Ein Kraftakt der Zimmerer

Ein Artikel von Raphael Zeman | 20.09.2021 - 11:36
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Matthias Ammann, Kommunikation und Strategie holzbau austria © Mathias Rhomberg

Ziel der Petition war es, auf die prekäre Situation der heimischen Zimmereien aufmerksam zu machen. Außerdem forderte man einen Holzdeal: die Zusicherung von 1,5 Mio. m³ Bauholz, die die österreichischen Holzbau-Meister jährlich benötigen. „Es geht uns dabei nicht darum, in die freie Marktwirtschaft einzugreifen, sondern um die Versorgungssicherheit für unsere Betriebe, um kalkulierbare Preise und Lieferzeiten“, erklärt Holzbau-Meisterin Birgit Maier.

Die Zimmerer sind positiv eingestellt und krempeln die Ärmel hoch.


Matthias Ammann, Kommunikation und Strategie holzbau austria

Kein leichtes Unterfangen

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Birgit Maier, Holzbau-Meisterin © Birgit Maier

„Es war gar nicht so einfach wie gedacht, denn viele schrecken davor zurück, ihre persönlichen Daten für eine solche Petition bekannt zu geben“, führt Maier aus. Auch Gerhard Kast, Landesinnungsmeister Burgenland und Obmann von holzbau austria, berichtet vom mühsamen Prozess: „Rein über die Online-Plattform war es schwierig, unser Anliegen an die Menschen zu bringen. Als wir dann aber mit ausgedruckten Listen und im persönlichen Gespräch an die Leute herangetreten sind, war man sofort bereit zu unterschreiben.“ Durch einen gemeinsamen Kraftakt gelang es schlussendlich, die kritische Marke der 10.000 Unterschriften zu knacken. „Für die Zukunft brauchen wir Planbarkeit. Das war der Beginn, der auch zeigt, wie viele Menschen den Wunsch haben, dass mit dem Rohstoff Holz sorgsam umgegangen wird. Trotz einer freien Marktwirtschaft muss es gewisse Regulierungen geben, Preissteigerungen wie im ersten Halbjahr 2021 sind einfach nicht tragbar“, verweist Maier.

Hier hat sich eine Gruppe formiert und so können wir auch in Zukunft schnell und geeint reagieren.


Birgit Maier, Holzbau-Meisterin

Resonanz bei Politik

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Gerhard Kast, Obmann holzbau austria © Michael Reitberger

Dass die Petition Früchte tragen wird, steht für Matthias Ammann, Kommunikationsstratege bei holzbau austria, außer Frage. „Über 10.000 Unterschriften sind ein starkes Ergebnis“, befindet er. „Wir wurden zwar von verschiedenen Seiten teilweise stark kritisiert, haben aber gleichzeitig um einiges mehr an Zustimmung erfahren. Das sieht man auch an der großen Gruppe an neuen Leistungspartnern von holzbau austria“, führt Ammann aus. Außerdem stelle man fest, dass das Engagement der Zimmereien auch vonseiten der Politik durchaus positiv wahrgenommen wurde. Vielen Politikern und Unternehmern sei bewusst geworden, dass ein überbordender Export eines lokalen Rohstoffes zu immensen volkswirtschaftlichen Schäden innerhalb Österreichs geführt hat. Ammann nennt hier finanzielle Schäden bei den Holzbaubetrieben, Bauverzögerungen bei öffentlichen und gewerblichen  Bauten sowie unerwartet hohe Mehrkosten bei den Bauherren. „Natürlich hat es unter den Industriebetrieben, Sägern und Händlern auch solche gegeben, denen die Wertschöpfungskette wichtig war, und die  alles getan haben, um die Zimmerer und die Bauherren vor noch größeren Schäden zu bewahren“, betont Tirols Landesinnungsmeister Simon Kathrein.

Wir werden weiterkämpfen, mit der Politik ins Gespräch gehen.


Gerhard Kast, Obmann holzbau austria

Der Holzbau formiert sich

Ein Ergebnis, das alle Akteure beobachten konnten, ist das länderübergreifende Zusammenwachsen der Zimmerer. Alle haben an einem Strang gezogen, sich stark gemacht und dieses wichtige Teilziel einer erfolgreichen Petition erreicht. „Hier hat sich eine Gruppe formiert und so können wir auch in Zukunft schnell und geeint reagieren“, so Maier. „Wir werden weiterkämpfen, mit der Politik ins Gespräch gehen. Wir brauchen Liefer- und Preissicherheit, um kalkulieren zu können und gegenüber dem Massivbau konkurrenzfähig zu bleiben“, erläutert Kast. „Derzeit fallen die Preise und auch Material ist wieder verfügbar. Die Zimmerer sind positiv eingestellt und krempeln die Ärmel hoch, denn sie wissen, dass auch die Politik den Holzbau braucht, um die CO2-Ziele zu erreichen“, beschreibt Ammann die Stimmung in den Betrieben.

Den Teamgeist und die neu entstandenen Synergien wollen wir für die Zukunft mitnehmen.


Simon Kathrein, Obmann-Stellvertreter holzbau austria

Die europäische Holzbauoffensive

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Simon Kathrein, Obmann-Stellvertreter holzbau austria © WK Tirol

„Die Zimmerer werden ihren Beitrag leisten, damit die Wertschöpfungskette Holz robuster, partnerschaftlicher und verlässlicher wird, und hoffen, dass auch die anderen Akteure diesen Weg mitgehen. Wir spüren die Unterstützung der Leistungspartner und der Politik, denn viele Regierungen wollen eine europäische
Holzbauoffensive mit europäischem Holz“, führt Ammann weiter aus. So seien die Zimmereiverbände Europas über die Vereinigung Timber Construction Europe (TCE) mit den jeweiligen politischen Stellen hinsichtlich einer solchen europäischen Holzbauoffensive in Kontakt. Der Wunsch vonseiten der Politik ist da, nun hoffen wir, dass die gesamte Wertschöpfungskette dieses Ziel miteinander verfolgt. Der Preis muss für alle stimmen: den Kunden, Architekten, Zimmerer, Säger und Waldbesitzer.

Jeder hat beigetragen

Für Kathrein hat sich in der Krise auch gezeigt, wie geschlossen die heimischen Zimmerer auftreten: „Gerade haben wir das Coronajahr erfolgreich überstanden und dann kommt die Rohstoffkrise. In einer Blitzaktion hat man daraufhin ein Team zusammengestellt und den bundesweiten Austausch forciert. Hier haben die Unternehmen aus allen Schichten und Größenordnungen Zusammenhalt bewiesen. Jeder Einzelne hat seinen Teil beigetragen.“

Positiv gestimmt blickt Kathrein in die Zukunft: „Dass sich eine Branche dermaßen aufstellt, hat es in diesem Ausmaß meines Erachtens noch nie gegeben. Diesen Teamgeist und die neu entstandenen Synergien wollen wir für die Zukunft mitnehmen.“