Holzbaupreis Steiermark vergeben

Ein Artikel von Birgit Gruber | 25.09.2023 - 10:44

„Schön, perfekt gearbeitet und ein klares Bekenntnis zu zukunftsfittem Bauen – das kann der Holzbau in der Steiermark. Wir freuen uns über die herausragenden Holzbauten“, so die Auslober des Holzbaupreises Steiermark, Landesinnungsmeister Oskar Beer und „Besser mit Holz“-Obmann Bernhard Neubauer. Die Jury wählte aus den 145 Einreichungen sechs Preisträger, die neben Architektur und Handwerk vor allem dem Kriterium „Ressourcenschonung und Verdichtung“ entsprachen. Denn gerade hier spielt der Holzbau sein Können aus. Zusätzlich vergab die Jury zwei Anerkennungspreise. Beer und Neubauer sind sich einig: „Der Holzbaupreis zeigt, dass Bauen zukunftsfähig ist durch: sorgfältigen Umgang mit Ressourcen, nachhaltig gedachter Planung in Verbindung mit steirischem Handwerkskönnen und Architektur.“ Im Anschluss sind die sechs Preisträger und die zwei Anerkennungen mit den jeweiligen Jurybewertungen aufgelistet:

Kategorie private Wohnbauten: Haus B16

Bauherr: Stefanie Waßer und Michael Moitzi
Planung: Plateau
Ausführung: Alpe
Statik: Plateau 

Das Architektenpaar hat das eigene Haus optimal in die vorgegebene innerstädtische Lücke zwischen den Nachbargebäuden gesetzt. Das Stadtbild wird perfekt ergänzt und die alten Obstbäume im Garten bleiben erhalten. Der realisierte umbaute Raum wurde bis zum First großzügig ausgenutzt, womit auf kleiner Fläche ein Raumerlebnis erzeugt wurde, welches seinesgleichen sucht. Zum Obstgarten hin öffnet sich das Haus mit einer Loggia und nutzt so den beruhigten Außenraum, welcher zu jeder Jahreszeit Teil des Wohnraums wird. Zur Straße hin wirkt das Gebäude als schlichtes geschlossenes Volumen, dessen dunkle Holzfassade die Wirkung eines zeitgemäßen Stadthauses schafft. Die Vorzüge der Brettsperrholzbauweise wurden hier optimal genutzt, um Schalldämmung und Lastabtragung in gekonnter Weise zu bewerkstelligen. Die komplexen planerischen Vorgaben wurden vom ausführenden Holzbaumeister ausgezeichnet umgesetzt und spiegeln ein hohes technisches und handwerkliches Niveau wider.

Kategorie private Wohnbauten: Low-Budget Haus Feldbach

Bauherr: Sebastian und Ilona Bruckner
Planung: Habsburg Isele Architekten, Architektin Ulrike Tinnacher
Ausführung: Röck Bau
Statik: thurner engineering


Klein, fein und kostengünstig. Das war die Vorgabe. Ein schwer bebaubares Grundstück in Hanglage, der Erhalt des alten Obstbaumbestands und ein sehr enger Budgetrahmen waren die Eckpunkte für den Bau dieses Hauses. Städtebaulich ist es ein Lückenschluss auf einem Geländerücken mit toller Aussicht bis zur Riegersburg. Gekonnt wurden die unterschiedlichen Ebenen des Gebäudes entsprechend dem Höhenverlauf des Geländes versetzt. Somit ergibt sich eine verspielte Raumlandschaft mit Rückzugsorten auf einer „kleinen“ Grundfläche von 105 m² Wohnfläche. Sowohl das Architektenteam als auch die Holzbau-Meister haben sich hier auf das traditionelle Handwerk besonnen und mit einfachen Detailausbildungen ein modernes und sparsames Gebäude geschaffen, welches keine Wünsche offenlässt.

Kategorie mehrgeschoßiger Wohnbau: Neues im Dorfzentrum

Bauherr: AMRE
Planung: Lendarchitektur und Scheiberlammer Architekten
Ausführung: Holzbau Horn
Statik: Lackner Egger


Es ist ein Vorzeigeprojekt mit sozialem Mehrwert, architektonisch durchdacht und handwerklich auf höchstem Niveau. Errichtet mitten im Dorf, rahmen die beiden Neubauten gemeinsam mit Pfarrhaus und Kirche den für die Gemeinde neu gestalteten Pfarrplatz, bieten Wohnraum für mehrere Generationen und sind Standort für den Sprengelarzt inklusive Hausapotheke. Der auffallende Laubengang als „Dorfplatzbalkon“ ist Übergang hin zum Privaten. Er ist wesentliches Gestaltungselement des Bauwerks und des öffentlichen Raums. Vom Pfarrplatz abgewandt bietet eine vorgelagerte Balkonzone den Wohnungen einen geschützten Rückzugsraum mit Blick ins Grüne. Das Projekt schafft neben der medizinischen Grundversorgung und dem zentral gelegenen Wohnraum auch ein gelungenes Beispiel einer Dorfkernbelebung durch Baukultur. 

Kategorie landwirtschaftliche Bauten: Weinhof Locknbauer

Bauherr: Lukas Jahn – Weinhof Locknbauer
Planung: Mascha Ritter Architektur
Auführung: Muhri-Holz

Nahe dem Dreiländereck Österreich – Slowenien – Ungarn, im vom Weinbau geprägten Hügelland, präsentiert sich ein landwirtschaftlich genutztes Gebäudeensemble, welches nach den klaren Vorgaben eines jungen Winzers aus dem Altbestand in eine zeitgemäße Produktionsstätte für ausgezeichnete Weine verwandelt wurde. Der Bestand des Stallgebäudes wurde entkernt und bis auf den wertvollen Gewölbeteil reduziert. Dieser dient als zentraler Teil des neuen Gebäudes als Fasslager und auch als fließender Übergang zwischen Produktion und Degustationsbereich. Die Architektur ist ein auszeichnungswürdiges Beispiel, wie sich das Konzept des jungen Weinbauern nach einer transparenten Produktion und nach Anspruch auf Qualität gelungen in einem Bauwerk widerspiegeln kann. Der somit entstandene schlichte Baukörper, der sich in unaufgeregter Form an der traditionellen Struktur der umliegenden Höfe und dem vorgefundenen Bestand orientiert, wird vor allem durch das Holzdachtragwerk als zentralem Gestaltungselement geprägt, welches eine gelungene Kombination aus traditioneller Zimmermannsarbeit und modernem Ingenieurholzbau darstellt. 

Kategorie öffentliche oder gewerbliche Bauten: Voisthalerhütte am Hochschwab

Bauherr: Alpenverein Austria
Planung: Dietger Wissounig Architekten 
Ausführung: Steger Bautauf
Statik: GDP ZT, Josef KoppelhuberFS1 Fiedler Stöffler

Wie ein Findling sitzt die neue Voisthalerhütte an der östlichen Geländekante des Hochtals der Oberen Dullwitz. Um den heutigen Anforderungen einer Schutzhütte gerecht zu werden, wurde die bestehende Hütte durch einen Neubau ersetzt. Das Raumprogramm ist in der Vertikale über vier Geschoße organisiert und minimiert dadurch die bebaute Fläche sowie Erschließungsflächen. Der über eine großzügige Terrasse an der Westfassade zugängliche Windfang dient bei geschlossener Hütte als Notraum. Um eine zentrale Treppe gruppieren sich im Erdgeschoß der Gastraum und die Küche, in den beiden Obergeschoßen die Schlafräume für Gäste und die Hüttenwirte mit kleinen Gemeinschaftssanitäreinheiten. Der Gastraum als zentraler Kommunikations- und Aufenthaltsbereich bietet durch die gezielte Setzung von großzügigen Fensteröffnungen eine atemberaubende Aussicht in die Umgebung und mit Holzoberflächen eine wohnliche Atmosphäre. Bauen im hochalpinen Gelände ist eine besondere Herausforderung für die Planenden und die Ausführenden. Bei der Voisthalerhütte wurde sie klug in hoher Präzision bewältigt und räumlich vorbildlich realisiert.

Kategorie Bauten außerhalb der Steiermark: Turnsaal & Musikverein Kirchberg am Wagram

Bauherr: Marktgemeinde Kirchberg am Wagram
Planung: Laurenz Vogel Architekten
Holzbau: Lieb Bau Weiz – Geschäftsbereich Holz Bau Weiz

Mit dem Turnsaal und dem Musikverein in Kirchberg am Wagram wurden zwei unterschiedliche Typologien in einem Gebäude vereint. Der Neubau befindet sich am selben Standort wie der alte Turnsaal und ist durch ein Stiegenhaus mit der Mittelschule verbunden. Das dreigeschoßige Gebäude beherbergt den neuen Turnsaal, einen Aufenthaltsraum für die Nachmittagsbetreuung und den Musikverein mit Musiksaal, Probe- und Begegnungsräumen. Trotz der unterschiedlichen Nutzungen entstand ein Gebäude wie aus einem Guss. Jede Funktion bleibt für sich unabhängig und doch sorgen ausgeklügelte Sichtbeziehungen und Raumkonfigurationen für Begegnung und Synergien. Das bestimmende Bau- und Gestaltungselement ist Holz. Farblich dominieren Weißtanne und Esche. Das Gebäude ist mit Holzlamellen verkleidet, die je nach Betrachtungswinkel und Lichteinfall für ein anderes Erscheinungsbild sorgen. Darüber hinaus dienen die Holzlamellen zur Beschattung, um einer (sommerlichen) Überhitzung des Gebäudes entgegenzuwirken. Es wird bei diesem Projekt ein Raumklima geschaffen, das den Bedürfnissen und dem Wohlbefinden der Nutzer sowie der Gemeinde gleichermaßen Rechnung trägt.

Anerkennungspreis: Wohnen am Roseggerweg

Bauherr: Brucker Wohnbau
Planung: dreiplus Architekten
Ausführung: Strobl Bau – Holzbau 
Statik: Baumeister – Ing. Wolfgang Rauch

Am nördlichen Ortsrand von Kindberg reihen sich an einem an den Wald angrenzenden Geländeplateau fünf dreigeschoßige Wohnbauten aneinander, wo zuvor das ehemalige Seniorenheim als länglicher Solitär gestanden ist. Großzügig sind die grünen Abstandsflächen zwischen den Gebäuden, die den Bewohnern als Gartenfläche dienen. Teilweise auf Keller, Bodenplatte und Streifenfundamenten wurden die „leichten“ schlichten Holzbauten rechtwinklig zum Hang gestellt. Zueinander etwas versetzt, fügen sich die neuen Bauten mit der Ausrichtung ihrer Satteldächer hervorragend in die städtische Situation ein. Qualitativ hochwertiges Bauen unter Einhaltung aller Kostengrenzen im geförderten Wohnbau ist in Holzbauweise möglich. Das zeigt „Wohnen am Roseggerweg“ in Kindberg beispielgebend. 

Anerkennungspreis: Ressourcenpark Graz

Bauherr: Holding Graz 
Planung: planconsort
Ausführung: Rubner Holzbau

Mit der Fertigstellung des neuen Ressourcenparks im Herbst 2022 gegenüber dem alten, in die Jahre gekommenen Standort in der Sturzgasse ist das zentrale Abfallwirtschafts- bzw. Recyclingzentrum der stetig wachsenden Landeshauptstadt Graz in der Moderne angekommen. Das neue Areal besteht aus Verwaltungsgebäuden (Büro, Aufenthalt, Schulung, Re-Use etc.) und aus den eigentlichen Stoffsammelstellen, welche grob in zwei Außenzonen (Wertstoff- und Reststoff-Zone) untergliedert sind. Dieser Freibereich ist auf zwei Ebenen organisiert und mittels einer geschwungenen Flugdachkonstruktion großflächig überdacht und vor Witterung geschützt. Die Ausführung dieser Flugdachkonstruktion kann getrost als einer der gelungensten modernen Ingenieurholzbauten im Großraum Graz bezeichnet werden. Das einzige Manko: Holz hätte verdient, im ganzen Gebäudekomplex eingesetzt zu werden.

Quelle: Landesinnung Holzbau, „Besser mit Holz“