichtsreichsten Geschäftsfeldern. Ein bislang noch kleiner Markt, allerdings mit großem Potenzial, ist in diesem Sektor die serielle Sanierung.
Deutlich schwieriger bleibt die Lage im Ein- und Zweifamilienhausbau. Hier rechnen 36 % der Unternehmen mit rückläufigen Aufträgen. Lediglich 16 % erwarten eine Verbesserung, 48 % gehen von einer unveränderten Entwicklung aus. Über fünf Jahre betrachtet überwiegen ebenfalls zurückhaltende Einschätzungen.
Der Neubau privater Eigenheime bleibt damit eine Schwachstelle der Branche.
Mehrgeschoßbau mit Potenzial
Im mehrgeschoßigen Holzbau prognostizieren 17 % der Unternehmen eine Verbesserung innerhalb der kommenden sechs Monate. Dem stehen 26 % mit negativen Erwartungen gegenüber. Die Mehrheit von 57 % rechnet mit keiner Veränderung.
Mittelfristig eröffnen sich dennoch Wachstumschancen. Das zeigen Berechnungen von B+L Marktdaten, Bonn/DE. Demnach dürfte die deutsche Holzbauquote im Mehrfamilienhausbau von 6,6 % im Jahr 2025 auf 7,5 % im laufenden Jahr steigen. Bis 2030 erwartet B+L im Standardszenario 8,6 %, bei günstigerer Entwicklung sogar 10,6 %.
Gerade mehrgeschoßige Gebäude können den Holzbedarf erheblich steigern. Während im Einfamilienhausbau der Holzrahmenbau dominiert, gewinnt bei größeren Projekten Brettsperrholz an Bedeutung.
Im öffentlichen Bau und Gewerbebau fallen die Erwartungen der Befragten dagegen verhaltener aus. Besonders der öffentliche Bau wird mittelfristig zurückhaltend beurteilt.
Kosten und Personal als Bremsen
Die offenen Antworten der Konjunkturerhebung verdeutlichen, wo die Betriebe die größten Hindernisse sehen. Besonders häufig nennen sie Bürokratie, hohe Lohn- und Lohnnebenkosten sowie den Fachkräftemangel. Hinzu kommen steigende Materialpreise und unsichere Kalkulationsgrundlagen.
Einige Unternehmen beklagen „kurzfristige und späte Auftragsvergabe mit extrem aggressiven Marktpreisen“. Andere berichten von fehlenden Holzbautechnikern und Montagepersonal. Einzelne Betriebe können Anfragen wegen Personalmangels nicht bedienen. Teilweise versuchen die Unternehmen, ihre Kapazitäten durch Leiharbeitskräfte zu erhöhen.
Zusätzliche Unsicherheit verursachen Materialpreise und Liefertermine. Weil Holzbauunternehmen häufig langfristig kalkulieren müssen, erschweren kurzfristige Preisänderungen ihre Angebotsgestaltung. Für das 4. Quartal erwarten 40 % steigende Holzbauproduktpreise. Weitere 55 % rechnen mit stabilen Preisen, nur 5 % mit sinkenden Werten. Tatsächlich sind die Leimholzpreise in den vergangenen Monaten deutlich unter Druck geraten und notierten am Ende des 3. Quartals unter den Werten der Vorjahresperiode. Für Brettschichtholz und KVH erhob der Holzkurier im Jahresvergleich ein Minus von 4 bis 5 %. Bei Brettsperrholz – wo die schwache Nachfrage auf ein in den vergangenen Jahren stark gewachsenes Angebot trifft – sank der Preis innerhalb eines Jahres um 11 %. Verglichen mit den Preisen aus 2019 legte BSP um lediglich 6 % zu. Zum Vergleich: In Deutschland stiegen die Verbraucherpreise von 2019 bis 2025 um insgesamt 22,5 %, in Österreich betrug die Teuerung rund 30 %.
Erste Erholungssignale im Neubau
Bei den Baugenehmigungen in Deutschland und Österreich zeichnet sich eine leichte Trendwende ab. In Deutschland wurden von Januar bis Juli 148.800 Wohnungen genehmigt, 12,9 % mehr als im Vorjahr. Bei Wohnungen in neuen Wohngebäuden betrug der Zuwachs 13,5 %. Besonders erfreulich entwickelte sich laut Destatis-Daten der Mehrfamilienhausbau mit einem Plus von 15,1 %.
Auch die Fertigbauweise gewinnt Marktanteile. Im 1. Halbjahr stiegen die Genehmigungen für Ein- und Zweifamilienhäuser in Fertigbauweise in der Bundesrepublik um 16,9 %. Der Gesamtmarkt legte um 14,5 % zu. Damit erreichte die Fertigbauquote in Deutschland 26,7 %.
In Österreich wurden im 1. Halbjahr laut Statistik Austria 9599 neue Gebäude baubewilligt, 16 % mehr als im Vorjahreszeitraum. Bei den Wohnungen gab es dagegen einen Rückgang um 9 % auf 22.791 Einheiten. Das Genehmigungsniveau bleibt in beiden Ländern weit unter den früheren Höchstständen. Die unterschiedlichen Entwicklungen verdeutlichen, dass die Erholung noch keineswegs alle Bereiche erreicht hat.
Holzbau gewinnt Marktanteile
Diese Erwartung deckt sich mit den Prognosen von B+L. Während sich die deutsche Bauwirtschaft nur langsam erholt, dürfte der Holzbau weiterhin Marktanteile gewinnen. Für 2027 prognostiziert das Marktforschungsunternehmen erstmals seit Langem wieder steigende Wohnungsfertigstellungen.
Der erhoffte Bauaufschwung lässt somit weiter auf sich warten. Die steigenden Genehmigungszahlen, wachsende Holzbauquoten und neuen Einsatzmöglichkeiten im mehrgeschoßigen Bau zeigen jedoch eine klare Perspektive. Noch ist die Erholung schwach und von einem niedrigen Ausgangsniveau geprägt. Der Holzbau hat aber gute Voraussetzungen, vom nächsten Aufschwung überdurchschnittlich zu profitieren.