Mit der Kinderoase an der Technischen Universität München (TUM) ist vor Kurzem ein außergewöhnliches Holzbauprojekt fertiggestellt worden. Das von Kéré Architecture entworfene Gebäude bietet auf fünf Geschoßen Platz für 60 Kinder und setzt neue Maßstäbe für nachhaltige Bildungsbauten im urbanen Raum. Die nahezu vollständig in Holzbauweise errichtete Kindertagesstätte entstand in enger Zusammenarbeit mit den österreichischen Holzbauspezialisten HK Architekten – Hermann Kaufmann + Partner.
Rutschen statt Treppen
Die Kinderoase an der Technischen Universität München wurde als fünfgeschoßiger, nahezu vollständig in Holzbauweise errichteter Kindergarten realisiert. © Iwan Baan
Der Neubau reagiert auf die besonderen Herausforderungen seines Standorts zwischen Universitätscampus und Mensa. Auf einem schmalen innerstädtischen Grundstück entwickelte das Planungsteam einen vertikalen Kindergarten, der Funktionalität, Nachhaltigkeit und kindgerechte Architektur miteinander verbindet. Herzstück des Gebäudes ist ein vertikaler Spielbereich entlang der Nordfassade: Rutschen verbinden die einzelnen Ebenen miteinander und machen die Bewegung durch das Haus selbst zum Erlebnis. Gleichzeitig fungiert dieser Bereich als akustische Pufferzone und schützt die Gruppenräume vor dem Verkehrslärm der Gabelsbergerstraße.
Holzbau für die nächste Generation
Mit ihrer vertikalen Organisation und der konsequenten Holzbauweise setzt die Kinderoase an der TUM neue Maßstäbe für nachhaltige Bildungsbauten im urbanen Raum. © Iwan Baan
Mit Ausnahme der Fundamente und des südlichen Fluchttreppenhauses wurde das Gebäude nahezu vollständig aus Holz errichtet. Die Konstruktion vereint hohe Anforderungen an Energieeffizienz, Brandschutz, Bauphysik und Akustik mit einer deutlichen Reduzierung des CO₂-Fußabdrucks. Die Zusammenarbeit zwischen Kéré Architecture und Hermann Kaufmann + Partner unterstreicht dabei die Leistungsfähigkeit moderner Holzbauplanung bei anspruchsvollen Bildungsbauten.
„Meine ersten Projekte entstanden für Schulkinder, und heute baue ich für die Allerkleinsten. Das ist eine wunderbare Verantwortung“, erklärt Diébédo Francis Kéré, Gründer von Kéré Architecture. „Wir haben die Kinderoase konsequent aus der Perspektive der Kinder entworfen. Entstanden ist ein vertikaler Spielplatz, der ihre Neugier weckt und sie dazu anregt, gemeinsam zu spielen und ihre Umgebung zu entdecken.“ Auch Holzbauexperte Prof. Hermann Kaufmann sieht das Projekt als Beispiel für die Zukunft des urbanen Holzbaus: „Die Kinderoase zeigt, dass sich mehrgeschoßige Holzgebäude auch auf komplexen innerstädtischen Grundstücken wirtschaftlich, nachhaltig und mit hoher architektonischer Qualität realisieren lassen.“
Vertikal statt weitläufig
Die teilweise überdachte Dachterrasse „Himmelswiese“ bietet den Kindern zusätzlichen Bewegungsraum und Ausblicke über München. © Iwan Baan
Neben den Gruppenräumen auf den einzelnen Ebenen verfügt die Kindertagesstätte über gemeinschaftliche Spiel- und Bewegungsflächen sowie die teilweise überdachte Dachterrasse „Himmelswiese“. Sie bietet den Kindern zusätzlichen Freiraum mitten in der Stadt und unterstreicht das Ziel des Projekts, Architektur konsequent aus der Perspektive ihrer jüngsten Nutzerinnen und Nutzer zu denken.
Mit der Fertigstellung der Kinderoase setzt die TUM ein sichtbares Zeichen für nachhaltiges Bauen und familienfreundliche Infrastruktur und liefert zugleich ein überzeugendes Beispiel dafür, welches Potenzial der mehrgeschoßige Holzbau im Bildungsbereich besitzt.
Quelle: HK Architektur