Ein Stadtregal mitten in Wien

Ein Artikel von Birgit Gruber | 14.04.2026 - 07:58

Rund um einen begrünten Innenhof gruppieren sich unterschiedliche Wohn- und Arbeitsformen: von temporären Starterwohnungen über studentische Wohngemeinschaften bis hin zu Maisonetten und Townhouses. Ergänzt wird das Angebot durch vielfältige Begegnungszonen und Freiräume. Die nach Westen ausgerichteten Baukörper reagieren mit ihren abgestuften Höhen sowohl auf die lärmintensive Umgebung als auch auf die Belichtung durch die Abendsonne.

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Die vier Gebäude des Projekts Stadtregal wurden um einen ruhigen, begrünten Innenhof errichtet. © AnnABlaU

Das architektonische Konzept stammt von Gerner Gerner Plus sowie heri&salli. Für die Tragwerksplanung zeichnet DPS Dorr-Schober & Partner verantwortlich, während die bauliche Umsetzung durch die Voitl & Co. Baugesellschaft erfolgte. Im Bereich Holzbau war Rubner Ingenieurholzbau maßgeblich an der Entwicklung und Realisierung von Fassadenelementen beteiligt. Bauherr ist die ARWAG Holding.  

Hoher Vorfertigungsgrad

Zwei der Gebäude wurden in Holzhybridbauweise ausgeführt. Die vorgefertigten Außenwände in vorvergrauter Fichte entstanden im Werk in Ober-Grafendorf und wurden inklusive Fenster, Fensterbänken und Sonnenschutz angeliefert. Zum Einsatz kamen zwei unterschiedliche Wandtypen: Einer wurde auf bestehenden Betonwänden montiert und fungiert sowohl als gestalterisches Element als auch als Alternative zum Wärmedämmverbundsystem. Der zweite Wandtyp wurde zwischen Betonstützen eingesetzt und erfüllt als nichttragende Außenwand hohe Anforderungen an Brand- und Schallschutz.

Hohe Anforderungen an Planung und Ausführung

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Freiräume und Begegnungszonen wurden im Stadtregal mitgedacht. © AnnABlaU

Die Montage der großformatigen Bauelemente stellte im innerstädtischen Kontext hohe Anforderungen an Planung und Ausführung. Enge Platzverhältnisse sowie anspruchsvolle Einbausituationen – etwa in Bereichen zwischen Balkonen – machten den Einsatz spezifisch angepasster Hebe- und Montagetechniken erforderlich. Teilweise wurden die Fassadenelemente mittels Seilwinden präzise in ihre endgültige Position gebracht. Ergänzend kamen kompakte Arbeitsbühnen mit großer Reichweite zum Einsatz, um auch schwer zugängliche Bereiche effizient bearbeiten zu können.

Das „Stadtregal“ demonstriert beispielhaft die Leistungsfähigkeit des Holzhybridbaus im urbanen Umfeld. Der hohe Grad an Vorfertigung, die gezielte Kombination unterschiedlicher Baustoffe sowie die funktionale Vielfalt des Nutzungskonzepts tragen zu einem nachhaltigen und zukunftsorientierten Wohnmodell bei. Damit liefert das Projekt wichtige Impulse für die Weiterentwicklung des verdichteten Wohnbaus in Städten.

Quelle: Rubner Holzbau