Staffelgeschoße in Holzbauweise

Ein Artikel von Sylvia Polleres und Dr. Anton Kraler, mit Unterstützung von Dr. Christian Stöffler | 05.03.2026 - 09:20
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Sylvia Polleres, Holzforschung Austria © HFA/Alice Schnür-Wala

Staffelgeschoße sind aus der zeitgenössischen Architektur nicht mehr wegzudenken. Sie ermöglichen hochwertige Außenräume wie Terrassen oder begrünte Dachflächen und tragen wesentlich zur städtebaulichen Qualität bei. Im Holzbau stellen sie jedoch auch erhöhte Anforderungen an Statik, Bauphysik und Ausführung. Insbesondere aus feuchtetechnischer Sicht stellt der Sockel- bzw. der Anschlussbereich ein technisch anspruchsvolles Detail dar. 

Staffelgeschoße können auch als zurückspringende Obergeschoße bezeichnet werden, die gegenüber dem darunterliegenden Geschoß versetzt angeordnet sind. Der Rücksprung erzeugt zusätzliche bewitterte Flächen, die häufig als Terrassen genutzt werden. Die in der Richtlinie dargestellten Detaillösungen sind nicht nur für klassische Staffelgeschoße anwendbar, sondern auch für Loggien und Gebäudeeinschnitte über beheizten Nutzräumen.

Der Anschlussbereich zwischen Staffelgeschoß und dem darunterliegenden Decken-/Flachdachbauteil bzw. dem darunterliegenden Geschoß zählt zu den kritischsten Details im Holzbau. Holzbauteile befinden sich dabei in der Regel unterhalb von Abdichtungs- und wasserführenden Ebenen bzw. Außenniveaus, während mehrere Gewerke unmittelbar aufeinandertreffen. Schäden in diesen Bereichen können naturgemäß auch durch handwerkliche Mängel entstehen, hauptursächlich sind jedoch oft unzureichend geplante oder nicht abgestimmte Details. Eine gewerkeübergreifende, frühzeitige Planung ist daher unerlässlich. Für Holzbauunternehmen bedeutet das: Der eigene Leistungsumfang endet nicht an der Wandfläche, sondern umfasst auch das Verständnis für Abdichtungshöhen, Gefälle, Entwässerungsniveaus und bauphysikalische Zusammenhänge.

Die aus dem Erdgeschoß bekannten Sockelregeln (z.B. Mindesthöhen gemäß ÖNORM B 2320 „Gebäude aus Holz – technische Anforderungen“) sind auf Staffelgeschoße nur eingeschränkt übertragbar. Maßgebend ist vielmehr, ob der Anschluss geschützt (mit vollständiger Überdachung), teilgeschützt (mit Vordach) oder ungeschützt (frei bewittert) ausgeführt wird und welche weiteren ortsabhängigen Gegebenheiten (exponierte Lage, Wetterseite) einfließen. Daraus ergeben sich unterschiedliche Anforderungen an Hochzugshöhen, Entwässerungsrinnen und Fassadenschutz. Als Hilfestellung in der Planungsphase verweist die Richtlinie dabei auf einschlägige Normen, wie z.B. der ÖNORM B 3691 „Planung und Ausführung von Dachabdichtungen“, aber auch z.B. auf Schlagregenbeanspruchungsgruppen, die orientierend aus der DIN 4108-3 „Wärmeschutz und Energie-Einsparung in Gebäuden – Klimabedingter Feuchteschutz“ stammen. 

Konstruktive Grundsätze und Detaillösungen für Wand- und Deckensysteme

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Detailausbildung: Holzrahmenbau ausgeklinkt auf Holzuntergrund

Unabhängig vom eingesetzten Holzbausystem der Wände und der darunterliegenden Deckenkonstruktion gelten im Anschlussbereich einige grundlegende Prinzipien. Dazu zählen ein ausreichendes Gefälle der Flachdachentwässerung (empfohlen ≥ 3 %), eine sichere Ableitung von Oberflächenwasser sowie ein konsequenter Schutz vor Feuchteeintrag von außen und innen.

In der Richtlinie werden die möglichen Anschlussvarianten von Holzrahmen- und Holzmassivbauwänden an Massivholzdecken, Hohlkastendecken (Balkenlagen) sowie Stahlbetondecken erläutert. Dabei werden für jede Ausführungsart die jeweiligen Anforderungen und Vorgaben für die geschützten, teilgeschützten und ungeschützten Varianten beschrieben. Der Schwerpunkt liegt auf dem Feuchteschutz – also Abdichtung, Spritzwasserschutz und einem diffusionsgerechten Aufbau.

Ein zentrales bauphysikalisches Ziel ist dabei die Überdämmung der Abdichtungsebene im Sockelbereich, sodass der Taupunkt sicher in der Dämmebene außerhalb der tragenden Holzbauteile liegt. Als Richtwert gilt, dass die Dämmung außerhalb des Abdichtungshochzugs mindestens zwei Drittel des gesamten Wärmedurchlasswiderstands der Wand erreichen sollte. Holzmassivwände erfüllen diese Anforderung in der Regel problemlos. Bei Holzrahmenbauwänden ist dies häufig nur durch die Kombination mit Massivholzelementen oder durch eine statisch nachgewiesene Ausklinkung im Wandfußbereich möglich.

In der Richtlinie wird auch auf die unterschiedlichen Deckenausführungen eingegangen. Bei Holzrahmendecken wird aus feuchtetechnischer Sicht ein „aufdachgedämmter“ Aufbau empfohlen. Vollgedämmte Rahmendecken sind aufgrund möglicher Feuchteprobleme infolge von Dampfdiffusion bauphysikalisch kritisch zu bewerten und sollten ohne gesonderten Feuchteschutznachweis nicht ausgeführt werden. Des Weiteren ist bei von innen nach außen durchlaufenden Deckenbalken bzw. Massivholzdecken im Anschlussbereich Wand-Decke besonderes Augenmerk auf eine durchgängige luftdichte/dampfbremsende Gebäudehülle zu legen.

Werden Staffelgeschoße auf mineralischen Deckenbauteilen errichtet, ist im Neubau bei teilgeschützter und ungeschützter Lage ein Betonsockel bzw. eine -aufkantung auszuführen. Bei Bestandsgebäuden kann je nach baulicher Situation (z.B. aus statischen Gründen) davon abgewichen werden. Ein Abstand der Holzwand zum Betonuntergrund ist jedenfalls sinnvoll und kann auch in geringerer Höhe mit lastabtragenden Dämmstoffen erfolgen.

Schall- und Brandschutz planerisch festlegen

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Prof. Dr. Anton Kraler, Universität Innsbruck © privat

Schall- und Brandschutzanforderungen ergeben sich aus Gebäudeklasse und Nutzungseinheiten. In mehrgeschoßigen Gebäuden oder bei hoher Außenlärmbelastung spielen Schallschutzmaßnahmen im Terrassenaufbau eine wesentliche Rolle. Zusätzliche Massen – etwa durch Beton- oder mineralische Platten sowie Kiesschichten – verbessern den Schallschutz und erfüllen gleichzeitig brandschutztechnische Anforderungen. Ein Lösungsvorschlag für erhöhte Brand- und Schallschutzanforderungen ist ebenso in der Richtlinie abgebildet.

Des Weitern geht die Richtlinie auf unterschiedliche Geländeranschlüsse und Absturzsicherungen ein und verweist auch auf die Notwendigkeit einer regelmäßigen Pflege und Wartung, denn eine vernachlässigte Wartung kann zu Funktionsverlusten und erheblichen Bauschäden führen. Mindestens zwei Wartungsintervalle pro Jahr sowie zusätzliche Kontrollen nach außergewöhnlichen Witterungsereignissen werden empfohlen.

Fazit

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Staffelgeschoße sind zurückspringende Obergeschoße, die gegenüber dem darunterliegenden Geschoß versetzt angeordnet sind. © HFA

Staffelgeschoße in Holzbauweise sind technisch anspruchsvoll, aber bei konsequenter Planung und fachgerechter Ausführung dauerhaft und robust realisierbar. Die Richtlinie liefert dafür eine wertvolle Orientierung und eine praxisnahe Grundlage, die Planenden Sicherheit gibt und Ausführenden klare konstruktive Leitlinien an die Hand legt – ersetzt aber nicht die sorgfältige Abstimmung zwischen Planung und Ausführung auf der Baustelle.