Vom Rückbau zum nächsten Gebäude

Ein Artikel von Birgit Gruber | 30.09.2026 - 11:06

Wie lässt sich Holz möglichst lange im Kreislauf halten? Und welche Voraussetzungen braucht es, damit aus dem Anspruch an zirkuläres Bauen auch wirtschaftlich tragfähige Lösungen werden? Diese Fragen standen im Mittelpunkt des 2. Kreislaufforum Holz der Holzforschung Austria. Das Programm spannte den Bogen von aktuellen Forschungsergebnissen über Praxisempfehlungen und konkrete Bauprojekte bis hin zu Lieferketten und dem Potenzial künstlicher Intelligenz.

Zum Auftakt stellte Martin Weigl-Kuska (Holzforschung Austria) Ergebnisse des Forschungsprojekts „TimberLoop“ vor. Christoph Paul (Brantner Österreich) beleuchtete anschließend rechtliche Rahmenbedingungen, Verwertungswege und Kaskadennutzung von Bau- und Abbruchholz. Veronika Reinberg (ÖGUT) präsentierte zudem eine Studie zu zirkulären Massenströmen und Potenzialen im Holzkreislauf. Demnach könnten in einem Szenario für 2050 rund zehn Prozent des Inputs für Holzbauprodukte aus Altholz durch Re-Use oder Remanufacturing stammen.

Wiederverwenden statt neu produzieren

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Rund 70 Teil­nehmer:innen infor­mierten sich beim 2. Kreis­lauf­forum Holz der Holz­for­schung Austria in Wien über aktu­elle Entwick­lungen, Rahmen­be­din­gungen und hilf­reiche Tools zur prak­ti­schen Umset­zung der zirku­lären Altholz­nut­zung. © Holzforschung Austria

Sandra Schuster (TU München) widmete sich der Bewertung und Dokumentation der Demontierbarkeit von Holzbauwerken. Daniel Dieren (IB Holz, TU Braunschweig) zeigte das Potenzial des Holztafelbaus für zirkuläre Konstruktionen. Erfahrungen aus der Wiederverwendung tafelförmiger Holzbauteile brachte Peter Schober (TU Wien) ein. Im Rahmen eines Musterhausprojekts wurden rückgebaute Bauteile bewertet und für eine Datenbank erfasst, die künftig die Planung von Re-Use-Bauteilen unterstützen soll.

Auch bei der Planung rückt der gesamte Lebenszyklus eines Bauteils stärker in den Mittelpunkt. Marius Valente (TU Wien) sprach über kreislauforientierte Materialnutzung, Ernst Dengg (TU Graz) über den langfristigen Werterhalt von Vollholzbauteilen. Thomas Romm (Forschen Planen Bauen ZT) stellte mit ZiFa 2.0 ein Projekt vor, mit dem die Stadt Wien kreislauffähiges Planen und Bauen ab 2030 zum Standard bei Neubau und Sanierung machen will. Andreas Murauer (Schmid Holzbau) zeigte anhand des Schulprojekts Tullnerbach, welche Rolle zirkuläre Konzepte auch bei öffentlichen Ausschreibungen spielen können.

Digitale Werkzeuge und neue Geschäftsmodelle

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf den zeitlichen und wirtschaftlichen Dimensionen der Kreislaufwirtschaft. Simon Winter (Holzforschung Austria) spannte den Bogen von Environmental Product Declarations (EPDs) bis zum digitalen Produktpass. Martin Weigl zeigte anhand von Fallbeispielen, dass auch für schadstoffbelastetes Altholz unterschiedliche Verwertungswege möglich sind. Kurt Pock (KPZT) ergänzte die Perspektive der Architektur mit bereits realisierten Beispielen aus dem D-A-CH-Raum.

Dass der Wandel zur Kreislaufwirtschaft nicht nur eine technische, sondern auch eine wirtschaftliche Herausforderung ist, machte Lena Silbermayr (WU Wien) deutlich. Sie beleuchtete die Veränderungen in den Holzlieferketten und die damit verbundenen Chancen und Herausforderungen. Andreas Weidenhiller (Holzforschung Austria) präsentierte Forschungsergebnisse zur Wiederverwendung von Stablamellen aus rückgebautem Brettschichtholz. Im laufenden Projekt „Grade2New“ werden dazu unter anderem Keilzinkenfestigkeit und mechanische Eigenschaften untersucht.

Zum Abschluss richtete Anna-Vera Deinhammer (FH Wien) den Blick auf künstliche Intelligenz und deren Potenzial für das zirkuläre Bauen. Den Schlusspunkt setzte Martin Weigl-Kuska mit dem Appell, Kreislaufwirtschaft nicht nur als Teil der Nachhaltigkeitsdebatte, sondern auch als profitablen Wirtschaftszweig zu begreifen.

Neben den Vorträgen bot das Kreislaufforum mit Diskussionsrunden und einer Poster-Session Raum für den direkten Austausch. Damit wurde deutlich: Der Weg zum zirkulären Holzbau führt nicht über eine einzelne Lösung, sondern über das Zusammenspiel von Forschung, Planung, Bauwirtschaft, Industrie und neuen Geschäftsmodellen.

Quelle: Holzforschung Austria