Dieser Artikel ist die Fortsetzung des Nachberichts zur Bildungswoche Alpbach 2026. Lesen Sie hier Teil 1 der Veranstaltungsreportage.
Die Zukunft des Bauens
Den zweiten Tag der Fachvorträge eröffnete Architekt Simon Speigner von sps Architekten. Mit trockenem Humor zeichnete er die Entwicklung seines Zugangs zu nachhaltigem Bauen von frühen Ansätzen der Bauökologie über solare Konzepte und Passivhausprinzipien bis zur konsequenten Umsetzung im Holzbau nach. Holz versteht er als logische Antwort auf regionale Ressourcen, Kreislaufdenken und Lebenszykluskosten. Anhand realisierter Projekte im sozialen Wohnbau und Bildungsbau zeigte Speigner, dass mehrgeschoßiger Holzbau wirtschaftlich darstellbar ist, wenn Planung und Ausführung früh zusammenarbeiten und Vorfertigung konsequent genutzt wird. Zentrale Erfolgsfaktoren seien Generalplanung, enge Zusammenarbeit mit Holzbauunternehmen, serielle Raumzellen, präzise Detailplanung sowie ein praxistaugliches Brand- und Bauphysikkonzept. Die Erfahrungen aus Wettbewerben und Großprojekten belegen, dass Holzbau Bauzeiten verkürzt, Belastungen im Bestand reduziert und flexible, nutzerorientierte Raumkonzepte ermöglicht. Holz sei breit einsetzbar, aber nicht um jeden Preis. Entscheidend sei die sinnvolle Anwendung im jeweiligen Kontext sowie die Kombination aus technischer Qualität, Wirtschaftlichkeit und gestalterischem Anspruch.
Europäische Vorgaben und deren Auswirkungen
Paul Ehgartner vom Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft skizzierte anschließend die wichtigsten EU-Regelwerke für Forst- und Holzsektor vor dem Hintergrund von Klimawandel und globaler Entwaldung. Österreichs Forst- und Holzwirtschaft hob er als wirtschaftlich starken und klimapolitisch relevanten Sektor hervor. Zentrale Punkte waren die Entwaldungsverordnung mit jüngsten Vereinfachungen und Entlastungen für Klein- und Kleinstbetriebe sowie LULUCF, wo Klimaschäden die Wald-Kohlenstoffsenke schwächen. Holzprodukte leisten als langfristige Kohlenstoffspeicher einen stabilen Beitrag. Die Wiederherstellungsverordnung bringt verbindliche Biodiversitätsziele für Wälder und verschärft Zielkonflikte zwischen Nutzung und Naturschutz. Abschließend verwies Ehgartner auf Förder- und Forschungsprogramme sowie Holzbaupreise. Kernaussage: Holz ist ein zentraler Hebel für Klimaschutz; die Rahmenbedingungen sollen praxistauglich gestaltet werden.
Spontane Brandrede von Rosenstatter
Auf den Vortrag von Ehgartner folgte auf Einladung von Engelbert Schrempf eine spontane Brandrede von Rudolf Rosenstatter, ehemaliger Obmann des Waldverbands Österreich. Darin erinnerte er an die Entwicklung des Holzbaus in Österreich als gemeinsame Erfolgsgeschichte von Waldbesitzern, Handwerk und Industrie. Durch geschlossene Interessenvertretung und politische Unterstützung habe sich der Holzbau vom Nischenbereich zu einem sichtbaren Bestandteil des Bauens in Städten und Gemeinden entwickelt. Holz sei zentral für regionale Wertschöpfung, Beschäftigung und Klimaschutz. Kritisch bewertete Rosenstatter die zunehmenden Regulierungen im Zuge des EU-Green-Deal, die aus seiner Sicht die nachhaltige Nutzung der Wälder einschränken und unternehmerische Planbarkeit gefährden. Dem hielt er die Bedeutung von Forst- und Holzwirtschaft für Millionen Arbeitsplätze in Europa entgegen. Er forderte ein klares politisches Bekenntnis zur Nutzung des Rohstoffs Holz, verlässliche Rahmenbedingungen für Investitionen und ein Konjunkturprogramm für den Holzbau, um Innovation, Beschäftigung und Wertschöpfung langfristig zu sichern. Seine abschließenden Worte: „Ich ersuche, dass wir diesen Weg gemeinsam gehen. Gemeinsam sind wir stark. Holz verbindet!“
Rudolf Rosenstatter (mittig) hielt eine spontane Brandrede für den Holzbau. Sein Appell: Holz verbindet, also lasst und gemeinsam für den Roh-, Werk- und Baustoff einstehen. Bundesinnungsmeister Simon Kathrein (l.) und holzbau austria-Geschäftsführer Engelbert Schrempf (r.) können das nur unterschreiben. © privat
Praxisrelevante Forschung und Entwicklung
Johannes Niedermeyer stellte Timber Construction Europe als schlank organisierte europäische Interessenvertretung des Holzbaus vor. Der Verband arbeitet mit einem Netzwerkansatz statt eines eigenen Büros und bündelt Technik, Bildung und Normungsarbeit für kleine und mittlere Betriebe. Schwerpunkte sind die Mitwirkung in EU-Normungsgremien, Positionierungen zu Bioökonomie, Entwaldungsverordnung und Entbürokratisierung sowie der Wissenstransfer aus Forschung und Entwicklung. Niedermeyer hob die Bedeutung gemeinsamer DACH-Initiativen, der Koordination von F&E und praxistauglicher Regelwerke hervor. Ziel ist, Rahmenbedingungen für den Holzbau europaweit zu verbessern, Fachkräfte zu qualifizieren und die Wettbewerbsfähigkeit der Branche nachhaltig zu stärken.
Kreislaufwirtschaft unterhaltsam erklärt
Den Abschluss der Fachvorträge machte Dr. Martin Weigl-Kuska von der Holzforschung Austria. In gewohnt humorvoller und frischer Manier war sein Ziel, Mut zur Altholznutzung und Möglichkeiten dafür aufzuzeigen. Dafür wählte er diesmal als Testimonial eine Krawatte. Inhaltlich erläuterte er die Kreislaufwirtschaft als Gegenentwurf zur linearen Nutzung von Rohstoffen und zeigte die Unterschiede zwischen Wiederverwendung, Aufarbeitung, Wiederverwertung und energetischer Nutzung auf. Zudem verwies er darauf, dass Altholz weder Frischholz ersetzt noch damit konkurriert, sondern ergänzendes Rohstoffpotenzial bietet. Anhand von Forschungsarbeiten belegte er die technische Eignung von Altholz für neue Produkte, verwies auf beherrschbare Risiken durch Kontaminationen und betonte die Bedeutung von Rückbaukonzepten, Qualitätsnachweisen und Normen. Fazit: Kreislauffähigkeit im Holzbau ist technologisch machbar, erfordert aber Planung, Logistik und Standards von Beginn an.
Vorträge aus den eigenen Reihen
Den letzten Programmpunkt am Mittwoch bildete der beliebte und bekannte Themenblock „Die Holzbauunternehmen Österreichs“. Zuerst erläuterte Holzbau-Meister Günter Resch unter dem Motto „Wiederverwertung im Holzbau – retro, second hand, gebraucht“, wie er seinen Betrieb auf die Nutzung von Altholz umstellte und zeigte eindrückliche Referenzen. Zu guter Letzt berichtete der Südtiroler Holzbau-Meister Josef Schrötzer aus seinem fast 80-jährigen Leben und gab dabei Anregungen und Handlungsempfehlungen zum Generationenwechsel im Familienbetrieb.
Fachfremdes und Ski-WM
Dem bewährten Format folgend kamen am Donnerstag fachfremde Vorträge zum Zug. Dieses Jahr waren der Storytelling-Experte Harald Kopeter, Christian Lindemann vom Cirque du Soleil®, der Eishockey-Schiedsrichter Andreas Koch sowie die Kampfjet- und Hubschrauberpilotin Nicola Winter geladen. Traditionell folgten darauf die Heilige Messe und eine Weinverkostung, ausgerichtet vom Landesinnungsmeister Burgenland, Josef Sachs.
Am Freitag wurde schlussendlich die mittlerweile 4. Ski-WM der Holzbau-Meister ausgetragen. Dabei konnte sich der 17-jährige Zimmererlehrling Peter Gabriel von Kapl Bau aus Oberösterreich den ersten Platz sichern, mit seinen Kollegen gewann er zudem die Teamwertung.