Ein Hallenbad, das umherzieht

Ein Artikel von Birgit Gruber | 30.03.2026 - 09:53
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In Stuttgart wird das zukünftige Bad zunächst im Stadtbezirk Zuffenhausen aufgebaut. © 4a Architekten

Das Projekt ist bislang einzigartig in Deutschland. Das Hallenbad wird transportabel, rückbaubar und über Jahrzehnte hinweg flexibel einsetzbar sein. Entwickelt wurde das Konzept von Pool out of the Box, einem Unternehmen für modulare Hallenbäder. Die Fachplanung stammt vom Schweizer Holzbauunternehmen Blumer Lehmann sowie weiteren Fachplanern aus dem Bäderbau, darunter Kannewischer Ingenieure. Die Architektur und Architekturplanung ist von 4a Architekten aus Stuttgart. „Holzbauten in Modulbauweise sind die mobile Bauart der Zukunft“, erklärt man bei Blumer Lehmann. „Die Holzmodule für Umkleiden, Technik- und Sanitärräume werden in unseren Werkhallen fix und fertig produziert – ein Prozess, der Bauzeit und Emissionen deutlich einspart.“

Fertigstellung im Frühjahr

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Mit diesem Konzept lassen sich Ersatzwasserflächen für Bürgerinnen und Bürger bereitstellen © 4a Architekten

Zunächst wird das Bad im Stuttgarter Stadtteil Zuffenhausen errichtet. Voraussichtliche Fertigstellung ist Sommer 2026. Danach wird das Gebäude nach Möhringen umgesetzt und schließlich am dauerhaften Standort Untertürkheim aufgebaut, wo es langfristig als Stadtteilbad dienen soll. „Aus unserer Sicht ist das modulare Hallenbad ein zukunftsweisendes Projekt“, erklärt Ernst Ulrich Tillmanns, geschäftsführender Gesellschafter der 4a Architekten. 

„Viele Kommunen stehen regelmäßig vor der Frage: Wie kann der Schwimmbetrieb während Sanierungen oder Neubauten aufrechterhalten werden? Mit diesem Konzept lassen sich Ersatzwasserflächen für Bürgerinnen und Bürger bereitstellen – oder bei Bedarf schnell ein neues Bad für Schulen und Vereine errichten. Für uns als Architekten mit Schwerpunkt auf Bäderbau ist es spannend, die gestalterischen, funktionalen und technischen Anforderungen eines Bades auf ein Modulbaukonzept zu übertragen. Wir sehen große Chancen, Vorfertigung und Kreislaufwirtschaft in den Bäderbau zu integrieren.“

Architektonisch folgt das Projekt dem Prinzip „Designed for Disassembly – Built to Last“. Ziel ist ein vollwertiges Hallenbad, das mehrfach auf- und abgebaut werden kann, ohne an Qualität oder Funktion zu verlieren. Möglich wird dies durch eine modulare Holzbauweise mit hohem Vorfertigungsgrad. Große Teile des Gebäudes werden bereits im Werk produziert, inklusive technischer Installationen und Innenausbau. Vor Ort müssen die Module nur noch montiert und miteinander verbunden werden. Dadurch verkürzt sich die Bauzeit erheblich, und der CO₂-Ausstoß während der Bauphase sinkt. Mit einem 25-m-Becken, fünf Bahnen und einem Teilhubboden bietet das Bad funktionale Ausstattung auf hohem Niveau.

46 Module für das Bad

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Das Gebäude kann mehrfach auf- und abgebaut sowie an unterschiedlichen Standorten eingesetzt werden und stellt so während Umbauphasen verlässliche Wasserflächen für Schulen, Vereine und Öffentlichkeit bereit. © Pool out of the Box/Joachim Maier

Das Gebäude besteht aus 46 Holzmodulen – 28 im Erdgeschoß und 18 im Obergeschoß. Jedes Modul misst etwa 3,5 mal 9,9 m und enthält Umkleiden, Sanitäranlagen, Technikräume oder Aufsichtsbereiche. Ergänzt werden sie durch individuell angepasste Sondermodule, zum Beispiel für den Beckenumgang oder technische Anlagen. Fassaden-, Decken- und Installationselemente werden weitgehend vorgefertigt geliefert. Die eigentliche Schwimmhalle über dem Becken wird nicht modular gebaut, sondern als Elementbau. Brettschichtholz-Binder mit Spannweiten von über 19 m tragen die Dachkonstruktion. Satteldachbinder mit leichtem Gefälle formen die Dachlandschaft, während Dach- und Wandelemente aus Brettsperrholz und Holzrahmenbau vor Ort montiert werden.

Modul- und Elementbau verbinden

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Die eigentliche Schwimmhalle über dem Becken wird nicht modular gebaut, sondern als Elementbau errichtet.  © Pool out of the Box/Joachim Maier

Eine besondere Herausforderung war die Verbindung von Modulbau und Elementbau. Alle Verbindungen wurden so geplant, dass sie lösbar und wiederverwendbar sind. Schraubverbindungen, mechanische Fügungen und zugängliche Details ermöglichen einen zerstörungsfreien Rückbau. Gleichzeitig erfordert die komplexe Haustechnik eine präzise Abstimmung zwischen Architektur, Statik und Technik. Da die Module wegen der Installationen nicht einzeln ausgesteift werden können, entsteht die Stabilität erst durch das Zusammenspiel mehrerer Bauteile. Das Projekt orientiert sich am Cradle-to-Cradle-Prinzip, nutzt sortenreine Materialien und reversible Verbindungen. So lassen sich die Bauteile langfristig wiederverwenden. 

Teil der IBA’27

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Die Module werden fix und fertig mit allen Installationen von Blumer Lehmann auf die Baustelle geliefert.  © Pool out of the Box/Joachim Maier

Seit März 2025 ist das modulare Hallenbad Teil des Netzwerks der Internationalen Bauausstellung 2027 StadtRegion Stuttgart (IBA’27). Die Jury würdigte beim Projekt vor allem die Kombination aus modularer Bauweise, temporärer Nutzung und konsequent zirkulärem und geringem Materialeinsatz.

Joachim Maier von Pool out of the Box und Lukas Osterwalde von Blumer-Lehmann stellen das Projekt am Süddeutschen Holzbaukongress in Stuttgart vor.