Hoch über Wien – es ist vollbracht

Ein Artikel von Kathrin Lanz | 22.01.2020 - 11:56
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© KiTO / Michael Baumgartner

Als die Kerbler Gruppe im Jahr 2015 den Bau des damals noch höchsten Holzhauses, kurz HoHo, bekannt gab, war die Holzbranche sprichwörtlich aus dem (Holz-)Häuschen. Das hat es in Österreich, nein, auf der ganzen Welt noch nicht gegeben. 24 Geschosse, 84 m in Holzhybridbauweise. Immobilieninvestor Günter Kerbler war vorwiegend bekannt dafür, bei Altbausanierungen und Dachgeschossausbauten in Wien aktiv zu sein. Ein Bürohochhaus-Neubau, noch dazu in Holz, war eine absolute Neuigkeit. Ein Kernteam aus Baumeisterin Caroline Palfy, Tragwerksplaner Dr. Richard Woschitz und Hochhausarchitekten Univ.-Prof. Rüdiger Lainer arbeitete einen Entwurf aus. Und schon konnte es losgehen.

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Bmstr. Ing. Caroline Palfy © cetusBaudevelopment / Klaus Vyhnalek

Im Oktober 2015 genehmigten die Behörden den Bau des 24-geschossigen Holz-Hochhauses in Wien. Von Anfang an in enger Abstimmung mit den zuständigen Behörden, waren zu diesem Zeitpunkt auch die formalen Anforderungen durch. Fast exakt ein Jahr später, am 12. Oktober 2016, erfolgte dann in der Seestadt Aspern der Spatenstich des HoHo Wien. Projektleiterin Palfy und Investor Kerbler legten damit gemeinsam mit Markus Handler, Geschäftsführer des Generalunternehmers Handler Holding, Architekt Rüdiger Lainer, Tragwerksplaner Dr. Richard Woschitz, Brandschutzplaner Alexander Kunz und Alexander Kopecek, Vorstand von Aspern Development, den Grundstein für 24 Geschosse in Holzmischbauweise und damit für den damals welthöchsten Holzbau.

Auswahl der Zulieferer

Seit Mai 2017 standen dann die Holzlieferanten fest. Zwei Unternehmen, wie es Caroline Palfy prognostiziert hatte, teilten sich den Auftrag: MMK, ein Joint Venture aus der Mayr-Melnhof Holz, Leoben, und der Kirchdorf Gruppe, Kirchdorf an der Krems, ist für die Produktion der Holz-Beton-Verbunddecken nach einem intern bereits geprüften System verantwortlich. Hasslacher Norica Timber, Sachsenburg, liefert die Brettschichtholz-Stützen sowie die Brettsperrholz-Wandelemente.

Der Holzbau kann beginnen

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© Erich Reismann Photography

Im Oktober 2017 erhält das HoHo die erste Holzlieferung. Im Kirchdorfer Fertigteilwerk in Gerasdorf wurden rund 16.000 m² Holz-Beton-Verbunddeckenelemente produziert. Dies entspricht rund 1000 Bauteilen, welche mit etwa 250 Lkw-Fuhren just in time auf die Baustelle in Aspern geliefert wurden. Hasslacher lieferte fürs HoHo rund 800 Stück Brettschichtholz-Stützen sowie 14.400 m2 Brettsperrholz als Außenwandelemente, mit der Besonderheit, dass die Fenster bereits in der Produktionsstätte eingebaut wurden. Aufgrund der ausgeklügelten Logistik waren lediglich 50 Lkw-Transporte von Kärnten nach Aspern notwendig, um diese Menge an unterschiedlichen Bauteilen zu liefern. Für die HBV-Deckenelemente wurden BSP-Platten mit lokalen Vergussaussparungen und Klappeisen schubsteif mit Beton verbunden. Randträger werden im kraftschlüssigen Verbund mit Decken und Stützen über Vergussbereiche ausgeführt. Die BSH-Stützen besitzen eine vertikale Zugverankerung durch eingeklebte Eisen und Verguss im Hüllrohr mit dem Randträger. Die Holzelemente werden im Werk vorgefertigt und als Ganzes an die Baustelle geliefert. Der Stahlbeton wird vor Ort hergestellt. Außen ist eine Putzfassade vorgesehen. Unverkleidet sichtbar bleiben Holzoberflächen. Drei Brandschutzmaßnahmen sorgen für Sicherheit (R90): Überdimensionierung, kleinere Brandabschnitte und eine Sprinkleranlage.

Der kleine Bruder

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© Michael Reitberger

Im März 2018 ist es so weit: Ein Vorgeschmack, wie es in dem 84m-Holzhochhaus einmal aussehen könnte, wird mit dem kleinen sechsgeschossigen Bruder, dem HoHo Next, der Öffentlichkeit präsentiert.  

Dank an Zimmerer

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© KiTO / Michael Baumgartner

Im Juni 2019 verkündete Caroline Palfy: „Wir haben es geschafft, das Hochhaus steht“, bei der erstmaligen öffentlichen Präsentation des HoHo am 5. Juni. Zahlreich hatte sich Prominenz aus der Immobilienwirtschaft, Politik und Holzbaubranche im Erdgeschoss versammelt. „Besonderer Dank gilt den Zimmerern“, hob die Baumeisterin in ihrer Ansprache hervor. „Sie haben das HoHo als ihr ganz persönliches Projekt angesehen und dementsprechend mit viel Schweiß und Freude daran gearbeitet. Es war schön, sie täglich dabei zu beobachten.“

Im Sommer 2020 eröffnet die internationale Hotelkette Dormero das Hotel im HoHo Wien und betreibt somit 119 Zimmer, 24 Serviced Apartments für Kurzzeitmieter, den Seminarbereich im 15. Obergeschoss sowie das Restaurant mit direktem Blick auf den See.

Dass die Geschichte, die das HoHo geschrieben hat, damit nicht zu Ende ist, davon kann man ausgehen. Nach dem wahnsinnigen Medienecho, das der Bau ausgelöst hat, sowie dem Baustellentourismus aus aller Welt kann man sicher sein, dass das Gebäude Zeichen gesetzt hat. Zeichen pro Holzbau – und das weltweit.

Projektdaten

Standort: Seestadt Aspern
Eigentümer/Auftraggeber: cetus Baudevelopment GmbH, Bmstr. Ing. Caroline Palfy, Investor Günter Kerbler
Architektur: RLP Rüdiger Lainer + Partner; Ernst Giselbrecht
Tragwerksplanung/Bauphysik: RWT+ZT GmbH
Brandschutzplanung: Kunz – die innovativen Brandschutzplaner
Bauunternehmen: Handler Gruppe
Holzlieferanten: Mayr-Melnhof Holz im Joint Venture mit der Kirchdorfer Gruppe sowie Hasslacher Norica Timber
Holzmenge: 16.000 m² Verbunddecken, 800 BSH-Stützen, 14.000 m² BSP
Bruttogesamtfläche: 25.000 m²