2023 beschloss die Stadt Essen, das ehemalige Gebäude der Bundesbank Essen in eine vierzügige Grundschule umzufunktionieren, um damit dem eigenen Anspruch im Sinne der Bauwende zu entsprechen und ein nutzlos gewordenes Gebäude nachzunutzen statt abzubrechen. Im Zuge einer Machbarkeitsstudie stellten sich die vorhandenen Raumtiefen zudem als optimal geeignet für die angestrebte Raumzonierung heraus. Der Bestand aus 1984 wird derzeit nach dem Entwurf von ACMS Architekten aus Wuppertal so ressourcenschonend wie möglich weiterentwickelt.
Offene Ganztagsschule mit Lernclustern
Das neue Schulgebäude ist als Clusterschule mit Ganztagsangebot geplant und setzt auf ein flexibles Raumkonzept. Ein zentraler Erschließungskern gliedert das Gebäude in zwei Hälften. Im Erdgeschoß werden die Aula beziehungsweise Mensa, Fachklassen sowie Verwaltungsbereiche untergebracht. In den beiden Obergeschoßen sind insgesamt vier Schulcluster mit jeweils vier Klassenräumen, Differenzierungsräumen sowie offenen Aufenthalts- und Lernbereichen verortet. Im Untergeschoß wird im Bereich der früheren Tiefgarage eine Einfeld-Sporthalle errichtet, der ehemalige Tresorraum wird zu einem 150 m² großen Bewegungsraum umfunktioniert.
Rückbau, Sanierung und Erweiterung
Das Staffelgeschoß, in dem vormals Wohnungen untergebracht waren, wurde samt Dachkonstruktion vollständig rückgebaut, das Erd- und erste Obergeschoß bis auf die Tragstruktur komplett entkernt. Die ehemalige Tiefgarage wurde inklusive der Rampenanlage bis auf die Bodenplatte abgebrochen.
Im nächsten Schritt erhielt der Bestand ostseitig eine Erweiterung um rund 9 m, im Nordwesten wurde die Einfeld-Sporthalle angebaut und obenauf das zweite Obergeschoß als Vollgeschoß (wieder) aufgestockt. Die Erweiterungen wurden als tragende Elemente in vorgefertigter, hochdämmender Holztafelbauweise ausgeführt. Die Bestandshülle wiederum sanierte man mit nichttragenden Elementen derselben Art. Der Innenausbau wird derzeit in Trockenbauweise mit akustisch wirksamen, abgehängten Decken ausgeführt.
Zertifizierung in BNB Silber
Berechnungen der Planer zufolge werden durch den Erhalt des Rohbaus 1500 t CO2-Äquivalente weiterhin in der massiven Stahlbetonkonstruktion des Bestands weitergenutzt und zusätzlich 970 t eingespart, die bei einem Neubau in Stahlbeton-Skelettbauweise anfallen würden. Die Erweiterungen, Aufstockung sowie thermische Sanierung in Holztafelbauweise tragen ihren Teil zu den Nachhaltigkeitsansprüchen des Projekts bei, das Flachdach des Schulriegels wird zudem als Warmdach mit extensiver Begrünung und Photovoltaikmodulen ausgeführt. Bis auf die Nordseite erhalten alle Fenster außenliegenden Sonnenschutz. So soll eine Zertifizierung nach BNB-Standard in Silber erreicht werden.
Im Norden wird zudem ein Schulhof errichtet, der in Kombination mit dem begehbaren Dach der Sporthalle einen vielseitig nutz- und bespielbaren Außenraum für die rund 420 Schüler der neuen Grundschule bieten wird.