Mit einer Trendumkehr im Wohnungsbau in Deutschland ist erst 2027 zu rechnen, erklärt man beim ifo Institut © 2026 Jose Luis Carrascosa/Shutterstock
Im Koalitionsvertrag 2021 der damaligen Bundesregierung aus SPD, Grünen und FDP stand das Ziel von 400.000 neu gebauten Wohnungen jährlich. Dieses Ziel wurde bislang deutlich verfehlt. 2023 wurden laut Statistischem Bundesamt (Destatis) 294.400 Wohnungen fertiggestellt, 2024 waren es 251.900 und 2025 rund 206.600 Wohnungen.
Nach dem Tiefpunkt von rund 159.000 Wohnungsfertigstellungen 2009 stieg die Zahl in den folgenden Jahren kontinuierlich an und erreichte 2020 mit knapp 306.000 Wohnungen den Höchststand dieses Jahrtausends. Die für 2026 prognostizierten 185.000 Fertigstellungen wären ein Rückgang auf ein Niveau, das zuletzt zu Beginn der 2010er-Jahre erreicht wurde.
Auch die aktuelle Bundesregierung nahm sich des Themas an. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) erklärte 2025 auf der Plattform X: "Wir bauen zu teuer, zu kompliziert und es dauert viel zu lange." Der angekündigte „Bau-Turbo“ mit beschleunigten Planungs- und Genehmigungsverfahren zeigt sich bisher aber noch nicht in den Fertigstellungszahlen. Zu den Gründen für die Entwicklung zählt neben dem Konflikt im Nahen Osten „auch die lange Zeitspanne zwischen Genehmigung und Fertigstellung, die sich seit Beginn dieses Jahrzehnts um etwa ein halbes Jahr auf 27 Monate vergrößert hat“, analysiert Ludwig Dorffmeister vom ifo Institut, München, eines der vier Gründungsmitglieder des Netzwerks Euroconstruct.
Moderates Wachstum in Europa
Ab 2027 werde mit einem leichten Aufschwung in Deutschland gerechnet. Von den Werten zu Beginn des Jahrzehnts, geschweige denn von den ausgerufenen Zielen, ist man dann aber noch immer weit entfernt.
Für den europäischen Wohnungsbau prognostiziert Euroconstruct 2026 eine Fertigstellungszahl von 1,44 Mio. Wohneinheiten. In den folgenden beiden Jahren sollen es 1,51 Mio. beziehungsweise 1,57 Mio. Einheiten sein. Die europäische Bauwirtschaft werde bis 2028 um rund 2% jährlich expandieren.
Quelle: Euroconstruct