„Holz von Hier“ – neues Umweltzeichen mit Standorten in Bezau und Wien

Ein Artikel von Birgit Gruber | 03.10.2019 - 12:49

Es hat zum Ziel, eine regionale und nachhaltige Holzproduktion und Holzverarbeitung zu fördern. Voraussetzung für die Vergabe des Labels ist deshalb, dass das gesamte Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft stammt. Der Nachweis erfolgt über ein FSC-, PEFC- oder ein anderes gleichwertiges Zertifikat. Zudem muss das Holz kurze Transportwege vom Wald über alle Verarbeitungsschritte bis zum fertigen Produkt aufweisen. Dabei gelten zulässige Distanzen zwischen 50 km (für Brennholz) und 350 km (bei Thermoholz für den Außenbereich).

Österreichvertretung installiert

Anlässlich eines wachsenden Interesses an dem Umweltzeichen in Österreich und zur Betreuung des immer größer werdenden Netzwerkes an Unternehmen gibt es seit heuer eine „Holz von Hier“-Vertretung in Österreich mit Standorten in Bezau und Wien. Betreut werden diese von Erich Reiner. Wir haben den studierten Holzwissenschaftler, der sein eigenes Ingenieurbüro betreibt, zu seiner Funktion befragt.

Das „Holz von Hier“- Zertifikat macht nur Sinn, wenn es in Österreich auch baurechtlich anerkannt und bei öffentlichen Ausschreibungen verlangt wird. Dies ist nun der Fall.

Erich Reiner, Ingenieur für Holzwirtschaft und Bauphysik
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Erich Reiner, Ingenieur für Holzwirtschaft und Bauphysik © Erich Reiner

Warum setzen Sie sich persönlich für das „Holz von Hier“-Label ein?

Ich bin in den 15 Jahren meiner Ingenieurstätigkeit immer wieder mit dem Thema heimisches Holz konfrontiert worden – sei es vonseiten der Landwirtschaftskammer oder diversen Forstvertretern. Daraus ist das Projekt „Vorarlberg-Holz“ hervorgegangen, um ein regionales Herkunftslabel zu schaffen. Das ist jedoch relativ unverbindlich geblieben und hat sich nicht so entwickelt, wie wir uns das vorgestellt haben. Im Zuge eines EU-weiten Projektes 2016/2017 sind wir dann mit der Deutschlandvertretung von „Holz von Hier“ in Verbindung getreten. Damals wurde bereits über eine Einführung des Labels in Österreich diskutiert.

Was waren die wichtigsten Voraussetzungen für die Einführung des Labels in Österreich?

Das „Holz von Hier“-Zertifikat macht nur Sinn, wenn es in Österreich auch baurechtlich anerkannt und bei öffentlichen Ausschreibungen verlangt wird. Dies ist nun der Fall. So ist das Umweltzeichen landesweit im baubook – der zentralen Nachhaltigkeitsplattform für Bauen – als Nachweis für Holz aus nachhaltiger Waldwirtschaft anerkannt. Der Umweltverband als Beratungs- und Servicestelle für das Vergabemanagement der Vorarlberger Gemeinden als Beispiel hat die Ausschreibungsfähigkeit des Umweltzeichens rechtlich geprüft und bestätigt. Im Bundesland Vorarlberg wird deshalb künftig bei kommunalen Ausschreibungen das Label als Anforderungskriterium integriert. Erste Ausschreibungen gab es bereits. Das sollte österreichweit zu unserem Erfolgsrezept werden.

Wie wird man Mitglied und welche Vorteile hat es für einen Betrieb, teil dieses Netzwerkes zu sein?

Unternehmen, die an der Zertifizierung teilnehmen möchten, müssen sich zunächst mit den Zielen der Initiative identifizieren. In einem zweiten Schritt erhalten jene einen elektronischen Zugang zum neutralen Controlling-System, welches auf der Basis eines Mengenbilanzsystems arbeitet. Dieses überprüft die Stoffströme und jede Produktcharge in Echtzeit. Das Logo, das Betriebe im Zuge ihrer Firmenauftritte nutzen können, ist alleine für den Kunden jedoch noch kein Herkunftsnachweis, da nur die Holzprodukte zertifiziert sind. Der eigentliche Nachweis besteht aus einer produktspezifischen Urkunde mit ID-Nummer. Ganz wichtig dabei ist mir persönlich, dass damit kein Kampf, Holz gegen Holz, entsteht. Der Betrieb kann sowohl zertifiziertes als auch nicht zertifiziertes Holz verkaufen. Steigt jedoch die Nachfrage nach heimischem Holz in den Ausschreibungen, habe ich als „Holz von Hier“-Betrieb in jedem Fall die Nase vorn.